Wackerer Walfeind wider Willen

Die Gemeinde Wäldi ist in die Fänge von Walschützern geraten: Die ProWal AG aus dem deutschen Radolfzell prüft rechtliche Schritte gegen Stadtammann Adrian König. Obwohl dieser dem Demonstrationsgesuch der ProWal AG längst zugestimmt hat.

Anna Miller
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Da springt der Delphin – im Connyland zu Lipperswil. (Archivbild: Nana do Carmo)

Da springt der Delphin – im Connyland zu Lipperswil. (Archivbild: Nana do Carmo)

Lipperswil. Auch dieses Jahr wollen Tierschützer vor den Toren des Connylands in Lipperswil demonstrieren. Ihr erklärtes Ziel: die Schliessung des Delphinariums, der Hauptattraktion des Connylands. Doch für Demonstrationen auf öffentlichem Grund braucht es die Genehmigung der Gemeinde.

Die ProWal AG aus dem deutschen Radolfzell hat sich deshalb beim Gemeindeammann von Wäldi, Adrian König, gemeldet. Doch dieser wollte von einer derartigen Kundgebung nichts wissen. Und erteilte Andreas Morlok, Geschäftsführer der ProWal AG, eine schriftliche Abfuhr per Mail: «Im Namen des Gemeinderates der Politischen Gemeinde Wäldi teilen wir Ihnen mit, dass solche Demonstrationen in unserer Gemeinde unerwünscht sind.»

Plötzlicher Sinneswandel

Das wollte sich Morlok nicht gefallen lassen. Und erinnerte seinerseits an das Grundrecht auf freie Meinungsäusserung. Knapp zwei Stunden später erhielt er für seine Antragstellung doch grünes Licht. Seinen plötzlichen Sinneswandel begründet Adrian König so: «Auf eine pauschale Anfrage per Mail erfolgte eine pauschale Antwort.» Der schriftliche Antrag sei formell nicht in Ordnung und somit nicht beurteilbar gewesen. Weder Datum, genauer Zeitpunkt noch Ort der Demonstration seien Gegenstand der Anfrage gewesen. «Ich stehe weiterhin hinter meiner Antwort», sagt König. Er räumt aber ein, dass er die Situation im ersten Moment etwas unterschätzt habe. Fakt sei aber: «Es kann kein rechtlicher Tatbestand gegen das Connyland angeführt werden.» Das bestätigt auch der Kantonstierarzt Paul Witzig. Auch ihn hat die ProWal mit den Anschuldigungen der nicht artgerechten Tierhaltung im Connyland konfrontiert. Witzig sah sich die Anlage noch am selben Tag an. Und konnte «keinen Hinweis auf Verstoss gegen die Tierschutzgesetzgebung feststellen».

Das ist Tierschützer Andreas Morlok einerlei. Die ProWal AG strebt die Schliessung aller Delphinanlagen in Europa an. Morlok beharrt weiter darauf, dass die erste Reaktion von König nicht in Ordnung gewesen sei. «Wir haben einen Schweizer Juristen eingeschaltet, der nun prüfen soll, ob eine derartige Abfuhr ohne Begründung rechtlich zulässig ist.» Innerhalb weniger Stunden leitete Morlok das Mail von König an die Medien weiter – unter anderem an die St. Galler Fernsehstation TVO. Dass König in der Zwischenzeit per Mail bereits eine Antragstellung bewilligt hatte, bemerkte Morlok erst auf Anfrage der TZ.

Connyland ist verärgert

«Wir suchen nun intern nach einem Termin», sagt Morlok. Geplant sei eine friedliche Demonstration an einem Sonntag. Er rechnet mit 200 Demonstranten. Der kaufmännische Geschäftsführer des Connylands, Erich Brandenberger, ist verärgert. «Das ist jedes Jahr das gleiche. Militante Tierschützer wollen unser Angebot vernichten. Die Aussagen der ProWal AG sind absolut lächerlich.» Das Connyland ist bereits in ein laufendes Verfahren mit der Schweizer Tierschutzorganisation Ocean Care verwickelt.

Ob die Demonstration der ProWal AG vor dem Connyland stattfindet, entscheidet je nach Ort der Demonstration der Kanton oder der Gemeinderat von Wäldi.