WEINFELDEN: «Eine Erfolgsgeschichte»

Heute vor 450 Jahren gewährten die Eidgenossen dem Dorf das Marktrecht. Ein Beschluss mit weitreichenden Folgen, sagt der Weinfelder Marktchef Walter Reinhart.

Esther Simon
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Der Frühlingsmarkt ist auch in Zeiten des Onlinehandels ein beliebter Ort zum Stöbern und Kaufen. (Bild: Reto Martin (Weinfelden, 10. Mai 2017))

Der Frühlingsmarkt ist auch in Zeiten des Onlinehandels ein beliebter Ort zum Stöbern und Kaufen. (Bild: Reto Martin (Weinfelden, 10. Mai 2017))

Esther Simon

esther.simon@thurgauerzeitung.ch

Jetzt haben die Weinfelder tatsächlich vergessen, ein Jubiläum zu feiern. Dabei täte ein Fest – notabene auch einmal unter der Woche – unserer nüchternen Republik so gut. Tatsache ist, dass die Eidgenossen als Landesherren den Weinfeldern heute vor genau 450 Jahren – am 21. Juni 1567 – das Marktrecht gewährten. Ein Beschluss mit weitreichenden Folgen, wie der Weinfelder Marktchef Walter Reinhart sagt.

Eigentlich ein Phänomen in unserer Zeit

Denn die Märkte gibt es immer noch, und das gleich dreifach: Im Frühling, im Herbst und im ­Advent, mit jeweils um die 100 Stände. «Obwohl ein Markt eigentlich ein Phänomen ist in unserer Zeit, in der man sich die Ware auch anderswie beschaffen kann», sagt Reinhart.

Für ihn, der schon seit 25 Jahren Marktchef ist, hat die ungebrochene Beliebtheit der Märkte nicht nur mit der unverwechselbaren Atmosphäre, sondern vor allem mit den Marktfahrern zu tun. «Wir haben viele Marktfahrer, die schon seit Jahrzehnten an unsere Märkte kommen, wie etwa Wäsche Frei aus Diepolds­au, der Pferdemetzger Michel aus Felben-Wellhausen oder der Billige Jakob.» Besucherinnen und Besucher würden diese Kontinuität sehr schätzen, weiss Reinhart. Wehe, wenn ein Marktfahrer einmal an einem anderen Standort platziert werden muss als am gewohnten. Dann ist keiner zufrieden. «Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstierli.»

«Kisten führen, Kisten führen»

Der 62-jährige Walter Reinhart kennt die Weinfelder Märkte von Kindesbeinen an. Er erinnert sich gut, wie er und sein Bruder mit dem Leiterwägeli zum Bahnhof liefen und dort auf die Marktfahrer warteten, die ihre Ware mit dem Zug brachten. «Wir riefen ‹Kisten führen, Kisten führen›. Ein paar Marktfahrer vertrauten uns ihre Ware an, und wir führten sie zu den Ständen. Dafür gab es dann einen Marktbatzen.» Heute kommen die Marktfahrer mit eigenem Wagen, auch auf den Wochenmarkt, der immer freitags stattfindet. Für Reinhart sind die Weinfelder Märkte eine einzige Erfolgsgeschichte. «Es wird sie so lange geben, wie die Marktfahrer kommen. Solange sie wollen, geben wir ihnen die Plattform sehr gerne.» Nur einmal habe er einen Marktfahrer wegschicken müssen, weil er sich ungebührlich benommen habe. Eigentlich eine gute Bilanz in 25 Jahren als Marktchef.