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WEIHNACHTEN: Ein Fest – auch für Einsame

Viele Menschen leben isoliert und haben an den kommenden Feiertagen niemanden, der für sie da wäre. Ein Überblick über Angebote, die Alleinstehende in Anspruch nehmen können.
Tobias Bolli
Die Feiertage kommen, doch niemand kommt, um sie zu feiern: Es gibt Leute, die auch an Weihnachten nur sich selber haben. (Bild: Andrea Stalder)

Die Feiertage kommen, doch niemand kommt, um sie zu feiern: Es gibt Leute, die auch an Weihnachten nur sich selber haben. (Bild: Andrea Stalder)

Tobias Bolli

tobias.bolli@thurgauerzeitung.ch

Bald darf wieder exzessiv gegessen und «Stille Nacht» gesungen werden. Es ist Zeit zusammen- zukommen. Die Festtage werden von den meisten Menschen im Kreise der Familie verbracht. Doch gibt es auch Leute, die niemanden haben und dass in dieser Zeit besonders schmerzlich feststellen. Die «Thurgauer Zeitung» präsentiert eine Übersicht über Angebote, die Alleinstehenden in den Regionen Amriswil und Bischofszell gemacht werden. Sie kommen vornehmlich dank religiöser Gemeinschaften und privater Initiativen zustande.

In Amriswil werden jedes Jahr vor Weihnachten Spenden an ausgewählte Gruppen verteilt. Dieses Jahr können Alleinerziehende ein Couvert mit einem kleinen Betrag abholen. «Wir hören natürlich hin, wenn jemand angeschlagen ist und Hilfe sucht», sagt Tamara Sulzberger, Leiterin Soziale Dienste. «Die persönlichen Gespräche mit Alleinstehenden ergeben meist, dass sie für die Festtage doch etwas geplant haben. Mit absolut Einsamen kommen wir eher selten in Kontakt», sagt Sulzberger.

Im Rahmen der Aktion «Gemeinsam Weihnachten feiern» bietet die Heilsarmee Amriswil ab 18 Uhr ein Abendessen an. «Wir wollen sicherstellen, dass alle jemanden haben in dieser Zeit», sagt Erhard Josi, Leiter der Heilsarmee Amriswil. Im Alters- und Pflegezentrum findet in allen Wohnbereichen ein internes Weihnachtsfest statt. «Bis zu 80 Prozent der Mieterinnen und Mieter bleiben über die Festtage hier», sagt Dominique Nobel, Leiter des Alters- und Pflegezentrums. Nur eine Minderheit werde von jemandem abgeholt. Für die Verbliebenen gebe es je nach Abteilung ein spezielles Weihnachtsprogramm und ein aussergewöhnliches Festessen, versichert der Heimleiter.

Fokus liegt auf der Eigeninitiative

«Als kleine Gemeinde setzt Sommeri ganz auf die Eigeninitiative der Bürgerinnen und Bürger», sagt Yvonne Felber von der Gemeinde. Man kenne sich hier; dementsprechend grossgeschrieben und gepflegt werde die Nachbarschaftshilfe. In der Gemeinde gibt es zudem einen Adventsfensterkalender, sodass bis Weihnachten an jedem Tag irgendwo eingekehrt werden kann.

Für alleinstehende Bewohner der Bildungsstätte Sommeri besteht die Möglichkeit, Weihnachten in der Institution zu verbringen. «Erfahrungsgemäss bleiben rund 15 Personen. Für sie organisieren wir eine Feier mit Christbaum und Geschenken – wie sich das gehört», sagt Bruno Würth, Leiter der Bildungsstätte.

Nadja Flammer, Gemeindeschreiberin von Hefenhofen, weiss von keinem Angebot für Alleinstehende über Weihnachten. «Anlässlich des ausklingenden Jubiläumsjahres findet am 31. Dezember aber ein Suppenessen statt, zu dem jedermann und jede Frau eingeladen ist», sagt sie. Da Hefenhofen selbst über keine Kirche verfügt, setze man bezüglich Sozialarbeit auch auf die Kirchen in Sommeri, Romanshorn und Amriswil.

Gottesdienst als Ersatz

«Gerade in dieser Zeit melden sich vermehrt alleinstehende und bedürftige Menschen bei uns», sagt Muolens Gemeindepräsident Bernhard Keller. «Wir können nicht viel für sie tun, haben aber ein offenes Ohr und zeigen ihnen so, dass sie nicht alleine sind.» Gleichsam als Ersatz für Weihnachten im familiären Rahmen habe sich die ökumenische Kinderfeier am 24. Dezember in der katholischen Kirche etabliert, so der Gemeindepräsident. Er habe beobachtet, dass sich viele Alleinstehende dort einfinden und das Krippenspiel und den Gesang geniessen.

Heidi Grau, Gemeindepräsidentin von Zihlschlacht-Sitterdorf, betrachtet die Lage gelassen. «Viele alleinstehende Leute sind innerhalb der Familie doch irgendwie eingebunden», sagt sie. Junge Leute kehrten nach der Familiengründung oft in die Gemeinde zurück, so finde gleichsam eine Wiedervereinigung der Generationen statt. «Die Gemeinschaft trägt hier sehr viele.Zudem verfügen wir über eine aktive Kirchgemeinde.» Es bestehe deshalb kein Bedarf an zusätzlichen Angeboten der öffentlichen Hand. Trotzdem kommen laut Grau jährlich kleine Geld- beträge zusammen, namentlich dank «Ostschweizer helfen Ostschweizern» («OhO») und Zuwendungen der Kirchgemeinde.

Weihnachtsessen dank Privatpersonen

«Die Stadt Bischofszell organisiert zwar selbst keinen Anlass für Alleinstehende, freut sich aber, die Initiative der Bar Malu zu unterstützen», erklärt Stadtpräsident Thomas Weingart. Mit zusätzlichen Spenden lokaler Betriebe führt die Bar am 24. Dezember ein Weihnachtsessen durch; alle sind dann eingeladen, sich gratis verköstigen zu lassen. Die Veranstaltungsreihe «Lebendiger Adventskalender», die auch in Halden und Schweizersholz stattfindet, hat sich ebenfalls eine Stärkung des Miteinanders zum Ziel gesetzt. Jeden Tag bis Weihnachten gibt es eine Krippenausstellung, Lottospiele und andere Events. Die Angebote sollen dazu anregen, zusammenzukommen und sich bewusst füreinander Zeit zu nehmen. Ebenfalls im Rahmen des «Lebendi- gen Adventkalenders» tritt der Chor Shalom morgen Freitag ab 19 Uhr bei der Evangelischen Täufergemeinde Eggstei auf.

Laut Gemeindepräsident Roman Brülisauer hat Erlen keine speziellen Aktionen für Alleinstehende während der Feiertage geplant. «Wir setzen darauf, dass die Leute selbst auf Alleinstehende und Bedürftige zugehen und ihnen Unterstützung anbieten. Schön wäre, wenn das regelmässig und nicht nur während der Festtage der Fall wäre.» Brülisauer weist zudem auf den Mahl- zeitendienst und auf die Spitex hin. Sie ermöglichten zumindest einen eingeschränkten Austausch und neue Kontakte.

«Wir sind eine kleine Gemeinde und verlassen uns auf die Solidarität der Bürgerinnen und Bürger untereinander», sagt Christof Rösch, Gemeindeprä- sident von Hohentannen. Die Nachbarschaftshilfe funktioniere, auch wenn sie statistisch nicht erfasst werden könne.

In Sulgen führt die Freie Evangelische Gemeinde heute Donnerstag ab 18 Uhr eine Weihnachtsfeier durch. Zu ihr sind alle – im Besonderen Flüchtlinge und Migranten – eingeladen. Gäste können einen Stummfilm mit Livemusik anschauen und an verschiedenen Verkleidungsstationen Schmutzli- und Samichlauskleider anprobieren.

In den Gemeinden Hauptwil-Gottshaus und Kradolf-Schönenberg wusste man auf Anfrage keine Angebote speziell für Alleinstehende zu nennen.

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