Weil der Thurgau so schön ist

Je älter das Datum des Poststempels, desto besser: Arnold Stäheli aus Weinfelden sammelt seit Jahrzehnten Ansichtskarten aus seiner Heimat. Aber auch alte Banknoten und Firmenrechnungen faszinieren ihn.

Esther Simon
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Der Weinfelder Arnold Stäheli und seine Schätze: Er sammelt sie seit bald fünf Jahrzehnten. (Bild: Donato Caspari)

Der Weinfelder Arnold Stäheli und seine Schätze: Er sammelt sie seit bald fünf Jahrzehnten. (Bild: Donato Caspari)

weinfelden. Im Mai 1898 erhielt Fräulein Bertha Fatzer an der Spisergasse 42 in St. Gallen eine Ansichtskarte. «Bin heute in Amriswil», schrieb ihre Schwester Lina. Die Karte zeigt auf der Vorderseite den Amriswiler Marktplatz, die evangelische Kirche und das Schloss Hagenwil, auf der Rückseite trägt sie den Poststempel vom 16. Mai 1898. Die Karte ist das älteste Stück in Arnold Stähelis Sammlung.

Aufgewachsen ist der heute 64jährige Arnold Stäheli im Haus Schönegg in Sulgen. Seine Sammelleidenschaft hat eine ehemalige Nachbarin geweckt. Sie schenkte ihm ein Bündel alter Banknoten. Das war 1965, und Stäheli war gerade im dritten Lehrjahr als Buchdrucker und somit allem zugetan, was nach Druckerschwärze, das heisst, nach Farbe roch, wie die Fachleute sagen.

Kein wertloses Papier

In seinen Augen waren diese Noten deshalb alles andere als wertlose Papiere, auch wenn man mit ihnen nichts mehr kaufen konnte. Die Zahlen und die abgebildeten Gebäude oder Personen, die Unterschrift des Bankdirektors, das faszinierte ihn. Er wollte unbedingt noch mehr alte Geldscheine haben.

Seither sammelt Stäheli, der seit kurzem pensioniert ist, alte Banknoten und alte Rechnungen einheimischer Firmen, aber auch Postkarten aus seiner Heimat, «weil der Thurgau der schönste Kanton ist».

Über 600 Ansichtskarten

Über 600 Ansichtskarten aus dem Thurgau sind bisher bei Arnold Stäheli zusammengekommen. Neuzugänge erwirbt er an Tauschbörsen und an Flohmärkten. Etwa zehn Tauschbörsen besucht er im Jahr, vor allem jene der Philatelisten. Die meisten Postkarten stammen aus Sulgen. Die baulichen Veränderungen im Dorf, in dem er aufgewachsen ist, verfolgt Stäheli mit besonderem Interesse. Bemerkenswert findet Stäheli, dass vor 80, 100 Jahren selbst kleinere Ortschaften Postkarten anfertigen liessen. Das sei heute wohl anders, meint er.

Mehrere Ringordner gefüllt

Im Verlaufe seiner Sammeltätigkeit hat Stäheli mehrere Ringordner mit den Schätzen gefüllt. Die Ansichtskarten bringt er in Klarsichttaschen unter. Die Taschen heftet er dann in den Ordner. So kann er auf der einen Seite der Postkarte, meist auf der bebilderten, die Grüsse lesen.

Wenn er die Folie wendet, sieht er auf der Rückseite das Datum des Poststempels und die Adresse des Empfängers. Mit den Geldscheinen und den Rechnungen verfährt Stäheli ebenso. Besondere Prunkstücke in seiner Banknotensammlung sind Inflationsscheine aus dem ehemaligen Jugoslawien der 1990er-Jahre. Auf den Scheinen haben die vielen Nullen kaum Platz. «Diese Noten sind auch geschichtlich interessant», sagt der Sammler. «Nach der Inflation im Deutschland der 1930er-Jahre hat kein Mensch damit gerechnet, dass das Geld jemals wieder so rasch an Wert verlieren würde. Aber man hat sich leider getäuscht.»

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