WEINFELDEN: Die Strassenfeger

250 Zuhörer an einem Vortrag über das ehemalige Hotel Krone, 95 Teilnehmer an einer Dorfführung über Beizen: Das Interesse an Geschichten aus dem Dorf ist ungebrochen. Kein Wunder deshalb, dass die Gemeinde das Angebot 2017 ausbaut.

Esther Simon
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Bürgerarchivar Franz Xaver Isenring begrüsst am Mittwochabend die über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Advent-Dorfführung. (Bild: Donato Caspari)

Bürgerarchivar Franz Xaver Isenring begrüsst am Mittwochabend die über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Advent-Dorfführung. (Bild: Donato Caspari)

Die Überraschung am Mittwochabend war perfekt. Über 70 Frauen und Männer nahmen am Dorfrundgang teil, den Vreni Brenner und Franz Xaver Isenring zum Thema Advent durchführten. «Ich bin überwältigt», sagte Isenring bei der Begrüssung vor dem Rathaus, «mit so vielen Teilnehmern habe ich nicht gerechnet.» Isenring hat sich bezüglich der Teilnehmerzahl an Referaten oder Rundgängen schon oft getäuscht – zu seiner grossen Freude allerdings. Eigentlich hätte er ja immer nur «vor einem kleinen Kreis» sprechen wollen, doch auf den Beizenrundgang im vergangenen Sommer kamen 95 Leute, und dem Vortrag über das ehemalige Hotel Krone im Frühling im Rathaus lauschten sogar 250 Zuhörer. Ein Beweis, dass sich die Weinfelder sehr für alle die schönen Geschichten aus ihrem Dorf interessieren.

Diesem eindeutig gestiegenen Interesse trägt nun die Gemeinde Weinfelden Rechnung: Sie baut ihr Angebot an Vorträgen und Dorfführungen im nächsten Jahr aus. Fünf öffentliche Vorträge werden im Rathaus angeboten, und neu stehen zwölf Dorfführungen auf dem Programm. Aufgrund der grossen Nachfrage wird Franz Xaver Isenring seinen Vortrag über das legendäre Hotel Krone am 22. Februar nochmals halten. Die anderen vier Referate bringen neue Themen.

Weinfelder Handelsplatz im Wandel
So wird der Dorfführer und Buchautor Martin Sax im Rathaus unter anderem über den «Handelsplatz Weinfelden im Wandel» sprechen, und Vreni Brenner und Franz Xaver Isenring nehmen Besucherinnen und Besucher auf einen virtuellen Dorfrundgang auf Frauenspuren mit. Martin Sax: «Die fünf Vorträge bieten insbesondere auch Personen Gelegenheit, etwas zu einem Thema zu erfahren, auch wenn sie nicht mehr so gut zu Fuss sind.» Auf dem Programm der Dorfführungen findet man Klassiker wie die Rundgänge auf Frauenspuren mit Vreni Brenner und Susanne Tobler, den Spaziergang durch den alten Dorfkern mit Martin Sax und den Rundgang durch Gärten und Höfe im Dorf mit Franz Xaver Isenring.

Dorfführer Martin Sax vor der Tafel am Rathaus. (Bild: Andrea Stalder)

Dorfführer Martin Sax vor der Tafel am Rathaus. (Bild: Andrea Stalder)


Neu angeboten werden im nächsten Jahr Rundgänge zum Thema «Industrie und Gewerbe entlang der Bahn» mit Martin Sax und zum Thema «Läden und Lädeli im Dorf» mit Franz Xaver Isenring und Susanne Tobler. Führungen und Referate finden bei jeder Witterung statt.

Eine Anmeldung ist nicht nötig. Die Führungen beginnen jeweils um 18.30 Uhr auf dem Rathausplatz, die Referate im Rathaus mehrheitlich um 19.30 Uhr. Auf Wunsch bieten die Dorfführerinnen und Dorfführer auch Rundgänge und Vorträge für private Gesellschaften an, wie etwa für Klassenzusammenkünfte. Das Programm 2017 der Führungen und Referate wird am Neujahrsapéro der Gemeinde vom 2. Januar im Rathaus aufgelegt. Die Gemeinde Weinfelden weiss um den Wert der Erinnerungen. Deshalb hat sie vor etwa 30 Jahren mit dem Plazieren von Informationstafeln an bedeutenden Häusern begonnen. Martin Sax weiss, dass die Tafeln auf den Rundgängen und auch auf Sonntagsspaziergängen stark beachtet werden. Vor allem bei den auswärtigen Gästen würden die Tafeln grossen Anklang finden, sagt Sax.

Die letzte grosse Erneuerung vor vier Jahren
Die Tafeln bieten Informationen über die Geschichte eines Hauses und über dessen Besitzer. «Inhaltlich haben wir uns im wesentlichen an den Weinfelder Lokalhistoriker Hermann Lei» gehalten, sagt Martin Sax. Wenn der Besitzer einer Liegenschaft wechselt oder nach einer Renovation des entsprechenden Hauses – Beispiele sind das Rathaus und die evangelische Kirche – wird die Tafel nach Möglichkeit aktualisiert. Die letzte grosse Erneuerung von Tafeln fand vor vier Jahren statt. «Einige Tafeln waren wirklich nicht mehr schön, die Ecken waren beschädigt, und in ein paar Tafeln war mit weissem Filzstift hineingeschrieben worden», sagt Martin Sax. Im vergangenen Sommer vervollständigte die Gemeinde Weinfelden auch den Internetauftritt ihrer Tafeln mit ausführlichen Texten und einem Bild zu jedem Gebäude, an dem eine Informationsinschrift angebracht ist.

www.weinfelden.ch oder kultur.tourismus@weinfelden.ch