Vor nächster Weichenstellung

KRADOLF. Es begann mit einer Umfrage und mündete in die Gründung eines Vereins, dessen Zweck die Verwirklichung familien- und schulergänzender Angebote ist. Nach überstandener Krise befasst sich der fünfköpfige Vorstand mit der Zukunft.

Georg Stelzner
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Vereinspräsident Rolf Höneisen. (Bild: st)

Vereinspräsident Rolf Höneisen. (Bild: st)

Morgen Mittwoch lädt der Verein Gleiszwo zur fünften ordentlichen Jahresversammlung ein. Dieses kleine Jubiläum hing vor noch gar nicht langer Zeit am sprichwörtlichen seidenen Faden. «Das Interesse am Mittagstisch ging vorübergehend so stark zurück, dass wir schon erwogen, das Angebot einzustellen», erinnert sich Rolf Höneisen. Als Niederlage hätte man diese Massnahme aber nicht empfunden, versichert der Vereinspräsident: «Entscheidend ist immer das Bedürfnis; nur wenn ein solches existiert, realisieren wir ein entsprechendes Angebot.»

Beliebter Englischkurs

Von Beginn an grossen Anklang gefunden hat das zweite Angebot des Vereins, der Kurs «Englisch für Kinder». Damit sollen laut Höneisen in erster Linie Schülerinnen und Schüler angesprochen werden, die im normalen Unterricht keine Probleme bekunden und deshalb Zeit und Lust haben, zusätzlich eine Fremdsprache zu erlernen. Hervorgegangen sind die beiden Angebote aus einer Umfrage, die vor sechs Jahren in der Primarschulgemeinde Schönenberg-Kradolf durchgeführt wurde. «Wir diskutierten in der Schulbehörde über mögliche Projekte und entschieden uns für den Mittagstisch und den Englischkurs», blickt Höneisen, zu jener Zeit noch Schulpräsident, zurück.

Aus verschiedenen Schichten

Gegenüber dem Mittagstisch habe die Öffentlichkeit eine abwartende Haltung eingenommen, erzählt Höneisen. Eine offene Gegnerschaft habe sich zu keinem Zeitpunkt formiert. Den Grund dafür glaubt Höneisen zu kennen: «Wir haben nie behauptet, dass unser Angebot die einzig mögliche und richtige Lösung ist. Das hat zur Entspannung der Lage beigetragen.» Für die Skepsis gegenüber dieser Einrichtung kann der Vereinspräsident gleichwohl Verständnis aufbringen: «Wer dem Mittagstisch kritisch gegenübersteht, geht vom Idealbild aus, wonach alle Familienmitglieder das Mittagessen gemeinsam einnehmen, doch diese Vorstellung entspricht nicht mehr der Realität.» Höneisen ist überzeugt, dass ein geleiteter Mittagstisch, wie ihn «Gleiszwo» anbietet, bei Kind und Familie sehr wohl beruhigende und stärkende Wirkung haben kann. Das Vorurteil, dass sich nur Kinder aus sozial schwachen Familien an solchen Mittagstischen einfinden würden, sieht Höneisen widerlegt: «Wir haben Kinder aus ganz verschiedenen Schichten.»

Aktivere Rolle der Schule?

Gedanken werde man sich über die Zukunft des Englischkurses machen müssen, räumt Höneisen eingedenk der Tatsache ein, dass diese Sprache bald zum obligatorischen Schulunterricht der Mittelstufe (4. bis 6. Klasse) gehören wird. Diese Entwicklung werde nicht zwingend die Streichung des Angebots zur Folge haben, betont Höneisen. Er könnte sich eine Weiterführung im Sinne einer Ergänzung oder Unterstützung durchaus vorstellen. Man werde mit der Schule eine sinnvolle Lösung suchen.

Beschäftigen wird sich der Vereinsvorstand nach den Worten Höneisens auch mit der Frage, ob und wie die familienergänzende Unterstützung noch ausgebaut werden könnte. In Frage kämen etwa die Aufgabenhilfe und vor allem die Randzeiten- und Ganztagesbetreuung. Einen diesbezüglichen Alleingang des Vereins Gleiszwo werde es aber nicht geben. Höneisen rechnet ohnehin damit, dass die Schule bei derartigen Angeboten in den nächsten fünf Jahren vermehrt Leitungsfunktionen übernehmen wird.

Seit zwei Jahren findet der Mittagstisch in der früheren Abwartwohnung des Schulhauses Kradolf statt; seit einem Jahr wird selber gekocht. (Bild: Arne Goebel)

Seit zwei Jahren findet der Mittagstisch in der früheren Abwartwohnung des Schulhauses Kradolf statt; seit einem Jahr wird selber gekocht. (Bild: Arne Goebel)

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