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Von Baustellen und anderen Luftschlössern

Am Lälleobig schiebt sich Stadtpräsident Balg als Lückenbüsser gleich selbst in die Hauptrolle und motzt als Hugo Volksvertreter
Max Eichenberger
Stadtpräsident Andreas Balg im Dialog mit dem eigenwilligen und besserwissenden Hugo Volksvertreter, den er gleich selber spielt.

Stadtpräsident Andreas Balg im Dialog mit dem eigenwilligen und besserwissenden Hugo Volksvertreter, den er gleich selber spielt.

Arbon Die Lälle haben nicht viel überlegen müssen und sind schnell auf Ihr Fasnachtsmotto gekommen. Die Stadt hat es ihnen sozusagen auf dem Tablett serviert: es sind die vielen Baustellen, die optisch das Stadtbild prägen, aber ebenso im übertragenen Sinne. Neben all den Neubauten, die aus dem Boden schiessen, auch politisch: im Machtzirkel im und um das Stadthaus, das bald einen marmornen Vorplatz bekommen soll. Dann nämlich, wenn die Begegnungszone in der Altstadt denn tatsächlich noch in diesem Jahrhundert Wirklichkeit wird. Realität ist zunächst am Lälleobig im Seeparksaal, dass der Beamer partout nicht funktionieren will. Was Lälle-Hofnarr André Mägert in Stand-up-Manier sofort vermuten lässt, die Stadt habe wohl die letzten fälligen Leasingraten nicht bezahlt.

Balg macht’s: «The One and Only and Original»

Vielleicht ist es auch bloss fiese Obstruktion des Stadtrates, der die Blössen nicht auch noch einmal visionalisiert haben will. Es reicht vollends, dass von der Saaldecke überall Baustellen-Signalisationstafeln herunterbaumeln – die mottogetreue Alternative zu den bunten Konfettibanderolen.

Einen hohen Preis zahlen die Narrenabendbesucher für die schwarze Null, die Stadtrat und Parlament nach regierungsrätlicher Ermahnung und Generosität im Budget hingewürgt haben: es ist kühl im Saal – vermutlich, weil beim Heizen gespart wird. Etwas kühler als sonst ist die Stimmung vielleicht auch deshalb, weil der Lälleobig im Jahre eins nach Jürg Lengweiler und Roli Berner andere Gesichter und programmatische Schwerpunkte hat. Und die verwöhnten Besucher sich mit etwas dosierterem fasnächtlichen Lokalkolorit zu begnügen haben. In die Bresche springt da einer, von dem man es gar nicht erwartet hat: Stadtpräsident Andreas Balg, «the One and Only and Original», wie ihn Tätschmeister Mägert ankündigt, nachdem der Berner eben noch seine gesanglichen Qualitäten mit einem mehr als passablen «Alperose»-Cover unter Beweis gestellt hat. R.I.P Hanery Amman und Polo Hofer!

«Es soll sogar in der SVP Intellektuelle haben»

Balg ist sich nicht zu schade, sich selbst karikieren. Im Dialog mit Hugo Volksvertreter, den er, mit Motz-Mütze, gleich selbst gibt, weiss er aber auch auszuteilen. In allen Parteien finde sich querbeet alles, Leute, die alles vertrete, stellt er fest: «Es soll sogar Intellektuelle in der SVP haben.» Die CVP befinde sich sowieso im Dauerwahlkampfmodus. Variabel sei auch, was vertreten werde: von ein-, zwei- bis grossspurig: «Wenn selbst Amerikaner mitreden, beim Da-Vinci-Boulevard», spielt Balg nicht nur auf die Verkehrsführung in der Altstadt an. Eine Baustelle, wo (noch) gar nichts läuft, wie beim «Metropol»: «Das Luftschloss ist leicht aufzublasen, aber schwer zum Abbrechen.» Wenn dort die gelben Bretterwände nicht stünden, witzelt Hofnarr André Mägert, «würde das ‹Metropol› längst in sich zusammenfallen». Stefan Jäggi als musikalischer Alleinunterhalter und später die Guggen sorgen für Stimmung. Die Comedians von Comedy 16 (Beat Brühlmann, Sepp Manser, Melanie Baumann, Nico Arn) haben es dann schräg-komisch von menschlichen Bedürfnissen und Unzulänglichkeiten in Zeiten der Reizüberflutung im Internet und Burnout – wo Luft ablassen (wo auch immer) Druck befreiend nimmt. Lachen sowieso. Die Guggen trumpfen an der Hüülernacht gross auf, am Kindermaskenball haben die kostümierten Kleinen mächtig ihren Spass.

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

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