Von Gottlieben in die Welt hinaus

Das länderübergreifende Radio- und Fernsehprojekt «4 in einem Boot» hat gestern in Gottlieben halt gemacht. Redaktorin Karin Kobler ist für Radio SRF Musikwelle unterwegs und berichtet über eine lokale Buchbinderin.

Nicole D'orazio
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SRF-Radioredaktorin Karin Kobler interviewt Kerstin Hennings, die als Buchbinderin im Bodmanhaus in Gottlieben arbeitet. (Bild: Nicole D'Orazio)

SRF-Radioredaktorin Karin Kobler interviewt Kerstin Hennings, die als Buchbinderin im Bodmanhaus in Gottlieben arbeitet. (Bild: Nicole D'Orazio)

GOTTLIEBEN. Das Fernsehen ist im Dorf. Ein Bus mit der Aufschrift «ORF» sowie mehrere Autos, die mit «SWR», «SRF» oder «BR» beschriftet sind, stehen vor dem «Waaghaus» in Gottlieben. Die Journalisten erkennt man sofort. Sie tragen eine hellblaue Jacke mit dem Logo «4 in einem Boot». Fünf öffentlich-rechtliche Sender – Schweizer Radio und Fernsehen, Bayrischer Rundfunk, Südwestrundfunk, Österreichischer Rundfunk und Radio Liechtenstein – sind diese Woche gemeinsam in der Bodenseeregion unterwegs. «4 in einem Boot – vier Länder, fünf Sender» heisst das Projekt. Gestern hat der Tross halt in Gottlieben gemacht.

Karin Kobler, Redaktorin von Radio SRF Musikwelle, steht im Bodmanhaus. Sie ist zu Gast bei Kerstin Hennings, einer Buchbinderin. Sie befragt sie zu ihrer Arbeit und schaut sich mit ihr die Schätze und Werkzeuge an. Begleitet werden sie von einer Fotografin, die alles für die Online-Beiträge festhält. Hennings lebt und arbeitet seit 15 Jahren in Gottlieben. «Zuerst hatte ich einige Bedenken wegen des Umzugs, ich bin hier aber sehr nett aufgenommen worden und fühle mich sehr wohl», erzählt die Deutsche.

Buch muss man aufschlagen

Hennings erklärt, woher der Begriff «ein Buch aufschlagen» kommt: «Früher hatten Bücher Metallverschlüsse. Um diese zu öffnen, musste man zuerst auf den Buchdeckel schlagen, damit diese aufspringen.» Das Interview wird auf Hochdeutsch geführt. Sonst verstehen es die Kollegen nicht, sagt Kobler. «Denn alle Radio- und Fernsehbeiträge und die Fotos landen in einem Pool und jeder Sender kann sich bedienen.» Anfang Woche habe es innerhalb des zehnköpfigen Teams eine Diskussion über Brötchen-Bezeichnungen gegeben, erzählt sie weiter. «Wir haben dann daraus einen Beitrag gemacht. Znüni zum Beispiel heisst in der Bodenseeregion immer wieder anders. Vesper oder Brotzeit zum Beispiel.»

Die Journalisten sitzen alle um einen grossen Tisch. Sie diskutieren über den Einkaufstourismus in Konstanz und das Schweizer Bankgeheimnis. Die Meinungen sind ähnlich, egal ob Schweizer, Österreicher oder Deutscher. Man versteht sich.

Nicht immer am Bodensee

«Wir sind mit der Tour nach Gottlieben gekommen, weil wir unseren Zuhörern und Zuschauern für einmal nicht einen Ort am Bodensee, sondern am Untersee vorstellen wollten. Dieser ist irgendwie weniger bekannt», sagt Bernhard Siegmann, Publizistischer Leiter von SRF Musikwelle. «Und ich weiss, dass wir hier am Seerhein sind», sagt er und lacht. Man habe sich schon letzten Winter für das schmucke Dorf als Sendeort entschieden. «Mit dem Tod von Udo Jürgens hatte das nichts zu tun.» Den Journalisten gefällt es hier. «Es ist so unglaublich ruhig und idyllisch», sagen gleich mehrere. Die Journalisten haben sich verschiedenen Themen gewidmet: der kleinen Dorfschule, der örtlichen hochstehenden Gastronomie, der Schifffahrt, der Biotta in Tägerwilen und natürlich den berühmten Gottlieber Hüppen.

Von zehn auf drei Minuten

Karin Kobler macht die Arbeit Spass. Momentan hat sie ein kleines Problem: «Ich muss das zehnminütige Gespräch auf einen dreiminütigen Radiobeitrag schneiden. Und die Zeit drängt.» Dann eilt sie zum Aufnahmewagen. Denn nun wird sie interviewt. Dem Kollegen von Radio Liechtenstein erzählt sie von ihrem Beitrag, um die Hörer gluschtig zu machen.