WÄLDI: Herde lebt fast wie in der Wildnis

Die Pferde bei Isabelle Stuber in Gunterswilen legen täglich bis zu zwölf Kilometer zurück. Sie leben in einem Offenstall mit Paddock Trail. Der Schweizer Tierschutz hat die Anlage mit seinem Pferdelabel ausgezeichnet.

Nicole D'orazio
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Isabelle Stuber hat gerade die Futterstation auf ihrem Paddock Trail mit Heu gefüllt. Carino wartet nur darauf und beginnt sofort zu fressen. (Bild: Donato Caspari)

Isabelle Stuber hat gerade die Futterstation auf ihrem Paddock Trail mit Heu gefüllt. Carino wartet nur darauf und beginnt sofort zu fressen. (Bild: Donato Caspari)

WÄLDI. Die Pferde dösen vor sich hin. Als Isabelle Stuber mit etwas Heu in der Hand auftaucht, ist ihr Interesse geweckt. Zwei trotten ihr hinterher und schauen, in welche Futterstation sie das Heu gibt, folgen ihr und beginnen genüsslich zu fressen. In der Regel werden die Stationen am Abend gefüllt oder nachts per Zeitschaltuhr. Isabelle Stuber hat eine ganz besondere Anlage für Pferde. Einen sogenannten Paddock Trail. Dieser besteht aus einem befestigten Auslauf mit Rundkies, Sand oder Holzschnitzeln als Unterlage, einem Sandplatz sowie einem Teil mit Gras – dem Trail. Die Pferde werden in der Gruppe gehalten und leben in einem Offenstall. Sie haben drei Unterstände zur Verfügung. Die Anlage ist mit dem Pferdelabel des Schweizer Tierschutzes ausgezeichnet. Als bisher einziger im Kanton.

«Mir ist eine artgerechte Pferdehaltung sehr wichtig», erzählt die junge Mutter aus Gunterswilen. «Meine Stute hat Kniescheibenprobleme. Sie muss sich daher viel bewegen. Also habe ich nach einer passenden Haltung gesucht.» Sie ist dabei auf das Offenstallkonzept des Amerikaners Jamie Jackson gestossen und hat eine ähnliche Anlage aufgebaut. «Pferde fressen 16 bis 18 Stunden am Tag und legen in der Wildnis zwischen 20 bis 40 Kilometer zurück», erzählt Stuber. «Da bei uns der Platz beschränkt ist, ist so ein Paddock Trail mit verschiedenen Teilen die ideale Lösung, auch für kleinere Flächen.»

Futter animiert zur Bewegung

Die sechs Pferde bei Isabelle Stuber legen täglich bis zu zwölf Kilometer zurück. «Das kann ich mittels GPS überprüfen.» Sie werden von den Fressstationen dazu animiert. Im befestigten Auslauf sind es deren 13, auf dem Trail 16. «Letzterer ist rund 700 Meter lang. Das Land ist in drei Weiden unterteilt, auf die ich die Pferde phasenweise lasse. Das Gras ist sehr nahrhaft, weswegen sie nicht den ganzen Tag davon essen sollten.» Um die Weiden führen vier 5,5 Meter breite Wege. «Hier ist das Gras nicht hoch, weil es die Pferde ständig abknabbern.»

Dem Trail entlang wachsen verschiedene pferdegerechte Hecken und auch Apfelbäume. Die Tiere können im Sommer und vor allem im Winter an diesen knabbern. So haben sie eine Abwechslung zum Gras und Heu.

Beitrag zur Biodiversität

Die Hecken sind aber nicht nur für die Pferde gedacht. Es gibt auch Insektenhotels und Rückzugsmöglichkeiten für Igel. Der Kanton hat wegen Förderung der Biodiversität einen Kostenanteil gesprochen.

«Ich und mein Mann haben alles selber aufgebaut und sind ständig daran, das Konzept weiter zu entwickeln», erzählt Stuber. «Die Anlage ist unser Lebenswerk.» Vom Trail ist nicht nur sie überzeugt. Der Schweizer Tierschutz ist von der Anlage begeistert. Und auch die Besitzer der Pensionspferde. «Die Pferde sind ruhig und ausgeglichen.» Sie hätten keine Ticks und langweilten sich nicht. «Ich liebe es, sie einfach zu beobachten.»

Weitere Infos unter: www.paddock-trail-stuber.jimdo.com

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