WEINFELDEN: Fall Flaach: Vater zu 42 Monaten Haft verurteilt

Der Mann, dessen Frau Anfang 2015 in Flaach die beiden gemeinsamen Kinder und später sich selbst tötete, ist vom Bezirksgericht Weinfelden zu einer Haftstrafe von 42 Monaten verurteilt worden.

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Der Prozess findet im Bezirksgericht in Weinfelden statt. (Bild: Mario Testa)

Der Prozess findet im Bezirksgericht in Weinfelden statt. (Bild: Mario Testa)

Das Bezirksgericht Weinfelden verhandelte heute einen Betrugsfall. Ein 30-jähriger Schweizer musste sich wegen ungezählten Internetbetrugsfällen, Urkundenfälschung und weiterer Delikte mit einer Schadensumme von rund 250'000 Franken verantworten. Der Mann gab alle ihm vorgeworfenen Taten zu und zeigte sich reuig. Im abgekürzten Verfahren wurde er zu 42 Monaten Haft und einer Geldstrafe von 1200 Franken verurteilt. Rund die Hälfte seiner Gefängnisstrafe davon hat er bereits in Untersuchungshaft und dem vorzeitigen Strafvollzug abgesessen.

Chance auf ein neues Leben
Er stehe zu Recht vor Schranken, sagte der Beschuldigte, der im abgekürzten Verfahren sämtliche Vorwürfe anerkannte. Er werde alles dransetzen, dass sich "ein solch negativer Lebensabschnitt nicht wiederholt". Bei den Dutzenden Geschädigten entschuldigte er sich und versprach, alles zu tun, um ihnen ihr Geld zurückzuzahlen.

Der Schweizer und seine Frau, Eltern von zwei kleinen Kindern, waren am 4. November 2014 verhaftet worden. Er sei froh gewesen darum, sagte der Beschuldigte. Von der Verhaftung versprach er sich ein Aufwachen aus dem realitätsfernen Leben, in das die Familie zusehends geglitten war. Sie sollte die Chance zu einem neuen Leben sein. Stattdessen verübte seine aus der Untersuchungshaft entlassene Frau "die monströse Tat": Am 1. Januar 2015 erstickte sie die beiden gemeinsamen Kinder, die zu jener Zeit in einem Heim untergebracht waren und die Festtage mit der Mutter hatten verbringen dürfen.

Die KESB treffe keine Schuld, betonte der Beschuldigte. Die Behörden waren im Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt heftig angegriffen worden. Auch eine Untersuchung, die sie weit gehend entlastete − es habe an der Kommunikation gehapert, wurde festgestellt − konnte die Anfeindungen nicht ganz zum Verstummen bringen.

Immer stärker unter Druck
In der Zeit davor sei er immer mehr unter Druck seiner Frau geraten, sagte der gelernte Verkäufer. Sein Einkommen reichte hinten und vorne nicht, sie wollte immer mehr − ein grössere Wohnung, ein eigenes Haus. Und sie habe ihm gedroht, die Kinder werde er nie mehr sehen, wenn er ihr die Wünsche nicht erfülle.

Der Gerichtspsychiater diagnostizierte bei der Frau später eine ernsthafte Persönlichkeitsstörung, namentlich einen instabilen Realitätsbezug. Er selbst sei immer mehr auch in diese Relitätsferne hineingerutscht, begründete der Schweizer seine Delikte. (mte/sda)