WEINFELDEN: Dieses Feuer erhitzt die Gemüter

Anwohner der Bäckerei La Stazione ärgern sich über den Rauch, den der Holzofen bis zu fünfmal täglich ausstösst. Sie haben das Gespräch mit den Verantwortlichen gesucht, was zu Verbesserungen geführt hat. Nun folgen weitere Messungen.

Mario Testa
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Bäcker Simon Brunner entzündet kurz vor Mittag das Feuer im Holzofen des «La Stazione». (Bild: Mario Testa)

Bäcker Simon Brunner entzündet kurz vor Mittag das Feuer im Holzofen des «La Stazione». (Bild: Mario Testa)

Mario Testa

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@weinfelden.ch

Die Brote, Flammkuchen und Gipfeli aus dem Holzofen des «La Stazione» an der Bahnhofstrasse in Weinfelden sind fein, sie bergen aber auch Zündstoff. Wie’s ihr Name schon sagt, werden die Backwaren nicht in einem Elektroofen, sondern im Holzofen gebacken. Und dieser muss eingefeuert werden, um die nötige Hitze zu erzeugen. Wie bei jedem Holzfeuer entweichen Rauch und Russ durch den Kamin – und das stört Christian Bürki. Er wohnt zeitweise in einer der Wohnungen im grossen Beton-Komplex, die er für deren Besitzerin verwaltet. «Ich kann nicht mehr in den Hausschuhen auf den Balkon, weil der durch Russ stark verschmutzt ist. Ein Aufenthalt dort macht keinen Spass mehr», sagt Bürki. «Interessant wäre es auch zu erfahren, wie gross die gesundheitlichen Schäden sind, die der Russ verursacht. Auch, wer für Schäden und Unterhaltsarbeiten an den umliegenden Gebäuden aufkommt.»

Dass Bürki nicht der einzige ist, der sich am Russ stört, bestätigt Peter Keller. Als Sekretär des Bauamts Weinfelden hat er seit der Eröffnung der Bäckerei vor fast 11 Jahren mit dem Problem zu tun. «Es gab immer wieder Meldungen von Anwohnern. Im Sommer ist das Thema jeweils am akutesten, weil dann die Leute auch auf den Balkonen sitzen», sagt Keller. «Wir waren schon mehrmals vor Ort, haben uns die Situation angesehen und im Gespräch mit den Verantwortlichen Verbesserungen erreicht.»

Diverse Nachbesserungen über die vielen Jahre

Die Besitzer der Bäckerei La Stazione, die zur Gruppe der Bäckerei Mohn gehört, waren nicht untätig. Einige Male hat Geschäftsleiter Roger Mohn Nachbes- se­rungen für den Holzofen gemacht. «Wir haben den Kamin zweimal erhöht. Dazu noch eine Filteranlage eingebaut. Auch die Anfeuerungstechniken haben wir so angepasst, dass möglichst wenig Rauch und Russ entsteht. Zu guter Letzt verwenden wir auch das best mögliche Holz. Anfangs waren es noch Büscheli, jetzt sind es gut gelagerte, klein geschnittene Schiitli.» Rund 20000 Franken habe er bereits in die Nachbesserungen für den Holzofen investiert, der im Schnitt fünfmal pro Tag eingefeuert wird. «Ich will ja keinen Ärger mit den Nachbarn und ein gutes Einvernehmen. Aber ganz verschwinden wird der Rauch nie, sonst müssten wir den Ofen ganz ausser Betrieb nehmen», sagt Roger Mohn. Erst noch im Dezember habe das Amt für Umwelt, welches für die Einhaltung der Luftreinhalteverordnung zuständig ist, Tipps für ein optimales Anfeuern gegeben. «Und meine Mitarbeiter achten darauf, diese umzusetzen.» Für die Reinigung der Kamine hat Roger Mohn den Weinfelder Kaminfeger Erich Rusch engagiert. Dieser betont, wie viel die Bäckerei schon verbessert hat. «Eigentlich müsste so eine Feuerung zweimal pro Jahr gerusst werden, wir putzen sie aber viermal. Je öfter Ofen und Kamin gereinigt werden, desto weniger Russ tritt aus. Zudem tritt dank des zusätzlich eingebauten Filters auch weniger Russ aus und durch die zweimalige Erhöhung der Kamine, ist der Sog grösser und der Rauch verflüchtigt sich schneller», sagt Rusch. «Fakt ist, die Firma Mohn hat alles unternommen, um Optimierungen hinzubringen – auch dank des Brennholzes, das so aufgearbeitet ist, dass es eine möglichst gute Verbrennungsqualität hat. Die Anlage ist zertifiziert und abgenommen, umwelttechnisch und feuerpolizeilich in Ordnung»

Messungen werden durchgeführt

Auch Christian Bürki hat in den vergangenen Monaten Verbesserungen festgestellt. «Der Rauch ist nicht mehr so schwarz wie früher», gesteht er ein. Trotzdem hat er einen Anwalt eingeschaltet und will privat Messungen durchführen. Messungen werden in den kommenden Wochen auch gemacht, jedoch nicht auf privater Basis – dazu ist Mohn nach der Verschärfung des Tons durch Bürki nicht mehr bereit – sondern durch die Zuständigen vom Amt für Umwelt. Roger Mohn hofft und ist zuversichtlich, dass diese Messungen zeigen, dass die Anlage die Gesetzesbestimmungen erfüllt. «Wir tun nichts Verbotenes. Wenn wir tatsächlich Grenzwerte übersteigen und uns der Weiterbetrieb des Holzofens verboten wird, hätte das Präjudiz-Charakter. Dann könnte künftig jeder gegen seinen Nachbarn klagen, wenn der in seinem Cheminée ein Feuer entzündet.»