Wärmeverbund wächst weiter

ARBON. Über ein Netz von zehn Kilometer Leitungen werden Kunden des Wärmeverbundes Morgental den Bedarf decken können. Die ersten Bezüger tun das schon, während der Ausbau vorangeht. Nicht nur Abwasser, auch Holz wird energetisch genutzt.

Max Eichenberger
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13 Millionen Franken investiert die EBM (Elektra Birseck Münchenstein) in das Wärmeverbundnetz; hier ein Abschnitt zur Sporthalle. (Bild: Max Eichenberger)

13 Millionen Franken investiert die EBM (Elektra Birseck Münchenstein) in das Wärmeverbundnetz; hier ein Abschnitt zur Sporthalle. (Bild: Max Eichenberger)

Das Gelände der Kläranlage Morgental ist sieben Fussballfelder gross. Dort werden nicht nur Abwässer gereinigt, sondern auch verschiedene Energien nutzbar gemacht und umgewandelt, die bei den Betriebsprozessen entstehen. So entziehen zum Beispiel Wärmepumpen dem geklärten Abwasser Wärme. Auf höherem Temperaturniveau wird diese in das Netz eines regionalen Wärmeverbundes gespeist.

1000 Einfamilienhäuser

Dieses Leitungsnetz befindet sich im Bau, soll im Endausbau 10 Kilometer lang sein und eine Wärmeleistung von 15 Megawatt bereitstellen können. Damit könnten umgerechnet 1000 Einfamilienhäuser versorgt werden. Es ist ein ambitiöses Vorreiterprojekt, das die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) als Partnerin des Abwasserverbandes Morgental und Investorin in Etappen realisiert.

Neben der Wärmenutzung aus dem Abwasser gewinnt die EBM auch aus dem Klärgas grüne Energie, die über einen Wärmetauscher auf den Hub der inzwischen fertiggestellten Energiezentrale gebracht wird und ebenfalls ins Verbundnetz geht.

Richtplan spielt EBM in die Hand

Angehängt sind laut Ivo Kempter, dessen Ingenieurbüro in St. Gallen die Generalplanung für die Elektra Birseck Münchenstein besorgt, bereits die Hügli AG und das grosse Areal der Wohnüberbauung Schönau. Voran kommt der Leitungsbau Richtung Hartchrom in Obersteinach. Ebenso ist der Strang ins Saurer-WerkZwei im Bau. Der über das Areal erlassene Energierichtplan sieht dort die Versorgung prioritär mit erneuerbarer Energie vor. Das eröffnet der Wärmeverbund-Investorin EMB ein interessantes Potenzial, um ihr Projekt längerfristig auf ein wirtschaftlich tragfähiges Fundament zu stellen. HRS wird in näherer Zukunft vier Baufelder im Saurer-Areal entwickeln. Ein weiterer bedeutender Markt ist das Gewerbegebiet Morgental beim A1-Zubringer. Ein Netzstrang ist Richtung Schulzentrum Stacherholz und Sporthalle im Bau. Beide Komplexe werden ebenfalls angeschlossen. Dieser Abschnitt ist vorläufig noch ein Puzzle mit einzelnen fertigen Losen. Im Juni 2013 soll laut Ivo Kempter dieser westliche Ast in Betrieb gehen.

Das Leitungsnetz ist mit 13 Millionen Franken der teuerste Teil des Wärmeverbunds, weiss Roland Boller, Geschäftsführer des Abwasserverbandes Morgental und ideeller Vater des Energieparks auf dem AVM-Gelände. Der Ausbau – später bis nach Roggwil geplant – verläuft parallel zum Bau weiterer Wärmeerzeugungsanlagen rund um die Kläranlage.

Alles unter einem Hut

Gegenwärtig erstellt EBM mit Kosten von gut 7 Millionen Franken eine Holzwärmezentrale im südlichen ARA-Areal. In vorläufig einem Kessel – ein zweiter ist aber bereits geplant – wird in einem Jahr Bau- und Abbruchholz verfeuert und in Wärme umgewandelt energetisch genutzt. Das Restholz liefert das Freidorfer Entsorgungsunternehmen Eberle an, das in unmittelbarer Nähe zur ARA eine Annahmestelle betreibt: zwischen 6000 und 8000 Tonnen pro Jahr. Heute transportiert Eberle das Material nach Buchs. Künftig kann die Firma 100 000 Lastwagenkilometer einsparen.

Ursprünglich plante eine Gruppe um Eberle in den Kupferwiesen eine eigene Anlage. «Man hat sich dann aber gefunden», sagt Boller, «die Projekte zu bündeln und unter einen Hut zu bringen.»

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