Wasser trampen im Stahlcontainer

BONAU. Ende Mai hat das Aquatherapiezenter in Bonau seine Pforten für tierischen Besuch geöffnet. Manfred Müller und Désirée Huber bieten Aufbautrainings und Rehabilitationsmöglichkeiten für Pferd und Hund an.

Anna Hug
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Pferdehalterin Cornelia Doffey und die Aquatherapeuten Désirée Huber und Manfred Müller überwachen das Aquatraining von Astranova Grande. (Bild: Mario Testa)

Pferdehalterin Cornelia Doffey und die Aquatherapeuten Désirée Huber und Manfred Müller überwachen das Aquatraining von Astranova Grande. (Bild: Mario Testa)

«Das Pferd kann sich hier bewegen wie in der freien Natur. <Ganz ohni Grind umerisse> – einfach Hammer!», sagt Manfred Müller, während Astranova Grande neben ihm im Wasser watet. Das Schweizer Warmblut befindet sich in einem zweitürigen Stahlcontainer, der kniehoch mit kühlem Wasser gefüllt ist. Durch einen ebenerdigen Einstieg am einen Ende des Containers finden die Pferde ihren Weg in die Stahlbox. Anschliessend wird diese langsam geflutet. Ein Laufband am Boden des Containers bringt das Pferd dazu, ständig in Bewegung zu bleiben. Das Wasser leistet Widerstand und animiert die Stute dazu, die Beine höher zu heben als normalerweise. Bei Abschluss der Trainingseinheit wird das Wasser abgelassen und die Tiere werden durch die Tür am anderen Ende der Box herausgeführt.

Sei es Bauch, Bein oder Rücken: Das Training bei Manfred Müller kräftigt die gesamte Muskulatur der Tiere. Das Pferd wird gestärkt und dabei nicht durch Reiter mit Sattel und Zaum belastet. In Müllers Aquatherapiezenter kommen Pferde zu Rehabilitationsaufenthalten nach Verletzungen, zu einzelnen Trainingseinheiten oder in die Ferien. Der international erfahrene Springreiter und seine Partnerin Désirée Huber trainieren und therapieren seit dem 30. Mai mit dieser Methode Pferde und Hunde in Bonau. Müller ist schon länger in dieser Branche tätig.

Langjährige Erfahrung

Als er die Therapiemethode vor acht Jahren in Deutschland entdeckte, war er begeistert und brachte sie als Erster in die Schweiz. Im Reitsportzentrum, das er bei Wängi betrieb, baute er seine erste Aquatherapieanlage auf. Nach dem Verkauf dieses Zentrums hatte er die Idee, eine Anlage aufzubauen, die sich nur auf Aquatherapie spezialisieren sollte – so kam er nach Bonau.

Dort bietet er seinen tierischen Gästen einiges. In den Stallungen finden zwölf Pferde Platz. Zwei Boxen sind dauerhaft von den eigenen Tieren belegt, die restlichen zehn Boxen sind für Therapie- oder Feriengäste vorgesehen. Die Pferde geniessen während ihres Aufenthaltes täglich eine Trainingseinheit auf dem Wasserlaufband. «Durch das tägliche Training kommen die Therapiepferde mit fast komplett aufgebauter Muskulatur zu ihren Besitzern zurück. Das Reiten ist nach Therapieende sofort wieder möglich», sagt Müller.

Therapie auch für Hunde

Im Aquatherapiezenter Bonau kommen auch andere Vierbeiner nicht zu kurz. In einem bedeutend kleineren Container mit Glaswänden werden auch Hunde im Wasser trainiert. Ihnen scheint das abwechslungsreiche Training besonders viel Spass zu machen. Schwanzwedelnd springen die meisten Hunde jeweils aufs trockene Laufband, und der Container füllt sich bis zur Brust des Tieres langsam mit Wasser.

Häufig kommen die Tiere nach Verletzungen, um ihre Muskulatur wieder schonend aufzubauen. «Man kann richtig zusehen, wie die Muskeln der Tiere von Mal zu Mal wachsen», sagt Désirée Huber. Doch nicht nur verletzten Hunden steht die Aquatherapeutin zur Seite, auch übergewichtigen verhilft sie zu neuer Lebensqualität. «Kürzlich kam ein übergewichtiger Hund, der kaum noch zehn Minuten gehen konnte bis er völlig erschöpft war. Dank des Aquatrainings unternimmt er heute wieder Spaziergänge von bis zu einer Dreiviertelstunde.»

Schäferhund Sheldon beim Training mit Désirée Huber.

Schäferhund Sheldon beim Training mit Désirée Huber.