«War nicht meine letzte Chance»

HELDSWIL. Nur kurz währte die Enttäuschung über das Abschneiden. Nach der Rückkehr von seiner ersten WM richtet Stefan Zeberli den Blick nach vorne, warten 2009 und 2010 doch bereits die nächsten grossen Herausforderungen auf ihn.

Georg Stelzner
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In der Steiermark wurde diesen Monat die Weltmeisterschaft im Ballonfahren ausgetragen. (Bild: pd)

In der Steiermark wurde diesen Monat die Weltmeisterschaft im Ballonfahren ausgetragen. (Bild: pd)

Nach dem Gewinn der «World Balloon Trophy 2008» in Luxemburg und Platz 7 bei der WM-Generalprobe vor einem Jahr durfte Stefan Zeberli zumindest zum erweiterten Favoritenkreis für die WM im steirischen Hofkirchen (Österreich) gezählt werden. Zu Beginn sah es auch ganz danach aus, als ob der 27jährige Heldswiler den hohen Erwartungen gerecht werden könnte. Nach drei Wertungen in Führung liegend, fiel Zeberli, der die WM mit seinem Bruder Simon als Co-Piloten bestritt, nach einer völlig missglückten Wettfahrt auf den 17. Platz zurück. Da die WM aufgrund eines plötzlichen Föhneinbruchs dann beendet werden musste, war keine Rangverbesserung mehr möglich.

Den Frust überwunden

«Natürlich war ich im ersten Moment enttäuscht, zumal sehr viel, vielleicht sogar der WM-Titel, möglich gewesen wäre und ich zunächst auch davon ausging, die Scharte wieder auswetzen und mich rangmässig noch verbessern zu können», blickt Stefan Zeberli auf seine erste WM-Teilnahme zurück. Relativ schnell habe er dann aber realisiert, dass in einem Feld von über 100 Teilnehmern aus mehr als 30 Nationen ein 17. Platz gar nicht so schlecht ist. Ein Blick auf die Rangliste gibt Zeberli recht, musste sich der zweite Schweizer Pilot doch mit Rang 64 begnügen. Und so hat Zeberli längst wieder Mut geschöpft: «Ich bin jung und werde noch viele Gelegenheiten vorfinden, mein Können unter Beweis zu stellen.» Inzwischen betrachte er sein Abschneiden in der Steiermark sogar als Ansporn. Nach wie vor leid tue ihm die verpasste Chance für das Team, dessen Mitglieder ebenfalls viel Zeit investieren müssten.

Selbstkritische Analyse

Zum Verhängnis auf der vierten Wettfahrt wurde Stefan Zeberli der Wind. Aufgrund des Meteoblatts, das den Piloten von den Organisatoren zur Verfügung gestellt wurde, rechnete der zweifache Schweizer Meister mit Südwestwind. Um 5 Uhr morgens sei diese Prognose auch noch zutreffend gewesen, zum Zeitpunkt des Starts hingegen nicht mehr, erinnert sich Zeberli. Selbstkritisch stellt er fest: «Mich zu sehr auf diese Angaben zu verlassen, war ein Fehler, den ich kein zweites Mal machen werde.» Dass die Bedingungen schwierig sein würden, habe er gewusst, räumt Zeberli ein. Die Region nordöstlich von Graz sei bekannt dafür, dass sich die Stärke und Richtung der Winde rasch ändern können. Davon habe er sich schon im Vorjahr anlässlich des Test-Events für die WM 2008 selber überzeugen können. Diesmal seien die Verhältnisse aber noch schwieriger und somit unberechenbarer gewesen.

Kindheitstraum erfüllt

An der diesjährigen Weltmeisterschaft starteten nur sechs Piloten, die jünger als 30 Jahre alt waren. Zu ihnen gehörte Stefan Zeberli, der im Alter von 17 Jahren mit dem Ballonfahren begonnen hat. Dass seinem Sport von der breiten Öffentlichkeit keine grosse Aufmerksamkeit zuteil wird, nimmt der Heldswiler in Kauf. Als Ungerechtigkeit empfindet er diese Situation nicht. «Das Regelwerk ist sehr kompliziert und das Wettkampfgeschehen kann vom Publikum – im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten – nicht aus nächster Nähe mitverfolgt werden», zeigt Zeberli durchaus Verständnis. So müssten auf einer Fahrt innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens verschiedene Aufgaben gelöst werden, zu denen auch geometrische Figuren gehören. Die Leistung des Piloten würde dann mit Punkten bewertet.

«Ballonfahren war ein Kindheitstraum von mir, und es ist auch etwas, das nicht jeder macht», beantwortet Zeberli die Frage nach seiner Motivation. Für ihn sei es der interessanteste Sport überhaupt, weil dabei das Wetter eine so grosse Rolle wie sonst nirgendwo spiele. «Es sind gerade diese Unwägbarkeiten, welche den Reiz des Ballonfahrens ausmachen.» Als seine nächsten sportlichen Ziele bezeichnet Stefan Zeberli die «World Air Games» in Turin und die Europameisterschaft in Frankreich, die beide im Jahr 2009 stattfinden. Nicht zuletzt möchte er an der Weltmeisterschaft 2010 in Ungarn aber erneut den Titel ins Visier nehmen.

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