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WEINFELDEN: «Die Abrissbirne braucht's nicht»

Der Widerstand gegen den geplanten Rückbau der Industriesiedlung entlang der Thurfeldstrasse wächst. Mit einer Einsprache möchte der pensionierte Architekt Urs Koller den Abbruch verhindern.
Mario Testa
Urs Koller möchte, dass die Siedlung an der Thurfeldstrasse erhalten bleibt. Argumente für einen Abriss überzeugen ihn nicht. (Bild: Mario Testa)

Urs Koller möchte, dass die Siedlung an der Thurfeldstrasse erhalten bleibt. Argumente für einen Abriss überzeugen ihn nicht. (Bild: Mario Testa)

Heute Endet die Frist für Einsprachen zum Gestaltungsplan «Sangenfeld West». Genutzt hat die Frist der pensionierte Weinfelder Architekt Urs Koller, er hat eine Einsprache gegen die Planauflage eingereicht. «Ich möchte, dass dieses kulturell und architektonisch nicht unbedeutende Beispiel in Weinfelden erhalten bleibt. Die Abrissbirne braucht's nicht», sagt Koller. Derzeit sei die Siedlung als Gesamtform erhaltenswert eingestuft, was aber nicht reiche, um sie vor einem Abbruch zu schützen. «Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Siedlung als wertvoll eingestuft wird und somit nicht mehr abgerissen werden kann.»

Mit dem neuen Gestaltungsplan Sangen West wäre der Weg frei für eine grosse Überbauung mit 16 Mehrfamilienhäusern, für welche die Industriesiedlung, die Ende des 19. Jahrhunderts erstellt wurde, geopfert werden müsste. Das sei jedoch nicht nötig, sagt Urs Koller. «Die Gebäude sind längst nicht in einem so schlechten Zustand, wie es dargestellt wird. Auch energetisch könnte die Aussenhülle gut saniert werden», sagt er.

Energetisch sanieren geht auch ohne Abriss

Grundsätzlich sei das Argument für den Abbruch der Häuser wegen des hohen Energieverbrauchs zu billig. «Auch Häuser, die vor 25 Jahren gebaut wurden, weisen nach heutigen Vorstellungen fast alle schwerwiegende energetische Mängel auf, deswegen reist man sie aber nicht gleich ab.» Koller hält sich nicht zurück mit einem provokanten Vergleich. «Würden alle Energieprobleme nach den im Gestaltungsplan skizzierten Vorstellungen gelöst, müssten auch das Weinfelder Rathaus oder der Traubensaal abgebrochen werden.»

Um seine Aussagen zu erhärten, hat Koller auch mit dem Heimatschutz und der Stiftung Industriekultur Arias in Winterthur Kontakt aufgenommen. Hans-Peter Bärtschi von der Arias stuft die Siedlung in ihrem ortsbaulichen und sozialgeschichtlichen Zusammenhang als regional seltener Zeuge ein. «Vor allem die Gesamtform mit intakten Zwischenräumen, Umzäunungen, Mäuerchen und Vorgärten ist schützenswert», schreibt Bärtschi. Koller zitiert auch aus einem Brief der Denkmalpflege, worin steht: «Die Höhe und Silhouette der Gebäude mit den wichtigen äusseren Hauptakzenten, wie auch Lage und Ständigkeit an der Strasse sind zu erhalten.» Urs Koller ist überzeugt, dass die Siedlung einer Überbauung der rund zwei Hektaren weiteren Baulands nicht im Weg steht.

Maximaler Gewinn ist nicht erstrebenswert

«Für die Neubauten nördlich der Thurfeldstrasse dürfte die Ausnützungsziffer ruhig erhöht werden. Da wären auch Hochhäuser denkbar», sagt er, «solange genug Freiräume bleiben zwischen den Gebäuden.» Das Argument im Gestaltungsplan, das Gebiet sei mit der Industriesiedlung derzeit unternutzt sei reiner Zynismus. «Einen Steinwurf entfernt entsteht eine architektonische Sondermülldeponie von Einfamilienhäusern. Diese hat eine wesentlich niedrigere Ausnützungsziffer als die Industriesiedlung.» Er hofft, dass die Thurfeld-Siedlung nicht einfach einem möglichst hohen Gewinn dank der neuen Mehrfamilienhäuser geopfert wird, denn nur so sei die dort angestrebte Verdichtung zu interpretieren.

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