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WEINFELDEN: Es erstrahlt in altem Glanz

Das Schloss oberhalb des Dorfes hat eine turbulente Geschichte hinter sich. Die Besitzer wechselten mehrfach, es wurde abgebrochen, wieder aufgebaut und diente einst gar als Altersheim.
Sabrina Bächi
Das Schloss Weinfelden, wie es vor dem grossen Rückbau 1972 aussah. (Bild: PD/Bürgerarchiv Weinfelden)

Das Schloss Weinfelden, wie es vor dem grossen Rückbau 1972 aussah. (Bild: PD/Bürgerarchiv Weinfelden)

Sabrina Bächi

sabrina.baechi@thurgauerzeitung.ch

Lieblich zwischen den Reben am Hain eingebettet thront das Schloss über Weinfelden. Ein beliebtes Postkartensujet, Erkennungsmerkmal und nicht zuletzt auch ein bisschen der Stolz vieler Weinfelder. Doch die Vergangenheit des Anwesens ist facettenreich. 31 Vögte regierten auf dem Schloss, 1614 wurde es gar an die Stadt Zürich verkauft. Einst war es nur noch eine Ruine und erst seit 1972 sieht das Schloss wieder aus, wie es einst gebaut wurde.

Eine alte Fotografie des Schlosses vor dem Rückbau 1972. (Bild: (Bürgerarchiv Weinfelden))
Das Schloss vor dem Rückbau 1972 von Südosten. (Bild: (Bürgerarchiv Weinfelden))
Innenraum des Schlosses um 1928: oben Türe zum Büro, unten Mitte Türe zum Restaurant, das Olga Bürchler während drei Jahren führte. (Bild: (Bürgerarchiv Weinfelden))
Innenraum des Schlosses um 1910. (Bild: (Bürgerarchiv Weinfelden))
Das Schloss nach dem Abbruch 1846: Nur noch eine Ruine. (Bild: (Bürgerarchiv Weinfelden))
Alter Kuperstich des Schlosses. Es zeigt das Anwesen wie es etwa um 1740 aussah. (Bild: (Bürgerarchiv Weinfelden))
Das Schloss Weinfelden heute. Dem Original von 1418 nachempfunden. Rückgebaut von August von Finck, 1972. (Bild: Andrea Stalder)
7 Bilder

Schloss Weinfelden im Laufe der Zeit

Erstmals genannt wird 1180 eine Burg, die den Kyburgern gehörte. Zum Schloss umgebaut wurde es erst 1418, und zwar von Albrecht von Bussnang, der als Freiherr über die Ländereien herrschte. Das heutige Wahrzeichen Weinfeldens ist also eigentlich «made aus Bussnang». Seit 1264 waren die Freiherren Besitzer des Schlosses. Erst als sie ihre Ländereien während des Appenzellerkrieges verloren, übernahm das Schloss 1435 Berchtold Vogt.

Trauriger Höhepunkt

Um 1460 ging das Schloss in den Besitz der Muntprats über. 1541 nahm Sebastian Muntprat grössere Renovationen am Schloss vor. Aus der Muntpratzeit stammt auch die Schlosskapelle. Die nächste grössere Zäsur ist dann der Verkauf an die Stadt Zürich, 1614. Bis 1833 blieb es in deren Besitz, darauf wurde es als Spekulationsobjekt verschachert. Als trauriger Höhepunkt endet dies im Abbruch des Schlosses 1846. Ein Bild zeigt, dass das einst herrschaftliche Schloss nur noch eine Ruine war. Der Burgfried war noch am ehesten intakt, das Spitzdach wurde jedoch abgerissen. Erst 1860 wurde es wieder aufgebaut, allerdings in einer etwas anderen Form (siehe Foto). Ab dann nimmt die Geschichte des historischen Gebäudes einen kuriosen Verlauf: Unzählige Male wechselt der Besitzer. Beispielsweise besass ein Henry Hamilton Howell aus London das Schloss genauso wie ein St. Galler Hauptmann, Kantonsrat Wüger aus Hüttwilen oder Wilhelm Imperatori aus Zürich stehen in den Annalen als Besitzer. Auch die Funktion des Schlosses weicht Anfang des 20. Jahrhunderts vom ursprünglichen Gebrauch ab. 1922 ist für zwei Jahre ein Alters- und Pflegeheim im Schloss. Davor soll es gar eine private Nervenheilanstalt gewesen sein. Und ab 1927 wirtet Olga Bürchler erfolgreich auf dem Schloss – drei Jahre lang.

Erst als 1972 der Deutsche August von Finck das Schloss kauft, kehrt Ruhe ein. Bis heute ist das Schloss in Besitz und heute auch Streitpunkt der Familie (siehe Kasten). August von Finck kaufte das Schloss als Rückzugsort, weiss Franz Isenring vom Bürgerarchiv. «Er hatte Angst vor dem RAF-Terror», sagt er. Die Weinfelder mochten den Schlossherrn. «Für den Umbau bezahlte er den Handwerken jeden Preis, den sie verlangten.» Auch nächtigte er öfters in den Wirtshäusern Weinfeldens. «Weil er sich allein auf dem Schloss fürchtete.» Doch auch wenn er ihnen das Wahrzeichen zurückbrachte, viel haben die Weinfelder nicht davon – als Privatbesitz bleibt es der Öffentlichkeit vorenthalten.

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