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WEINFELDEN: Abfangen vor der Sozialhilfe

Die hiesige Sozialhilfe weist unter den bevölkerungsreichen Gemeinden des Kantons die tiefsten Ausgaben aus. Gemeinderätin Veronica Bieler verrät, was das Geheimrezept für die moderaten Kosten ist.
Sabrina Bächi
Gemeinderätin Veronica Bieler (CVP) steht dem Ressort Soziales seit 2011 vor. (Bild: Reto Martin)

Gemeinderätin Veronica Bieler (CVP) steht dem Ressort Soziales seit 2011 vor. (Bild: Reto Martin)

Sabrina Bächi

sabrina.baechi

@thurgauerzeitung.ch

Veronica Bieler, was ist das Geheimnis hinter den tiefen Zahlen der Sozialhilfeausgaben in Weinfelden?

Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Als ich das Ressort übernommen habe, war mir wichtig, die Kosten tief zu halten bei qualitativ guter Arbeit. Ich habe mir überlegt, wie das zu bewerkstelligen ist. Ein Punkt war, dass man mehr Wert auf Beratungen legt. Es ist mir wichtig, die Leute abzufangen, bevor sie in die Sozialhilfe fallen. Beratungen kann man jedoch nur machen, wenn man genügend Stellenprozente hat. Seit Juni 2016 konnten wir über 100 Prozent aufstocken.

Was bringt das für Vorteile mit sich?

Die Mitarbeiter auf dem Sozialamt haben genügend Ressourcen, um die Klienten bestmöglich zu beraten und zu unterstützen. Eine Person ist zudem in einem 40-Prozent-Pensum nur für das Case Management zuständig.

Was ist das Case Management?

Es gibt Einwohner, die bezahlen ihre Krankenkassenprämien nicht mehr. Die Krankenkassen erlassen einen Leistungsaufschub. Damit dieser wieder wegfällt, übernimmt die Gemeinde die ausstehenden Zahlungen, damit die Person wieder vom Versicherungsschutz profitieren kann. Mit der betroffenen Person vereinbart dann die Gemeinde den Rückzahlungsmodus. Unter dem Strich und auf Jahre gerechnet ist dieses Case Management für die Gemeinde günstiger.

Gibt es noch andere Punkte, welche die tiefen Kosten erklären?

Die Reintegrationsbestrebungen und Beschäftigungsprogramme sind auch wichtig. Zudem sind unsere Mietzinslimiten restriktiv. Und auch das Glück spielt eine grosse Rolle. Manchmal gibt es einfach teure Fälle, die man nicht vorhersehen kann.

Gibt es noch weiteres Sparpotenzial in der Sozialhilfe?

Die Kosten in der Sozialhilfe steigen auch bei uns tendenziell. Generell würde ich sagen, dass vor allem die Integration der Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen ein wichtiger Faktor ist. Nach fünf Jahren in der Schweiz werden sie nicht mehr vom Kanton, sondern von der Gemeinde betreut. Sind sie nicht in den Arbeitsmarkt integriert, fallen sie in die Sozialhilfe. Man müsste also, weiter vorne ansetzten, um hier noch mehr Ausgaben einzusparen.

Inwiefern können die tiefen Kosten mit dem Standort erklärt werden?

Es gibt nicht viele günstige Wohnungen, das hat einen Einfluss. Sonst ist es schwierig zu sagen.

Hätten Sie Tipps für andere Gemeinden, um bei der Sozialhilfe zu sparen?

Grundsätzlich sollte man den Mut haben, genügend Stellenprozente zu fordern, damit die Beratungen und das Case Management qualitativ hochwertig sind. Als ich die Aufstockung des Stellenetats vorschlug, wurde im Gemeinderat sachlich diskutiert, das ist wichtig. Liberales Denken und vorausschauend planen ist entscheidend.

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