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WEINFELDEN: Der Wimmet ist der Knaller

Trotz turbulentem Jahr mit anfänglichem Frost und viel Feuchtigkeit im Sommer fahren die Winzer vom Ottenberg eine gute Ernte ein. Gefrässige Vögel verscheuchen sie mit Schreckgeräten.
Mario Testa
Willi Burkhart kontrolliert den Chlöpfer, den er jeweils über Mittag eine Stunde abstellt. Mit Gasdruck, gesteuert von einer Zeitschaltuhr, wird die gelbe Fahne regelmässig in die Höhe geschossen. (Bild: Mario Testa)

Willi Burkhart kontrolliert den Chlöpfer, den er jeweils über Mittag eine Stunde abstellt. Mit Gasdruck, gesteuert von einer Zeitschaltuhr, wird die gelbe Fahne regelmässig in die Höhe geschossen. (Bild: Mario Testa)

WEINFELDEN. Es pfeift, es flattert und es knallt in den Rebbergen ob Weinfelden. Seit etwa zehn Tagen lassen die Winzer ihre Vogelabwehr-Anlagen laufen. «Das grosse Problem sind die Stare», sagt Willi Burkhart. «Nicht die einheimischen, sondern die Schwärme aus dem Norden, die sich vor dem Flug über die Alpen noch einmal Energie anfuttern. So ein Schwarm macht schnell einige hundert Kilo Trauben kaputt.» Dabei sei das Wegfressen der Beeren noch das kleinere Übel, schlimmer sei, dass die Tiere auf den Trauben landeten und mit ihren Krallen viele kaputtmachten.

Mit gasbetriebenen Knallschreckgeräten – auch Schiessanlage oder Chlöpfer genannt – verscheuchen die Winzer die Vogelschwärme. Nebst dem Knall sorgen bewegliche Teile, die bei jedem Schuss die Stange raufkatapultiert werden, auch für Bewegung. In Kombination eine bewährte Methode gegen die Stare, sagt Burkhart. «Alles, was die Tiere nicht einschätzen können und sich bewegt, verscheucht sie. Sobald sie aber etwas kennen, zum Beispiel die Bänder, die einfach in der Luft flattern, lassen sie sich davon nicht mehr stören.»

Späte Lese dank perfekter Reifephase

Dass die Knallschreckgeräte überhaupt zum Einsatz kommen, verdanken die Winzer am Ottenberg einem perfekten Spätsommer und Herbst, der ihnen erlaubt, die Trauben lange ausreifen zu lassen und spät zu wimmen. Nur deshalb droht Gefahr von den spät ziehenden Staren. Michael Burkhart hat gestern mit über einem Dutzend Erntehelfern noch die allerletzten Pinot-Noir-Trauben in den Keller gebracht, eine sehr gute Ernte, sagt der Selbstkelterer. «Ich bin sehr zufrieden. Wir mussten während der Ernte Tanks zukaufen, weil wir nicht mit einer so grossen Menge gerechnet haben», sagt er. Nebst der Menge stimme vor allem auch die Qualität der Trauben. «Die letzten sieben Wochen waren perfekt. Wir haben überall 90 Öchsle und mehr, dazu kaum Kirschessigfliegen oder Mehltau.» Ein tiefroter Traubensaft sammelt sich unter der Balgpresse in seinem Keller, er verströmt einen intensiver Duft. «Wir können gut extrahieren, also alles rausholen aus den Trauben, weil sie so schön reif sind.»

Kaum Schädlinge trotz feuchtem Sommer

Auch auf den weiteren Selbstkelter-Betrieben am Ottenberg ist die Stimmung sehr gut. Martin Wolfer wird mit seinen Helfern Ende Woche die Wimmet abschliessen. «Die Ernte ist sehr gut. Es stimmen die Öchslegrade, die Qualität und die Gesundheit der Trauben.» Zudem seien Schädlinge kaum ein Problem gewesen. «Wir hatten viel mehr Kirschessigfliegen erwartet nach dem Frost im Frühling und dem feuchten Sommer. Befall hatten wir aber nur ganz vereinzelt den Waldrändern entlang, dazu noch etwas Mehltau auf den Blättern.»

Traubenproduzent Markus Müller vom Rebgut Sunnehalde ist noch mitten im Wimmet. «Wir haben erst gerade angefangen. Bis jetzt ist es eine super Qualität an Trauben, die wir ernten», sagt er. Die Tonerde-Präparate zur Bekämpfung der Kirschessigfliege habe sich bewährt. «Wir mussten nach dem Sommer mit dem Schlimmsten rechnen, aber nun ist der Schaden fast nicht erwähnenswert.» Müller verscheucht die Vögel mit einem Pfeifapparat. «Ob der was gebracht hat? Die Frage ist, was wäre, wenn wir nichts gemacht hätten? Ich habe das Gefühl, es ist eine gute Sache.»

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