WEINFELDEN: Das Phönix-Haus

Antonio Mente hat die Abbruch-Bewilligung für sein abgebranntes Hauses erhalten. Ein Neubau ist geplant – allerdings mit gewissen Auflagen, denn unter dem Haus schlummern Schwermetalle.

Sabrina Bächi
Drucken
Teilen
Antonio Mente blickt nach vorn: Bald kommt der Bagger und reisst das Haus bis zur grauen Mauer ab – der Neubau ist geplant. (Bild: Mario Testa)

Antonio Mente blickt nach vorn: Bald kommt der Bagger und reisst das Haus bis zur grauen Mauer ab – der Neubau ist geplant. (Bild: Mario Testa)

Sabrina Bächi

sabrina.baechi@thurgauerzeitung.ch

Seit über einem Jahr hat sich beim abgebrannten Haus von Familie Mente nicht viel geändert. Leer, einsam und verlassen steht es da. Die Ostseite russgeschwärzt, auf der hinteren Seite zeugen die schwarzen Balken, die verkohlte Terrasse und die kaputten Fenster vom Ausmass der Tragödie. Seit längerem stehen dem Wiederaufbau Schadstoff-Untersuchungen im Weg. Denn im Haus an der Amriswilerstrasse 18 befand sich einst eine Gerberei und später eine chemische Reinigung. Die Abklärungen erwiesen sich als Bremsklotz für den Wiederaufbau. «Die Ungewissheit war das Schlimmste», sagt Brigitte Mente. Jetzt ist jedoch klar: Das Haus kann bis zu den Grundmauern abgerissen, neu aufgebaut und die Schadstoffe entfernt werden. «Wir sehen so langsam wieder ein Licht am Ende des Tunnels», sagt sie.

Sanierung der Liegenschaft ist notwendig

Die Untersuchung der Altlasten hat ergeben, dass sich Schadstoffe auf dem Grundstück befinden, was beim Bau berücksichtigt werden muss. Das Amt für Umwelt hat der Familie Mente nun eine Eingriffsbewilligung erteilt. Ein Teil der Schadstoffe muss beim Bau entfernt werden. «Aufgrund der Untersuchungen wissen wir nun, was für Schadstoffe es sind und wo sie sich befinden», sagt Martin Eugster, Leiter Boden und Abfall vom Amt für Umwelt. Im Boden und Grundwasser wurden Antimon, Chrom VI und Blei sowie chlorierte Kohlenwasserstoff gefunden (siehe Kasten). Der Abbau wird mit weiteren Proben aus dem Grundwasser überwacht. «Nach etwa sechs Monaten gibt es weitere Messungen, dann wissen wir, ob die Reduktion der Schwermetallbelastung ausreichend war oder ob weitere Massnahmen nötig sind.» Die Überwachung dauert mehrere Jahre, sagt der Experte. «So können wir den Sanierungserfolg messen.»

Schuhmacher Antonio Mente ist froh, dass die Abbrucharbeiten nun endlich losgehen. «Etwa drei bis vier Wochen dauert der Abbruch», sagt Mente. Das Baugesuch liegt noch bis am 23. April öffentlich auf. Wenn keine Einsprachen eingehen, kann der Start für den Neubau erfolgen. «Chunt scho guät», sagt Antonio Mente immer wieder, als er um sein Haus läuft. «Der Abbruch zeigt uns, dass wir wirklich alles verloren haben, aber wir sind auch gespannt auf das, was kommt und freuen uns auf das neue Haus.» Der Neubau soll in seinen Grundzügen aussehen, wie das Haus vor dem Brand. «Es prägt das Dorfbild.» Selbst die gelben Schindeln und die spezielle Dachbiegung sollen wieder entstehen. Das Bauprojekt haben die Architekten «La Fenice», italienisch für der Phönix, getauft. «Wir fangen von vorne an, wie vor vierzig Jahren», sagt Mente. Den Mut habe er auch mit 67 Jahren noch nicht verloren. Und wenn der Phönix aus der Asche steigt und sich in neuem Kleid präsentiert, will Mente das mit einem grossen Fest im Garten feiern.