WEINFELDEN: Dem Kalten Krieg auf der Spur

Hundert kleine und grosse Interessierte folgten der Einladung des Festungsgürtels Kreuzlingen zur Bunkerwanderung am 1. Mai in der Region Weinfelden.

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Armin Eugster erklärt im Munitionsdepot die Funktionen einer Panzerabwehrkanone 57 mit 9-Zentimeter-Geschossen. (Bild: Werner Lenzin)

Armin Eugster erklärt im Munitionsdepot die Funktionen einer Panzerabwehrkanone 57 mit 9-Zentimeter-Geschossen. (Bild: Werner Lenzin)

Bedrohlich schwarze Wolken hängen über dem Südabhang des Ottenbergs. Von der Ferne grüssen die verschneiten Voralpen. Die ersten Regentropfen fallen. Eine Stimmung, die zur diesjährigen Bunkerwanderung des Vereins Festungsgürtel passt. «Typisches Infanteriewetter», sagt der ehemalige Adjutant Unteroffizier René Kradolfer aus Landschlacht. Im Zelt vor dem Schützenhaus «Hau» begrüssen Präsident Josef Bieri und Vizepräsident Urs Ehrbar mit Hilfe des Megafons die 100 Teilnehmer – Eltern und Grosseltern mit ihren Kindern und Enkelkindern und eine Delegation des Vereins Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal in Zurzach im Kanton Aargau – und die 35 Helfer.

Eine Schweizer Karte mit kyrillischen Buchstaben

Darauf wurden drei Gruppen gebildet. Im ehemaligen Kommandobunker an der Schnellerstrasse in Weinfelden begrüsste Urs Ehrbar die Teilnehmer. Der erste Teil dieses Bunkers war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gebaut worden. In den 1960er-Jahren kam der zweistöckige Arbeitstrakt dazu. Ehrbar zeigte Dokumente, unter anderem eine Schweizer Karte mit Ortschaften in kyrillischer Schrift: ein deutlicher Beweis für das damalige Interesse Russlands an der Schweiz. Im Kommandobunker ist seit über zwei Jahren die Waffensammlung des verstorbenen Walter Minder aus Weinfelden untergebracht. Laut Hans von Wyl hat Minder einen Teil seines Vermögens in seine grosse Leidenschaft, die Waffen, investiert. Heinz Kernen, heute noch begeisterter Amateurfunker, empfing die Interessierten im ASU F7714, der Funk- und Richtstrahlstation. «Diese konnte vom Brigadekompaniebüro aus gesteuert werden und hatte die Aufgabe, über Telefon oder Funk die Verbindungen nach aussen sicherzustellen», erklärte Kernen. Dadurch wurde der Kommandobunker elektronisch nicht verraten, und der Standort war durch den Ottenberg und den Seerücken abgeschirmt. Kernen kann heute von diesem Ort mit seiner privat eingerichteten Funkstation, mit Ausnahme von Neuseeland, sämtliche Länder und Kontinente anpeilen.

Werner Lenzin

weinfelden

@thurgauerzeitung.ch