Warten auf den Adrenalinschub

HEFENHOFEN. Die Magd Lina ist auf der Suche nach der grossen Liebe. Die Bauernfamilie Burger bekommt das zu spüren. Seit Mitte Oktober leben sich die Mitglieder der Theatergruppe der Castello Sänger in ihre Rollen ein.

Maya Mussilier
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Auf der Bühne der Mehrzweckhalle Sonnenberg proben die Laienschauspieler für die Aufführung vom 10. Januar. (Bild: Nana do Carmo)

Auf der Bühne der Mehrzweckhalle Sonnenberg proben die Laienschauspieler für die Aufführung vom 10. Januar. (Bild: Nana do Carmo)

Es ist Mittwoch, die letzte Probe für die Aufführung vom Samstag ist angesagt. Fast zeitgleich fahren vor der Mehrzweckhalle Sonnenberg die Autos auf den Parkplatz. Die Schauspielerinnen und Schauspieler, Regisseurin Marlies Fässler und einige Helfer treffen zur Hauptprobe ein. Wenige Minuten später geht der Vorhang auf.

Noch ungeschminkt, aber sonst in voller Montur stehen Bauer Alfred Burger (Josef Lichtensteiger), seine Frau Emma (Maria Brändle), Tochter Silvia (Manuela Würth) und die Magd Lina Greter (Irmgard Schildknecht) sowie Knecht Max Stalder (Urs Baumann) auf der Bühne. Von Nervosität ist nichts zu spüren. Kaum hat die Probe begonnen, sind sie ganz in ihrem Element und laufen zur Hochform auf. Im zweiten Akt kommen auch Tanja Gisler (Raphaela Schläpfer) und Erwin von Höchstetten (Felix Würth) dazu.

Etwas Lampenfieber bleibt

Schon lange in der Theatergruppe dabei ist Josef Lichtensteiger. «Etwa 40 Jahre», sagt er und lacht. Denn auch nach dieser langen Zeit spürt er vor einer Vorstellung noch das gewisse Kribbeln. «Ja, ich habe noch etwas Lampenfieber», gibt er zu. Das sei sogar bei gestandenen Schauspielern so. «Stehe ich dann aber auf der Bühne und habe die ersten Sätze gesprochen, dann ist das vorbei.» Lichtensteiger lebt sich ganz in seine Rolle hinein. «Das ist wichtig, um überzeugend spielen zu können», sagt er. Was es sonst noch braucht? «Man muss schon mal improvisieren können, wenn der Text von den Mitspielern vielleicht nicht genau so kommt, wie es die Vorlage vorsieht.»

Meistens lustige Stücke

Josef Lichtensteiger ist es auch, der die Theaterstücke aussucht. Das sei nicht immer ganz einfach, sagt er. Oftmals lese er über ein Stück in der Zeitung oder finde das Passende in den Auswahlsendungen der Verlage. Meistens wähle er einen Zweiakter aus. «Einakter sind zu kurz und Dreiakter oft zu lang.» Er achte darauf, dass die Rollenverteilung möglichst allen Schauspielern gerecht wird. Die Wahl fällt eher auf lustige Stücke. «Die Zuschauer mögen Theater, bei dem es etwas zu lachen gibt», weiss Josef Lichtensteiger. Obwohl es für die Schauspieler durchaus einmal eine interessante Herausforderung wäre, eine Tragödie aufzuführen.

Ein Film für die Darsteller

In der Theatergruppe spielen zwischen sieben und zehn Personen. «Unterdessen sind wir richtig zusammengewachsen», sagt Josef Lichtensteiger. So würden sie auch unter dem Jahr ab und zu etwas gemeinsam unternehmen. Trotzdem braucht es immer mal wieder Zuwachs in der Gruppe. «Es kommt schon vor, dass jemand auch einmal ein Jahr aussetzen möchte.»

Die Zeit vom Probenbeginn bis zur Aufführung ist intensiv. Begonnen wird jeweils Mitte Oktober mit Leseproben. Wenn der Text etwas sitzt, geht es in grössere Räumlichkeiten, wo die ersten schauspielerischen Sequenzen eingeübt werden. Erst nach Weihnachten steht die Theatergruppe schliesslich auf der Bühne. «Wir treffen uns in dieser Zeit einmal in der Woche zur Probe, aber für sich selbst übt jeder zusätzlich viele Stunden.»

Der schönste Lohn für die Theaterspieler ist, wenn die Aufführung beim Publikum gut ankommt. «Dann bekommt man einen richtigen Adrenalinschub», erzählt Josef Lichtensteiger und lacht. Und damit den Darstellern die Aufführungen in guter Erinnerung bleiben, wird das Theaterstück jeweils gefilmt. Diesen Film erhalten die Mitglieder der Theatergruppe jeweils als Dankeschön überreicht.