War es ein Porno oder ist es bloss eine Schlammschlacht?

SALENSTEIN. Ein Primarlehrer verlässt kurz das Schulzimmer und lässt seine Klasse unbeaufsichtigt. Als er zurückkehrt, findet er seine Schüler im Alter von etwa neun bis zehn Jahren vor dem Laptop, der auf dem Lehrerpult steht.

Perrine Woodtli
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Salenstein: Pornobilder auf dem Lehrer-Laptop oder eine regelrechte Schlammschlacht wie im Sittertobel? (Bilder: fotolia & Benjamin Manser)

Salenstein: Pornobilder auf dem Lehrer-Laptop oder eine regelrechte Schlammschlacht wie im Sittertobel? (Bilder: fotolia & Benjamin Manser)

Ein Primarlehrer verlässt kurz das Schulzimmer und lässt seine Klasse unbeaufsichtigt. Als er zurückkehrt, findet er seine Schüler im Alter von etwa neun bis zehn Jahren vor dem Laptop, der auf dem Lehrerpult steht. Sie surfen im Internet und begutachten unter anderem auch Bilder, die nicht ihrem Alter entsprechen. In einer überschaubaren Gemeinde wie Salenstein macht so eine Geschichte schnell die Runde. Gerüchteweise war sogar von Pornofilmen die Rede.

«Die Situation ist klar unglücklich verlaufen», sagt Patrick Elsener, Primarlehrer an der Primarschule Salenstein. Er war zu jener Zeit krankgeschrieben und der Lehrer war seine Aushilfe, dieser war mit dem Vorfall konfrontiert. Als Hauptlehrperson wurde Patrick Elsener daraufhin informiert. Auch wenn es nicht in Ordnung sei, würden solche Dinge laut Elsener in der Natur der Kinder liegen. «So neugierig wie Kinder halt sind, gingen sie an den Computer und fingen an zu googeln», sagt Elsener. Als die Kinder auf eine Seite klickten, erschienen auf dem Bildschirm ein paar Bilder, die «nicht altersgerecht» gewesen seien. Gerüchten zufolge handelte es sich um Bilder oder Fotos mit pornographischem Inhalt. Völliger Quatsch, dementiert Elsener. «Es lief kein Film oder derartiges.»

Von den Strassen in den Rat

Der Lehrer informierte die Eltern seiner Schüler in einem Schreiben. «Ich hatte die Eltern bereits schon länger davor zu einem Informationsanlass eingeladen», sagt Elsener und ergänzt: «Der Vorfall wurde dann gleich auch noch an diesem Abend behandelt.» Auch in der Schule habe man darüber gesprochen. «Die Infrastruktur wurde überprüft und die Computer-Sicherheit mit einem Filter verschärft.»

Elsener werde das Thema Medien demnächst mit den Kindern behandeln. «Aber nicht speziell wegen des Vorfalls», betont Elsener: «Die Kinder müssen allgemein auf das Internet und den Umgang mit Computern vorbereitet werden, damit sie damit umgehen können.»

Das Thema machte nicht nur in der Schule und in den Strassen von Salenstein die Runde, sondern auch im Gemeinderat, wie Roland Nothhelfer, Vize-Gemeindeammann, bestätigt. «Ich hörte es von einigen Eltern der Schüler und wollte es auch im Gemeinderat thematisieren», sagt Nothhelfer. Dabei stiess er bei der Schulpräsidentin Ewa Zwick aber auf taube Ohren.

Auch die Schulleiterin der Primarschule Salenstein Irene Fahrni findet, dass die Sache zu überspitzt wird. «Das was in dieser Klasse vorgefallen ist, kann jedem und überall passieren und war verhältnismässig harmlos», sagt Fahrni und ergänzt: «Für uns hatte sich diese Angelegenheit sofort wieder erledigt.»

Auf in den Kampf

An den Anspannungen ist aber nicht nur die angebliche Pornogeschichte schuld. Es lässt vermuten, dass es den beiden Parteien nicht bloss um die Tatsache geht, ob die Kinder nun Zugriff auf einen Porno hatten oder doch nur harmlos im Internet surften, sondern darum, dass der wichtigste Termin für die Gemeinde Salenstein schon bald vor der Tür steht.

Am 8. März stehen die Wahlen an, in welchem die Findungskommission eine Gesamterneuerung des Gemeinderats anstrebt. Es sollen auch der Sitz des Gemeindepräsidenten und der Schulpräsidentin neu besetzt werden. Dass in Salenstein seit längerem die Stimmung den Tiefpunkt erreicht hat, war bekannt. Nun schaut es ganz danach aus, dass sich die Wahlen noch zu einer Schlammschlacht entwickeln – ob mit oder ohne Porno.

Pornobilder auf dem Lehrer-Laptop oder eine regelrechte Schlammschlacht? (Bild: fotolia)

Pornobilder auf dem Lehrer-Laptop oder eine regelrechte Schlammschlacht? (Bild: fotolia)

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