Von der Jute zum Biofleisch

AMRISWIL. Mit Drittweltprodukten hat der Laden vor 25 Jahren gestartet. Heute ist der Weltladen an der Bahnhofstrasse Anlaufstelle für Menschen, die regionale und Bioprodukte suchen.

Rita Kohn
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Vereinsvorstandsmitglied Doris Bühler und Ursula Schmid vom Ladenteam prüfen die Auslage der Weinflaschen. (Bild: Rita Kohn)

Vereinsvorstandsmitglied Doris Bühler und Ursula Schmid vom Ladenteam prüfen die Auslage der Weinflaschen. (Bild: Rita Kohn)

Ja, Mut hat Doris Bühler damals gebraucht. Wer 1990 für das neue Max-Havelaar-Label eintrat oder mit Batik-Tüchern und Jute-Taschen auftauchte, erntete schnell mal schiefe Blicke. Mit einem Schmunzeln erinnert sich die Amriswilerin an die Reaktion ihrer Mutter, als sie den ersten Honig aus fairem Handel nach Hause brachte. «Wir waren eine Generation, die nicht mehr alles schlucken wollte. Auch als junge Mutter war es mir wichtig, welchen Honig ich meinen Kindern auftische.»

Politisch wurden die Anhänger der Drittwelt-Läden schnell in eine bestimmte Ecke gestellt. «Man musste aufpassen, mit wem man über das alles offen redet.» Diese Zeiten seien aber schon längst vorbei. Die Bewegung ist schnell gewachsen, die Einstellung hat sich verändert. Heute gehört das Bewusstsein für fair gehandelte oder biologisch hergestellte Lebensmittel längst zum guten Ton. Mit dem Wandel in der Gesellschaft hat sich auch die Struktur des Weltladens verändert.

Ladenteam steht zusammen

Waren es anfänglich ausschliesslich ehrenamtlich tätige Leute, die während wenigen Stunden wöchentlich im Laden standen, ist es heute ein festes Ladenteam von acht Frauen, das während normalen Ladenöffnungszeiten arbeitet. «Das Ladenteam spielt eine entscheidende Rolle, was das Überleben des Weltladens betrifft», sagt Doris Bühler, die die Entwicklung der letzten 25 Jahre seit Gründung des Weltladens miterlebt hat. Wenn es mal eng wurde, war das Team zu einem Verzicht bereit, um das Projekt am Leben zu erhalten.

Die zweite Generation

«Der Laden hat sich nun etabliert», sagt Doris Bühler nach kurzem Nachdenken. Er habe sich eine treue Stammkundschaft aufbauen können. Das bestätigt auch Ursula Schmid vom Ladenteam. Sie stellt aber fest, dass auch hier immer wieder andere Voraussetzungen herrschen. «Manche, die früher für die ganze Familie hier einkauften, brauchen heute nicht mehr so viel, weil die Kinder ausgeflogen sind», sagt sie. Dennoch hat sich der Umsatz auf einem soliden Niveau eingependelt. «Jetzt kommen entweder die einstigen Kinder, die selber wieder Familie haben oder andere junge Familien hinzu.»

Für den Laden ist das eine Überlebensfrage. Dank der Struktur ihrer Kundschaft würden sie dafür den starken Franken kaum merken, sagten Doris Bühler und Ursula Schmid übereinstimmend. «Unsere Kundinnen und Kunden kaufen nach wie vor bei uns ein, sie wandern nicht ins nahe Ausland ab.» Den meisten sei es wichtig, zu wissen, woher die Produkte stammen, die sie im Weltladen einkaufen.

Immer wieder Neues versuchen

Die beiden Frauen sind sich jedoch bewusst, dass es nicht damit getan ist, sich über die Treue der Kundschaft zu freuen. «Wir müssen auch immer wieder bereit sein, Neues zu probieren», sagt Ursula Schmid. Dazu gehört, dass sie immer wieder mal neue Produkte anbieten. «Oft ist dann anfänglich ein richtiger Run drauf.»

Produkte, die nur von ganz wenigen gefragt sind, lässt das Ladenteam auf speziellen Wunsch kommen. «Das gehört zu unserem Service.»

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