WEINFELDEN: Entsorgungszentrum hat ausgesorgt

Der Verband KVA Thurgau will neben der Kläranlage ein neues regionales Annahmezentrum errichten. Um Doppelspurigkeiten zu vermeiden, wird die Gemeinde Weinfelden das eigene Zentrum schliessen. Das Schweigen über diese Pläne verärgert die CVP.

Mario Testa
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CVP-Präsidentin Annelise Schifferle wirft einen Kuh-Bag auf den grossen Haufen im Entsorgungszentrum Weinfelden. (Bilder: Mario Testa)

CVP-Präsidentin Annelise Schifferle wirft einen Kuh-Bag auf den grossen Haufen im Entsorgungszentrum Weinfelden. (Bilder: Mario Testa)

Mario Testa

mario.testa@thurgauerzeitung.ch

Wie weiter mit dem Entsorgungszentrum? Mit dieser Frage betitelt die CVP Weinfelden einen offenen Brief vom Montag und kritisiert darin Widersprüche bei den Informationen zum Projekt. «Gemäss Insiderinformationen soll ein Annahmezentrum der KVA bei der Kläranlage entstehen», sagt Präsidentin Annelise Schifferle im Namen des Ortspartei-Vorstands. «Und es schwirren Gerüchte herum, dass die Gemeinde nach dem Bau des Regionalen Annahmezentrums das gemeindeeigene Entsorgungszentrum aufheben wird.» Allfällige Veränderungen bei der beliebten und gut frequentierten Einrichtung sollten jedoch weitsichtig geplant und kommuniziert werden, fordert sie. «Die Bevölkerung, Parteien und das Parlament haben ein Recht zu erfahren, was besprochen und geplant wird.»

Angebot der Gemeinde wird stark reduziert

Eine Nachfrage bei den Zuständigen Stellen zeigt: Die Gerüchte stimmen. Die KVA Thurgau will zwischen Kläranlage und Lidl-Verteilzentrum ein Regionales Annahmezentrum (RAZ) bauen (siehe Kasten). Das Baugesuch lag vergangen Monat öffentlich auf. Es sind keine Einsprachen dagegen eingegangen, wie das Bauamt bestätigt. Ebenfalls richtig ist, dass nach dem Bau des RAZ das Angebot im Entsorgungszentrum der Gemeinde an der Weststrasse reduziert wird. Dies bestätigt der zuständige Gemeinderat Walter Strupler. «Es wird sicher nicht in diesem Umfang erhalten bleiben, die Zeiten werden eingeschränkt und das Zentrum nicht mehr bedient sein. Das gleiche Angebot an zwei nah gelegenen Orten aufrecht zu erhalten, können wir nicht machen und der Platz beim Entsorgungszentrum reicht einfach nicht für ein RAZ, das hat sich bei der Standortsuche gezeigt.» Er wisse, dass das Entsorgungszentrum beliebt sei, sagt Walter Strupler. Er räumt ein, dass bisher wahrscheinlich nur intern kommuniziert wurde. «Den Grundsatzentscheid zum Entsorgungszentrum hat der Gemeinderat im Juni 2016 gefällt. Die Abteilungen vom Werkhof und von Entsorgung wurden informiert. Das Ressort Tiefbau ist angewiesen, über Weiterentwicklungen zu informieren sobald sie vorliegen», sagt Strupler. «Es ist aber müssig, breiter zu informieren, wenn noch nicht alle Fakten auf dem Tisch sind und die Baubewilligung noch nicht vorliegt. Erst jetzt ist die Zeit reif dazu.»

Die KVA Thurgau habe schon länger nach einem Standort für ein Annahmezentrum gesucht. Da die Axpo ihre Pläne für eine grosse Biogasanlage in Weinfelden beerdigt hat, liegt ihr Baugrund zwischen Lidl-Verteilzentrum und Kläranlage brach und dorthin, am südwestlichen Rand von Weinfelden, soll nun das Regionale Annahmezentrum der KVA Thurgau zu stehen kommen.

Situation bei der KVA ist sehr beengt

Weshalb die KVA Thurgau überhaupt ein Annahmezentrum in Weinfelden errichten will, erklärt Markt- und Logistikleiter Dieter Nägeli. «Die jetzige Situation mit der Annahmestelle bei der Kehrichtverbrennungsanlage ist sehr beengt. Die KVA wurde gebaut für die Anlieferung mit Lastwagen. Aber durch den steten Ausbau des Wertstoffangebots kamen immer mehr Private, teils ganze Familien. An Samstagen wird es oft sehr eng und gefährlich bei so viel Betrieb auf dem Platz – das Sicherheitsrisiko wird einfach zu gross», sagt Nägeli. Spätestens als es dann im April 2014 zu einer Explosion im KVA-Schredder kam, weil Spraydosen unsachgemäss entsorgt wurden, sei der Entscheid gefallen, die private Annahme an einen anderen Ort zu verlegen.

Der Standort bei der Kläranlage sei gut erschlossen und für Bewohner der Weinfelder Aus­sengemeinden gut erreichbar. Dieter Nägeli hofft, dass der Bau des Annahmezentrums – ein fast 100 Meter langes Zeltkonstrukt mit Brückenwaage, Zufahrten und Entsorgungsstationen – noch diesen Herbst beginne und das neue Zentrum im Frühling 2018 den Betrieb aufnehmen kann. Derzeit laufe die umwelt- und baurechtliche Prüfung durch den Kanton und die Standortgemeinde. Wenn diese positiv ausfalle, könne der Bau beginnen.

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