Waldgeflüster im Lager

MUOLEN. An Pfingsten wird Muolen zur internationalen Zeltstadt. Vier Tage lang finden Menschen mit und ohne Behinderung aus dem deutschsprachigen Raum zum Eurolager 2015 zusammen.

Roman Hertler
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Das bislang letzte Eurolager auf Schweizer Boden fand im Jahr 2011 in Sommeri statt. (Bild: pd)

Das bislang letzte Eurolager auf Schweizer Boden fand im Jahr 2011 in Sommeri statt. (Bild: pd)

150 Personen werden laut Auskunft von Hauptleiterin Katrin Lichtensteiger über Pfingsten in etwa 20 Zelten auf der Muoler Gemeindewiese übernachten. Menschen mit und ohne Behinderung halten sich in etwa die Waage, so dass fast eine Eins-zu-eins-Betreuung möglich sein wird. Die Lagerküche befindet sich im Adlersaal. So ist der Transportweg für die Menus bis zum Turnhallenvorplatz, wo alle gemeinsam essen, nicht zu weit.

Postenlauf durch das Dorf

Nach dem gemeinsamen Frühstück bestreiten die einzelnen Gruppen mit etwa 20 Personen ein eigenes Programm, das unter dem Motto «Waldgeflüster» steht. In spielerischer Form werden die Themen Mensch und Natur sowie Umgang mit der Natur behandelt.

Das Nachmittagsprogramm absolvieren alle gemeinsam. Am Samstag erkunden die Gäste aus dem Raum Ostschweiz, aus Süddeutschland, dem Fürstentum Liechtenstein und Südtirol das Dorf in einem Postenlauf, den die Jubla Muolen organisiert. Am Abend gibt es Ateliers, in denen die Teilnehmer zum Beispiel entscheiden können, ob sie an einem Fackellauf teilnehmen oder Tiere aus Draht basteln wollen.

Zeit für lustige Aktivitäten

«Es ist kein dicht gedrängtes Programm», erklärt Katrin Lichtensteiger. Es bleibe genug Zeit für Wasserschlachten und andere Spässe. Für Lichtensteiger ist es mittlerweile das 14. Eurolager. «Das erste Mal dabei war ich mit einer Freundin und deren Schwester, die eine Behinderung hat», erzählt die Kindergärtnerin. «Seither hat mich das Eurolager-Fieber gepackt.»

Der Anlass findet turnusmässig alle vier Jahre in der Schweiz statt, letztmals 2011 in Sommeri. «Fürs Organisieren der Lager ist die geographische Nähe von Vorteil», sagt Lichtensteiger. «Man weiss genau, womit man sich an wen wenden kann.»

Viele Privatpersonen tragen freiwillig oder zu Freundschaftspreisen zum Gelingen des Lagers bei, das nur über Spenden finanziert wird. Auch die Gemeinde Muolen kommt den Veranstaltern entgegen und stellt den Lagerplatz gratis zur Verfügung.

Abbau von Grenzen als Ziel

Eurolager gibt es seit 1979. Es war ein Folgeanlass auf einen Eurovisions-Gottesdienst auf der Insel Reichenau (D), der ein Jahr zuvor auch im Fernsehen übertragen worden war. Seither treffen sich jedes Jahr zu Pfingsten zwischen 150 und 250 Menschen mit und ohne Behinderung.

Die Idee des Eurolagers besteht hauptsächlich darin, gesellschaftliche Grenzen abzubauen sowie Behinderte und Nichtbehinderte zusammenzuführen. Das Lager steht grundsätzlich allen offen. Doch es hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass immer weniger Rollstuhlfahrer an diesem Anlass teilnehmen. Das hat praktische Gründe: Die Rollstuhltauglichkeit kann nicht auf allen Lagerplätzen garantiert werden.

Weitere Infos und spontane Lager-Anmeldungen: K. Lichtensteiger, 078 893 65 66, www.eurolager.org.

Katrin Lichtensteiger Hauptleiterin Eurolager Muolen (Bild: pd)

Katrin Lichtensteiger Hauptleiterin Eurolager Muolen (Bild: pd)