WEINFELDEN: Der Bauch sagt es

41 Jahre sind genug. Deshalb geht Hubi Zweifel am 7. Juli als Reallehrer und als Schulleiter im Sekundarschulzentrum Thomas Bornhauser in Pension. Die Ideenkiste für den Ruhestand ist gut gefüllt.

Esther Simon
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Schulleiter Hubi Zweifel im Treppenhaus des Sekundarschulzentrums Thomas Bornhauser in Weinfelden. (Bild: Donato Caspari)

Schulleiter Hubi Zweifel im Treppenhaus des Sekundarschulzentrums Thomas Bornhauser in Weinfelden. (Bild: Donato Caspari)

Esther Simon

esther.simon@thurgauerzeitung.ch

Mit seinen bald 62 Jahren ist Hubi Zweifel noch gut in Form. Aber er weiss, dass dieser Zustand nicht ewig dauern kann. Deshalb hat er beschlossen, dass er im Juli in Pension geht. Es ist ja nicht so, dass er mit seiner Tätigkeit als Reallehrer und Schulleiter im ­Sekundarschulzentrum Thomas Bornhauser nicht mehr zufrieden wäre. Im Gegenteil. «Ich habe die Arbeit immer sehr gerne gemacht und ich bin auch dankbar für all die guten Jahre. Aber ein Bauchgefühl sagt mir, dass es jetzt an der Zeit ist zu gehen. Ich gehe tatsächlich ohne Wehmut und mit zwei lachenden Augen. Es beginnt jetzt einfach ein neuer Abschnitt in meinem Leben.»

Einer der ersten Schulleiter im Kanton

Vor 15 Jahren war Hubi Zweifel einer der ersten Schulleiter im Kanton. Für das Amt hat er sich bei der damaligen Schulpräsidentin Regula Hasler-Bommer freiwillig gemeldet – und hat es nie bereut. «Dabei war diese Aufgabe manchmal schon ein Verschleissjob», räumt er ein. «Ich dachte oft, dass ich als Schulleiter schneller altere.» Trotzdem hat Zweifel neben seiner Aufgabe als Schulleiter immer auch unterrichtet – «alles ausser Kochen», wie er sagt, zuletzt hauptsächlich Französisch und Theater als Freifach. «Ich wollte den Kontakt zu den Kindern nicht verlieren.» Nach dem Erwerb des Lehrerpatentes vor 41 Jahren nahm er sich zunächst eine Auszeit für Theaterausbildung und -tätigkeit – unter anderem an der Schule von Jacques Lecoq in Paris. Von diesem Wissen und dieser Praxis durften in Weinfelden Generationen von Schülerinnen und Schülern profitieren. Viele Bochselnacht-Theateraufführungen trugen die Handschrift Zweifels. Auch das Theaterstück zum 100-Jahr-Jubiläum des Sekundarschulhauses im Sommer 2016 stammt aus seiner Feder.

«Es gibt noch ein paar magische Orte»

Ob er sich auch in Zukunft dem Theater widmen wird, hänge davon ab, «ob jemand meine Theater will». Seine «Ideenkiste für den Ruhestand» sei auch so schon gefüllt. «Ich will jetzt noch etwas erleben», sagt Hubi Zweifel. «Es gibt da ein paar magische Orte auf Madagaskar, in Costa Rica und in Afrika, die meine Frau und ich sehen möchten.» Sie seien beide keine Rollkoffer-, sondern Rucksack-Typen, «und bei dieser Art zu reisen zeigt einem der Körper vielleicht auch bald einmal seine Grenzen.» 1985 begann Hubi Zweifel im Sekundarschulzentrum Pestalozzi zu unterrichten, 1999 wechselte er in das Sekundarschulzentrum Thomas Bornhauser. Während all der Jahre, vor allem als Schulleiter, sei es ihm wahrscheinlich schon gelungen, zwischen Schülern und Lehrern eine Atmosphäre des Respekts und der gegenseitigen Wertschätzung zu schaffen. Bei aller Ernsthaftigkeit habe natürlich «eine Prise Lachen» auch immer dazu gehört.

Am 7. Juli ist Hubi Zweifels letzter Arbeitstag. Oder auch nicht. «Wenn ich noch etwas zu erledigen hätte, würde ich das auch nachher noch tun.» Ein Buch schreiben will er sicher nicht. Möglicherweise verbringt er die ersten Tage im Ruhestand auch unter einem Baum in seinem grossen Garten. Um die lange Weile zu erfahren.