WEINFELDEN: Es fehlen Mamis auf Zeit

Der Verein Tagesfamilien Mittel- und Oberthurgau vermittelt Tagesmütter zur Kinderbetreuung. Zurzeit ist für mehrere Familien kein passendes Angebot in Sicht, und die Nachfrage steigt.

Isabella Gómez
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Fremdbetreuung der Kinder durch Tagesmütter ist gefragt. In der Region Mittelthurgau mangelt es derzeit an Angeboten. (Bild: Ennio Leanza/KEY)

Fremdbetreuung der Kinder durch Tagesmütter ist gefragt. In der Region Mittelthurgau mangelt es derzeit an Angeboten. (Bild: Ennio Leanza/KEY)

Isabella Gómez

isabella.gomez@thurgauerzeitung.ch

Loslassen ist nicht einfach, schon gar nicht die eigenen Kinder. Wenn es jedoch nicht anders geht, überlässt man sie nicht irgendjemandem, sondern einer vertrauten Person, von der man weiss, dass sie gut auf die Kleinen aufpasst. Wenn unter den Verwandten keiner dafür gefunden wird, springt die Tagesfamilie ein. Derzeit suchen mehrere Familien über den Verein Tagesfamilien Mittel- und Oberthurgau eine solche Kinderbetreuung in Weinfelden. Seit längerem haben sich jedoch keine Tageseltern mehr gemeldet.

Dass keine Tagesfamilien gefunden werden, sei kein generelles Problem, sagt Ilona Stolz, Leiterin der Geschäftsstelle. «Wir hatten in den letzten Jahren eine gute Resonanz.» Dennoch gebe es immer wieder Zeitpunkte, an denen Tagesfamilien gesucht werden. «Manchmal gibt es an einem Ort viele Angebote, aber eben nicht dort, wo sie gebraucht werden. So ist es momentan auch in Weinfelden.»
 

Unter die Lupe genommen

Um als Tagesmutter eingestellt zu werden, führen die Bewerberinnen ein Gespräch mit dem Verein Tagesfamilien Mittel- und Oberthurgau, der danach auch ­einen Hausbesuch macht. Eine spezielle Ausbildung braucht es nicht. Einige Voraussetzungen, wie beispielsweise eine stabile Familiensituation und eine kindgerechte und suchtmittelfreie Umgebung müssen erfüllt sein. Auch ein Erste-Hilfe-Kurs für Kleinkinder und eine fünftägige Grundausbildung müssen die zukünftige Tagesmütter absolvieren. Die Zielgruppe sind Mütter, es gibt jedoch auch Tagesmütter, die keine eigenen Kinder haben. «Auch Väter können sich bei uns bewerben, das kommt aber sehr selten vor. Das liegt noch an den Rollenbildern», sagt Stolz. Erst einmal habe es einen Tagesvater gegeben. «Damals haben Mutter und Vater ein Jahr lang ihre Rollen getauscht.»

Eltern, die eine Tagesmutter suchen, melden sich beim Verein mit Sitz in Erlen an der Fabrikstrasse. Dieser macht einen Vorschlag und vereinbart ein Gespräch, damit sich Eltern und Tagesfamilie kennen lernen. Wenn es passt, kommt es zu einer vertraglichen Regelung. Dazu gehört auch der Lohn. Er bildet sich aus den Betreuungsstunden und der Anzahl Kinder. Auch Mahlzeiten werden entschädigt. «Wer die ganze Woche mehrere Kinder betreut, kann theoretisch von diesen Löhnen leben», sagt Stolz.
 

Tagesfamilien ergänzen Kitas

Der Verein führt regelmässige Gespräche mit den Tagesmüttern und macht Hausbesuche. Zehn Mal im Jahr gibt es einen Fachaustausch unter den Tagesmüttern. Nebst diesem Gespräch werden immer wieder Weiterbildungen mit externen Referenten und Workshops mit pädagogischen Themen angeboten. Diese sind nicht obligatorisch, doch die Tagesmütter sind vertraglich verpflichtet, drei Stunden im Jahr Weiterbildungen zu machen.

Kitas und ähnliche Angebote sieht Ilona Stolz nicht als Konkurrenz für die Tagesfamilien. «Es ist eher eine sinnvolle Ergänzung», sagt sie. Die Betreuungszeiten der Tagesfamilien seien oft Randzeiten, und auch Übernachtungen können abgemacht werden. Ausserdem bedeute eine Kita für manche Kinder Stress, den sie nur schlecht ertragen. «Wegen der vielen anderen Kinder und der wechselnden Bezugspersonen», sagt Stolz.

www.tagesfamilien-motg.ch