Vom Zahnstocher bis zum Rollator

MÄRWIL. Am Samstag führte der Dorfverein Märwil den bereits zur Tradition gewordenen Bring- und Hol-Tag durch. Mehrere Dutzend Gegenstände wechselten im Verlauf des Tages ihre Besitzer – ohne Bezahlung.

Rudolf Steiner
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Mädchen und Buben hatten am Samstag viel Spass mit den Gegenständen des Bring- und Holtags in Märwil. (Bild: Rudolf Steiner)

Mädchen und Buben hatten am Samstag viel Spass mit den Gegenständen des Bring- und Holtags in Märwil. (Bild: Rudolf Steiner)

Wo sonst schwere Baumaterialien von fleissigen Dachdeckern ein- und ausgeladen werden, herrscht am Samstagvormittag ein Kommen und Gehen. Männer, Frauen und ganze Familien tauchen zum Teil schwer beladen mit Taschen und Handwagen auf dem Firmengelände von Hans Thomann in Märwil auf. Mitgebracht haben sie kleine und grosse Gegenstände, die sie nicht mehr brauchen, die aber noch in gutem Zustand sind. Das Prinzip ist einfach: Sachen, die man nicht mehr braucht, werden verschenkt statt der Müllabfuhr mitgegeben.

Die Händler warten am Eingang

«Wir führen den Bring- und Hol-Tag schon seit rund zehn Jahren durch. Alle zwei Jahre im Wechsel mit der Bachputzete», sagt Roland Wiederkehr vom Dorfverein Märwil. Er ist seit zwölf Jahren im Vorstand und am Bring- und Hol-Tag fürs Catering zuständig. An diesem Samstag steht er am Grill. Offizieller Beginn des vier Stunden dauernden Anlasses ist um neun Uhr. Aber bereits vorher warten mehrere Personen vor dem Gelände. «Dieses Phänomen haben wir praktisch jedes Mal, das sind auswärtige professionelle Händler und Gebrauchtwaren-Händler auf der Jagd nach Schnäppchen», sagt Christoph Bartholdi, der lange Jahre Präsident des Dorfvereins war. Er selber hat eine schwere, sperrige Glas-Vitrine herangekarrt, die sich gut für einen Verkaufsladen eignen würde. Damit die besten Stücke aber nicht bereits vor dem Beginn verschwinden, werden die «Professionellen» erst um neun Uhr aufs Gelände gelassen.

Aber auch nach dem Abzug der gut organisierten Gebrauchtwaren-Händler bleiben noch viele Gegenstände auf den Tischen liegen. Allerlei Bücher, Spielsachen, Geschirr oder Koffer. Jemand hat sogar einen Wandspielautomaten mitgebracht. Er funktioniert noch, allerdings kann man ihn nur mit deutschen Pfennigen benützen. Die sind aber nicht mehr im Umlauf. Und auch ein Rollator steht zum Abholen bereit. Wie der Bringer dieser Trouvaille wieder nach Hause gekommen ist, ist allerdings nicht bekannt.

Brocki kümmert sich um Rest

Am Ende des Anlasses haben dann nicht nur der Rollator und die Vitrine keinen neuen Besitzer gefunden, sondern auch noch einige andere Gegenstände. Da es in Märwil seit einem Jahr ein Brockenhaus gibt, holt deren Besitzer die übriggebliebenen Gegenstände ab. «Was ich noch gebrauchen kann, kommt in den Verkauf, den Rest muss auch ich entsorgen», sagt Martin Aeberli von der Brocki Märwil.