Warum nehmen sich Menschen das Leben?

ERMATINGEN. Die Evangelische Kirchgemeinde Ermatingen lud am Freitag zu einem Nachmittag zum Thema Suizid ein.

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ERMATINGEN. Die Evangelische Kirchgemeinde Ermatingen lud am Freitag zu einem Nachmittag zum Thema Suizid ein. Im Focus stand die Frage: «Warum nehmen sich Menschen das Leben?» Es ging um die Schuldfrage und darum, wie gegebenenfalls Hinterbliebene, Freunde und Nachbarn mit dieser Situation umgehen. Die Gemeindemitglieder nutzten die Diskussionsplattform im Gemeinderaum für einen intensiven Gedankenaustausch.

Den Freitod verhindern?

Zunächst führte Pfarrer Mettler in das Thema ein: Er erörterte: «Schweizweit unternehmen jährlich 15 000 bis 25 000 Menschen einen Suizidversuch.» Mit an die 1500 Selbsttötungen sind durch Suizid nahezu doppelt so viele Todesopfer wie im Strassenverkehr zu beklagen. Ausschlaggebend für etwa 70 Prozent der Suizide seien Depressionen. Die meisten würden den Freitod intensiv planen. Sie ziehen sich zurück und versetzen sich in einen Trancezustand. Wenn der Entscheid dann definitiv gefallen sei, würde er leise und mit allen Konsequenzen durchgezogen. Die nächsten Angehörigen würden plötzlich mit einer völlig neuen Situation konfrontiert. Oftmals fühlten sie sich alleine gelassen. Sie wären überlastet und begäben sich auf die Suche nach einem Schuldigen. Sie fragen sich: «Hätten wir es verhindern können?»

Das Thema ist kompliziert

Bei der anschliessenden Diskussion schilderten einige Gemeindemitglieder ihre Erfahrungen aus dem persönlichen Umfeld. Die Umstände für eine vorsätzliche Beendigung des Lebens würden sich äusserst schwierig gestalten, und die Frage nach dem Warum sei kompliziert. Am Ende war sich das Auditorium einig, dass sich der Entscheid und die Absicht zum Freitod nur schwer verhindern lassen. In diesem Zusammenhang ging es auch um den Stellenwert der Vereinigung für humanes Sterben, exit. Pfarrer Marc Mettler ergänzte: «Aus Sicht der Heiligen Schrift und dem normativem Anspruch für die Ausübung der Religion gibt es keinen direkten und wertenden Kommentar.» Die Bibel betone, so Mettler, dass Gott der Geber des Lebens sei. Er dulde den Entscheid des Menschen, der diese Entscheidung für sich und aus freiem Willen trifft. Genauso würde Gott niemals den Befehl für die Selbsttötung geben. Mettler riet, eine Suizidsituation nicht zu verurteilen. Ebenso sollten sich Hinterbliebene keine Vorwürfe machen. (hz)