WEINFELDEN: Das Warten ist das Schlimmste

Auch acht Monate nach dem Brand seiner Schuhmacherei weiss Antonio Mente noch immer nicht, wann er in sein altes Haus einziehen kann. Immerhin haben gestern Spezialisten Probebohrungen vorgenommen.

Esther Simon
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Spezialisten führen in der Brandruine der ehemaligen Schuhmacherei Kernbohrungen durch. (Bild: Mario Testa)

Spezialisten führen in der Brandruine der ehemaligen Schuhmacherei Kernbohrungen durch. (Bild: Mario Testa)

Die Kunden fragen ihn jeden Tag. Und jetzt will auch noch die Thurgauer Zeitung wissen, wann sein abgebranntes Haus an der Amriswilerstrasse aufgebaut wird und er mit seiner Familie einziehen kann. Doch der Schuhmacher Antonio Mente weiss es selber nicht. Er sitzt in seiner provisorisch eingerichteten Schuhmacherei im Haus Künzler und wirkt etwas mutlos. «Acht Monate sind seit dem Brand nun vergangen, und ich weiss noch immer gar nichts», sagt Mente.

«Situation wird langsam unerträglich»

Er will niemandem die Schuld geben, er wüsste auch gar nicht, wem. «Eines aber ist sicher, für mich wird die Situation langsam unerträglich. Ich muss drei Mieten beziehungsweise Bankzinsen bezahlen, für mein Haus, für meine Wohnung und für die provisorische Werkstatt, wenn hier auch nur eine kleine. Lange kann ich das so nicht mehr machen.»

Der Zufall wollte es, dass ausgerechnet gestern eine Spezialfirma Probebohrungen in der Brandruine durchführte. «Die suchen nach Altlasten», sagt Mente, und seine Stimmung hebt sich dabei nicht. «Vor 50 Jahren war eine Chemische Reinigung im Haus. Wer weiss, was da noch ­alles zum Vorschein kommt.» ­Allein die Bohrung koste ihn ­Tausende Franken, sagt Mente. Trotz aller Sorgen beherrscht das wieder aufgebaute Haus seine Träume. Es soll dereinst so schön dastehen wie es vor dem verheerenden Brand zwei Tage vor Weihnachten 2016 war. Diesen Traum lässt sich Schuhmacher Mente nicht nehmen, von niemandem.

 

Esther Simon

esther.simon@thurgauerzeitung.ch