«Warum greift niemand durch?»

SALMSACH. Die Fischer an der Salmsacher Aach haben die Hoffnung fast verloren: Seit über 30 Jahren läuft immer wieder einmal Gülle in den Bach. Und nichts passiert. Was auch ein ehemaliger Feuerwehr-Kommandant nicht verstehen kann. Nun reicht der Fischereiverband Thurgau eine Strafanzeige ein.

Markus Schoch
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In diesem Hang liegt die Röhre, aus der zuletzt wiederholt Gülle in die Aach gelaufen ist. (Bild: Markus Schoch)

In diesem Hang liegt die Röhre, aus der zuletzt wiederholt Gülle in die Aach gelaufen ist. (Bild: Markus Schoch)

Erwin Fischer regt sich noch immer masslos auf. Auch wenn er es eigentlich nicht mehr will. Zu lange schon schaut er zu, wie sich das ewig gleiche Spiel wiederholt.

Fischer ist seit 1978 Mitglied bei den Aachfischern. Und seit er sich erinnern kann, gibt es Probleme mit Gewässerverschmutzungen im Bach an der Grenze zwischen Romanshorn und Salmsach. Und oft am gleichen Ort im Weiler Hungerbühl. Dort, wo zwei Röhren in die Aach münden.

Es ändert sich nichts

Sie sollten eigentlich Regenwasser fassen und ableiten. Zuweilen wird aber auch Gülle in den Bach gespült – so wie in den letzten Wochen gleich dreimal hintereinander. Was Fischer zur Weissglut treibt. «Passiert etwas, werden die Feuerwehr, das Amt für Umwelt, der Fischerei-Inspektor, wir Fischer, die Polizei und die Gemeinde aufgeboten – das volle Programm, jedes Mal.» Man betreibe einen riesigen Aufwand, ohne dass sich irgendetwas zum Besseren ändere. Obwohl längst bekannt sei, wer für die Gewässerverschmutzungen verantwortlich sei.

Was die verantwortlichen Stellen nach einem Unglück jeweils unternommen hätten, wisse er nicht, sagt Fischer. «Wir Fischpächter haben zwar den Schaden, werden aber nie informiert über die weiteren Schritte.» Aufgrund der negativen Erfahrungen hätten viele seiner rund 20 Kollegen bei den Aachfischern mittlerweile die Hoffnung verloren. Auch Fischer selber glaubt nicht, dass nach den jüngsten Vorfällen «jetzt endlich einmal etwas geht».

«Ich begreife das nicht»

Max Sommer versteht ebenfalls nicht, wie sich die Geschichte ständig wiederholen kann. «Ich begreife das nicht. Und ich begreife auch nicht, warum nicht endlich jemand rigoros durchgreift.» Schon vor 30 Jahren sei er als Kommandant der Feuerwehr Romanshorn wegen Gewässerverschmutzungen der Aach im Einsatz gestanden. «Wir haben Leitungen gespült und den Verursacher ausfindig gemacht.» Seines Wissens seien ihm Auflagen gemacht worden. «Jemand wurde auch in Untersuchungshaft genommen.»

Bei den Altlasten lasse der Kanton gar nichts durchgehen, was er begrüsse. Dieselbe Härte würde Sommer auch im Gewässerschutz erwarten.
 

Fischereiverband reicht Strafanzeige ein

In einer Pressemitteilung vom Mittwochmorgen informiert der Thurgauer Fischereiverband, dass er heute Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Bischofszell einreichen wird. "Diesem unerträglichen Treiben muss endlich Einhalt geboten werden", schreiben die Verantwortlichen des Fischereiverbandes. Seit Ende August 2015 sei die Salmsacher Aach mindestens dreimal mit Gülle aus der gleichen Einleitung vergiftet worden. Tausende Fische und andere Wasserbewohner seien dabei qualvoll verendet. Das Problem reiche aber noch viel weiter zurück: "Die ortsansässigen Fischer beklagen seit Jahrzehnten dass es immer wieder zu Gülleeinträgen aus derselben Zuleitung kommt", hält der Fischereiverband in seiner Mitteilung fest. Gemäss Amt für Umwelt dürfte es sich dabei immer um denselben Verursacher handeln. (chs)

Max Sommer Ehemaliger Feuerwehr- kommandant von Romanshorn (Bild: pd)

Max Sommer Ehemaliger Feuerwehr- kommandant von Romanshorn (Bild: pd)