WEINFELDEN: Das hat es noch nie gegeben

Das Vizegemeindepräsidium ist eine wichtige Institution in Weinfelden. Die Position ist Garant für politische Stabilität im Dorf. Am 9. Juni kommt es im Gemeinderat allerdings zu einer Rochade, wie sie Weinfelden noch nie erlebt hat.

Esther Simon
Drucken
An der Sitzung des Gemeindeparlamentes vom 20. März 2014: Gemeindepräsident Max Vögeli – damals noch Gemeindeammann – sowie die Gemeinderäte Thomas Bornhauser und Walter Strupler. Strupler verunfallte fast ein Jahr später schwer. Wegen seiner gesundheitlichen Einschränkungen soll nun nicht er, sondern Bornhauser Vizegemeindepräsident werden. (Archivbild: Mario Testa)

An der Sitzung des Gemeindeparlamentes vom 20. März 2014: Gemeindepräsident Max Vögeli – damals noch Gemeindeammann – sowie die Gemeinderäte Thomas Bornhauser und Walter Strupler. Strupler verunfallte fast ein Jahr später schwer. Wegen seiner gesundheitlichen Einschränkungen soll nun nicht er, sondern Bornhauser Vizegemeindepräsident werden. (Archivbild: Mario Testa)

WEINFELDEN. Auch ein Gemeindepräsident kann nicht immer nur arbeiten. Ist er dann tatsächlich mal weg, kommt sein Vize oder seine Frau Vize zum Zug. Derzeitiger Vizegemeindepräsident ist Walter Strupler. Vor einem Jahr hätte er vom Weinfelder Gemeindeparlament wieder für eine Amtsdauer gewählt werden sollen. Doch die im Juni 2015 vorgesehene Wahl war einstweilen verschoben worden, weil damals noch nicht klar war, ob Strupler das Vizegemeindepräsidium aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes weiter würde ausführen können. Strupler hatte am 14. März 2015 einen schweren Unfall erlitten, dessen Folgen ihn in den Rollstuhl gezwungen haben.

Strupler verzichtet

Jetzt ist klar: Strupler verzichtet aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen auf das Amt des Vizegemeindepräsidenten. Für den Rest der Amtsdauer 2015 bis 2019 schlägt die Exekutive Gemeinderat Thomas Bornhauser als Vizegemeindepräsident vor. Die Wahl vollzieht das Gemeindeparlament an seiner Sitzung vom 9. Juni – gemäss Gemeindeordnung und Geschäftsordnung. Bornhauser kommt nun zum Zug, weil er sein Amt 2007 angetreten hatte und nach Strupler somit der amtsälteste Gemeinderat ist.

Seit Gemeindepräsident Max Vögeli im Amt ist, wurde bei der Festlegung des Vizegemeindepräsidiums auf das Anciennitätsprinzip geachtet. Dieses Prinzip bevorzugt den Dienstältesten; es hat sich insbesondere im Militär bewährt. Das Prinzip gilt auch, wenn der gewählte Vize ortsabwesend ist. «Eine solche Konstellation bei der Wahl des Vizepräsidenten hat es in Weinfelden noch nie gegeben», sagt Martin Sax, Weinfelder Gemeindeschreiber von 1996 bis 2012.

«Er hat sein Ressort im Griff»

Dass die Exekutive nun Bornhauser als Vizegemeindepräsident vorschlage, sei eine vernünftige Lösung, sagt Sax, «obwohl man geteilter Meinung darüber sein könnte, ob es sinnvoll sei, dass der Gemeindepräsident und sein Vize der gleichen Partei – der FDP – angehören.» Festzuhalten sei, «dass Walter Strupler als Gemeinderat sein Ressort im Griff hat. Weil er nicht so mobil ist, gehen die Leute halt eher zu ihm nach Hause als dass er zu ihnen kommt.» Die Position des Vizegemeindepräsidenten sei wichtig, sagt Reto Marty, Gemeindeschreiber seit 2012. «Der Vize muss, wenn der Präsident weg ist, Sitzungen leiten und Dokumente unterschreiben.» Und er muss die Gemeinde gegen aussen vertreten. Martin Sax sagt, dass der Vize ein Garant für politische Stabilität sei. «Der verstorbene Gemeinderat Hans Peter Büchel war ein halbes Jahr als Vize aktiv, als der damalige Gemeindeammann weg war.»

Martin Sax Weinfelder Gemeindeschreiber 1996 bis 2012 (Archivbild: Reto Martin)

Martin Sax Weinfelder Gemeindeschreiber 1996 bis 2012 (Archivbild: Reto Martin)

Aktuelle Nachrichten