Von der Euphorie ist wenig geblieben

ARBON. Die Begeisterung loderte, als die Stadt Arbon mehrere Grünraum-Projekte für die Gartenbauausstellung 2017 am Bodensee eingegeben hatte. Sie rechnete mit Finanzierungsbeiträgen. Nach dem Scheitern der IGA mussten Vorhaben abgespeckt oder auf die lange Bank geschoben werden.

Max Eichenberger
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Der damalige Stadtammann Martin Klöti bei der Einweihung des neu gestalteten Schlosshügels im März 2011. Das Projekt wurde stark abgespeckt. (Bilder: Max Eichenberger)

Der damalige Stadtammann Martin Klöti bei der Einweihung des neu gestalteten Schlosshügels im März 2011. Das Projekt wurde stark abgespeckt. (Bilder: Max Eichenberger)

Es war ein ambitiöses, den ganzen Bodensee umspannendes Projekt, das vor zehn Jahren lanciert worden war: Die Internationale Gartenbauausstellung im Rahmen der deutschen Bundesgartenschau. 2017 hätte sie stattfinden sollen – als eine Art Basler «Grün 80» in der «Euregio Bodensee».

Klöti wollte «grüne Expo»

Neben der befristeten Ausstellung selber sah das Ausstellungsprojekt dauerhafte Grünanlagen vor, die über die Zeit der Ausstellung hinaus Bestand haben sollten. Auf den IGA-Zug aufgesprungen war, neben anderen Bodensee-Städten wie Romanshorn, auch die Stadt Arbon. Der damalige Stadtammann Martin Klöti, begeistert von der Idee einer «grünen Expo», engagierte sich gar als Verhandlungsführer der Schweizer Gemeinden in der IGA-Organisation.

Nachhaltigen Nutzen angestrebt

Martin Klöti erkannte eine grosse Chance und versprach sich einen direkten und nachhaltigen Nutzen von einer weit ausstrahlenden Gartenbauausstellung. Denn in Aussicht stand, dass die auf die Ausstellung hin zu realisierenden Projekte – sogenannte Daueranlagen – durch Beiträge des Kantons bis zu einem Drittel der gesamten Kosten mitfinanziert werden.

Gross angerichtet

Von diesem Pott öffentlicher Gelder wollte Arbon profitieren und unter dem IGA-Titel Freiräume sowie öffentliche Anlagen gestalten und bestehende aufwerten. Verschiedene Einzelvorhaben waren aufgelistet, teils schon konkret projektiert oder konzeptionell erarbeitet, und in die Bewerbung eingegeben worden. Man kam dabei, je nach Varianten, auf Gesamtinvestitionen von bis zu neun Millionen Franken brutto. 800 000 Franken sollten über zehn Jahre jeweils im städtischen Budget bereitgestellt werden. Die Stadt Arbon hatte gross angerichtet: Die Projektliste umfasste die Neugestaltung des engeren Quaibereichs ohne Parkierungsverkehr, den Hafendamm und die Seeuferanlagen, die Aufwertung des Schlosshügels, die Renaturierung des Aachraums vom Weiher bis zur Seemündung und – unter diesem Titel damals schon aufgeführt – das «Parkband» im Saurer WerkZwei. Zudem bestand die Absicht, das «Freiraumkonzept Altstadt» darin auch aufzunehmen.

Doch Ende 2007 zerschlugen sich die IGA-Träume am Bodensee jäh. Die Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG) erklärte das Scheitern der Verhandlungen. Damit war auch die Mitfinanzierung der geplanten Daueranlagen vom Tisch. Es fehlte das Geld, das mit der IGA hätte fliessen sollen. Der Enthusiasmus verflog. Vorhaben wurden auf die lange Bank geschoben oder abgespeckt.

Realisiert: Schlosshügel «light»

Realisiert hat die Stadt aus dem ganzen Paket eine Lightvariante der bereits fortgeschrittenen Projektidee beim Schlosshügel: mit Kosten von 250 000 statt einer knappen Million Franken; zudem zwei Etappen der Aach-Renaturierung vom Weiher bis zur Schöntalstrasse sowie die Neugestaltung des Pavillon-Parks (Jakob-Züllig-Park am Saurer-Quai).

Parkband finanziert Stadt voll

Das Saurer-Parkband wurde aus der noch unter Lydia Buchmüller durchgeführten Testplanung übernommen. Später wurde es dann auch Teil des Erschliessungsvertrags, den die Stadt nun zu erfüllen hat. Die Planauflage läuft. Die Kosten für eine vorläufige erste Etappe von 3,5 Millionen Franken gehen voll zu Lasten der Stadt.

Die «Begegnungszone» in der Arboner Altstadt, wofür der Bund gemäss Aggloprogramm immerhin einen Finanzierungsanteil von maximal 40 Prozent an den geschätzten Gesamtkosten von 6 Millionen Franken leisten dürfte, ist noch eine Pendenz – gut zwei Jahre nach Eröffnung der neuen Kantonsstrasse.

Wettbewerbe und Studien am Seeufer sind gestoppt oder dann nicht weiterverfolgt worden.

An der Peripherie im WerkZwei ist das «Parkband Nord» geplant.

An der Peripherie im WerkZwei ist das «Parkband Nord» geplant.

Fliegerdenkmalplatz: Ideenskizze von Rapperswiler Fachstudenten.

Fliegerdenkmalplatz: Ideenskizze von Rapperswiler Fachstudenten.

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