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WEINFELDEN: Die erste Lokalredaktorin

Esther Simon geht in Pension. 40 Jahre lang hielt sie dem Printjournalismus und dem Mittelthurgau die Treue und erlebte in dieser Zeit einen grossen Wandel in der Branche.
Mario Testa
Redaktorin Esther Simon liest an ihrem Arbeitsplatz im Redaktionsbüro an der Bankstrasse die «Thurgauer Zeitung». (Bild: Mario Testa)

Redaktorin Esther Simon liest an ihrem Arbeitsplatz im Redaktionsbüro an der Bankstrasse die «Thurgauer Zeitung». (Bild: Mario Testa)

Mario Testa

mario.testa

@thurgauerzeitung.ch

Esther Simon, ist Journalistin für Sie ein Traumberuf?

Ja, ich würde wieder diesen Weg einschlagen. Als Jugendliche hatte ich zwar mal damit geliebäugelt, Diplomatin oder Orgelbauerin zu werden.

Journalismus war bei Ihrem Arbeitsbeginn im Jahr 1977 eine Männerdomäne. Wie sind Sie als Frau aufgenommen worden?

Ich wurde schnell akzeptiert auf der Redaktion in Frauenfeld, wo ich als Assistentin des Chefredaktors anfing. Die erfahrenen Kollegen haben mich gut unterstützt. Ich wechselte nach drei Monaten bereits nach Bischofszell und wurde die erste zeichnungsberechtigte Redaktorin der «Thurgauer Zeitung». Neben mir war im Impressum nur noch unsere damalige Bundeshauskorrespondentin Beatrice Steinmann.

Wie hat sich der Beruf des Lokaljournalisten in den letzten 40 Jahren gewandelt?

Am Anfang war das Zeitungmachen noch mit viel Handarbeit verbunden. Ich habe Filme im Labor entwickelt, die Textmanuskripte von Hand geschrieben und sie dann den Erfasserinnen gegeben, die sie abtippten. Für die Recherche nutzten wir diverse Nachschlagewerke, das Telefon war unser wichtigstes Werkzeug – erstaunlich ist, dass die Leute damals besser zu erreichen waren als heute, wo alle Mobiltelefone haben. Dazu besuchten wir oft Pressekonferenzen und aus persönlichen Gesprächen ergaben sich viele Geschichten.

War die Arbeitsbelastung als Journalistin früher grösser?

Nein, die Belastung hat eher zugenommen. Für die Recherche und ausführliche Gespräche fehlt heute of die Zeit. Als ich als Redaktorin angefangen habe, hatte ich noch eine Sekretärin, die sich um meine Termine und den Papierkram gekümmert hatte. Mir blieb mehr Zeit für die Recherche und das Schreiben.

Trauern Sie dieser Zeit nach?

Ich bin keine, die sagt: «Früher war alles besser.» Es gab auch immer wieder positive Neuerungen, die uns die Arbeit erleichtert haben in den vergangenen Jahrzehnten. Der Zeitdruck hat aber schon deutlich zugenommen.

Was hatte die Digitalisierung für Auswirkungen auf die Arbeit der Zeitungen?

Es war ein gewaltiger Umbruch, den die Digitalisierung ab Mitte der 1980er-Jahre mit sich brachte. Der Wechsel vom Bleisatz zu Lochkarten und Papier bereitete vor allem den Mitarbeitern in der Setzerei grosse Mühe. Die Fähigkeiten der Stereotypeure oder Maschinensetzer waren plötzlich nicht mehr gefragt. Für diese Fachleute mit einer langjährigen Berufslehre war der Umbruch brutal, da haben sich kleine Tragödien abgespielt.

Zu dieser Zeit gab es im Thurgau diverse Zeitungen, heute steht die TZ als Tageszeitung alleine da. War es schöner mit Konkurrenz zu arbeiten?

Es war eine attraktive Zeit. Wir versuchten immer besser oder schneller zu sein als die anderen. Das fehlt heute. Das waren Zeiten, in denen ich regelmässig erst um Mitternacht zu Hause war und morgens bereits um 6 Uhr wieder im Büro stand. Es braucht jedoch keine Konkurrenz für eine gute Zeitung, die Ansprüche der Leser sind Motivation genug.

Heute ist das Internet die grösste Konkurrenz für die Zeitungen. Haben Tageszeitungen noch eine Zukunft?

Davon bin ich überzeugt. Zeitungen müssen sich einfach auf ihre Stärken besinnen. Bei schnellen Nachrichten kann eine Zeitung mit Online-Medien nicht mithalten. Aber eine Zeitung kann Hintergründe beleuchten, Geschichten in grössere Zusammenhänge stellen, in die Tiefe gehen.

Was meinen Sie, gibt es die «Thurgauer Zeitung» noch in zehn Jahren?

In zehn Jahren gehören alle Zeitungen in der Schweiz dem deutschen Springer-Verlag (lacht). Nein im Ernst, es wird wohl weiterhin Fusionen geben. Aber ich glaube, die TZ behält ihre Selbstständigkeit.

Freuen Sie sich nun auf den Ruhestand?

Ja, sehr. Ich gehe mit zwei lachenden Augen. Ich blicke mit grosser Dankbarkeit auf 40 erfüllte Jahre bei der Zeitung zurück. Es wird mir auch jetzt nicht langweilig, ich engagiere mich in der Medienarbeit der Pro Senectute und der evangelischen Landeskirche .

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