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WEINFELDEN: Der Schein des Todes: Maikäfer kommen vom Weg ab

Die Strassenbeleuchtung lockt Maikäfer an. Anstatt an den Waldrand fliegen sie bis zur Erschöpfung um das Licht. Maikäferexperte Hermann Brenner weiss, warum die Insekten vom Weg abgekommen sind.
Sabrina Bächi
Tod auf dem Trottoir: zerdrückte Maikäfer säumen die Strassen. (Bild: Mario Testa)

Tod auf dem Trottoir: zerdrückte Maikäfer säumen die Strassen. (Bild: Mario Testa)

Maikäfer flieg - aber nicht in die falsche Richtung. Doch das genau passierte einigen dieser grossen Käfern. Statt an den Waldrand sind in den vergangenen Tagen einige vom Weg abgekommen und nach Weinfelden geflogen und liegen jetzt zertrampelt und zerdrückt auf dem Trottoir. Hermann Brenner, Leiter Pflanzenschutz am BBZ Arenenberg und Maikäferexperte, erklärt, weshalb die Käfer in der Betonwüste der Stadt und nicht im Grünen gelandet sind: «Das Licht hat sie wahrscheinlich irritiert. Wie Mücken werden sie davon angezogen und schwirren dann so lange um die Lampe, bis sie irgendwo anstossen oder am Boden laden und dort zertreten werden.»

Gravierend für den gesamten Maikäferbestand sei dies jedoch nicht. Die Käfer kommen höchstwahrscheinlich aus Berg oder Andhausen. «Dort hat es grosse Vorkommen», sagt Brenner. Getragen vom Wind landen sie manchmal etwas weiter westwärts in Weinfelden und werden dort vom hellen Schein der Kandelaber verführt und fliegen in den grausamen Tod durch die Zivilisation.

Fressen für die Paarung

Es sei aber auch möglich, dass ein Käfer in einer Weinfelder Wiese das Licht der Welt erblickte, als er nach der Engerlings Phase aus dem Boden kroch. Die meisten fliegen dann zum Waldrand direkt auf Eichen oder Buchen, um sich dort an den grünen Blättern zu laben. Nach zehn Tagen des genüsslichen Fressens haben die Käfer genügend Energie, um sich zu paaren. Dann beginnt für die Weibchen der Rückflug zur Stelle, an der sie selbst im Boden gediehen. «Je nach Bodenbeschaffenheit graben sich die Käfer mehrere Zentimeter in den Boden, um dort ihre Eier abzulegen.» Manchmal nehmen die Weibchen dann nochmals die Strecke zum Waldrand auf sich und paaren sich ein zweites Mal. Viele sterben jedoch auf der Wiese. Die Männchen sterben nach zwei bis drei Wochen am Waldrand - satt und vollgefressen.
Das sieht man den Eichen und Buchen teilweise auch an. Die nimmersatten Käfer fressen ganze Triebe ab. «Den Bäumen schadet das nicht gross, sie erholen sich wieder davon», sagt Brenner. Viel schädlicher vor allem für die Landwirtschaft sind die Engerlinge. Früher durften diese mit Insektiziden direkt im Boden bekämpft werden. Heute setze man auf einen Pilz, der sich als langsame aber effektive Methode erwiesen habe. Dieser fügt entsprechend der Maikäferpopulation grösseren Schaden zu als die hellen Strassenbeleuchtungen. Schön anzusehen sind die vielen toten Käfer trotzdem nicht. Der Spuk mit dem Käferflug findet jedoch bald sein natürliches Ende – wenn die Paarungszeit vorbei ist.

Berger Maikäfer

Maikäfern entwickeln sich in einem dreijährigen Rhythmus. Deshalb kommt es zu unterschiedlichen Flugjahren, an denen nur Käfer aus einem bestimmten Gebiet fliegen. Den Thurgau betrifft vor allem der Urner Flug, welcher dieses Jahr stattfindet. Entsprechend der Karte ist es so, dass Bewohner von Märstetten oder Wigoltingen fast keine Käfer sehen. Die Berger und Andhauser jedoch vom Käferflug stark betroffen sind. «Die Brutgebiete der Maikäfer verschieben sich kaum, sie sind sehr Standorttreu», sagt Brenner. (red)

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