Vom Wanderzirkus zur Institution

Wie meist, wenn Neues entsteht, ist der Zufall im Spiel. Das war bei der Gründung der Musikschule Arbon vor 25 Jahren nicht anders. Damals drohte dem Stadtorchester Arbon wegen fehlenden Nachwuchses das Aus.

Max Eichenberger
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Eine Bildergalerie zeichnet in Kalenderform die Entwicklungsstationen der Musikschule Arbon nach – und regt dann und wann zum Schmunzeln an. (Bilder: Max Eichenberger)

Eine Bildergalerie zeichnet in Kalenderform die Entwicklungsstationen der Musikschule Arbon nach – und regt dann und wann zum Schmunzeln an. (Bilder: Max Eichenberger)

arbon. «Eine Stadt ohne Musik wäre nur eine halbe Stadt», würdigt Stadtammann Martin Klöti die Akteure der ersten Stunde und die, welche die Musikschule zu einer grossen und wichtigen Institution entwickelt haben.

Stelldichein der Geburtshelfer

850 Schülerinnen und Schüler der Region geniessen im Musikzentrum Musikunterricht, den 55 Lehrpersonen erteilen, erinnert Schulleiter Leo Gschwend, der 24 Jahre dieses Vierteljahrhunderts geprägt hat.

Gekommen zum feierlichen Auftakt des Jubiläumsjahres sind all die, die an der Wiege des Vereins Musikschule standen, und andere, die dazu beitrugen, dass die Musikschule heute «toll in Form ist», verweist Gschwend auf die Schülerzahl und die Erfolge von Musikschülern an Wettbewerben. Auch bei der Begabtenförderung stelle Arbon eine beachtlich hohe Quote.

Am Anfang stand der dramatische Schwund des Arboner Stadtorchesters auf gerade noch acht Akteure. Der Arzt Roman Buff hatte damals eben das Präsidium übernommen. Er kam zur Einsicht: Wir haben ein Problem mit dem Musikernachwuchs. Eine Musikschule soll dieses lösen helfen, befand er zusammen mit Heidi Schmid. Thomas Maurer, der an der Sekundarschule den Musiklehrerjob übernommen und auch den Dirigentenstab des Stadtorchesters ergriffen hatte, war der designierte erste Leiter.

Ohne Finanzen läuft nichts

Zunächst musste der finanzielle Unterbau gelegt werden. Ein schwieriges Unterfangen, «bis wir den Durchbruch erreicht haben», schildert Gründungspräsident Roman Buff die Bittgänge zu Stadt und Schulen. Für eine durch Buff, Christoph Tobler und Burkhard Kreyenbühl ins Leben gerufene Stiftung, die es auch weniger gut betuchten Eltern erlaubte, Kinder in die Musikschule zu schicken, wurde über den Lotteriefonds Kapital akquiriert.

Mit den musikalischen Grundkursen wurde der Start vollzogen, hinzu kam dann der Instrumentalunterricht.

Gestalter mit Herzblut

1986 verpflichtete der Vorstand Leo Gschwend, damals Profigeiger in St. Gallen, als vollamtlichen Musikschulleiter. Gleichzeitig übernahm er den Dirigentenjob beim Stadtorchester, heute das Sinfonische Orchester Arbon.

Gschwend hat die Musikschule, der er bis heute treu geblieben ist und für sie immer noch täglich Herzblut vergiesst, inhaltlich wie organisatorisch weiterentwickelt und auch den Lehrkörper ausgebaut. Wenn in Arbon die schulischen Grundkurse hinzukommen, «dürften wir bald die Tausender-Marke bei den Schülern erreichen». Ein Plebiszit mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 72 Prozent hatte die Überlebensgrundlage und die Gewissheit geschaffen, dass die Musikschule in Arbon verankert ist.

Bruno Glanzmann, damaliger Präsident, schildert das Ringen um finanzielle Abstützung in schulpolitisch schwierigen Zeiten.

Ein Zentrum der Musik

Nach anfänglichen «Wanderjahren» ist, als weiterer Meilenstein, die zu einem Musikzentrum umgebaute ehemalige Kugellagerfabrik an der Brühlstrasse zur neuen Heimat der Musikschule geworden. Gestartet wurde im Erdgeschoss, wie Roland Morgenegg zurückblickt. Inzwischen haben verschiedene Akteure von Musik und Tanz das ganze Gebäude in Beschlag genommen.

«Im Musikzentrum haben die bis dahin verzettelten Vereine ein Gesicht bekommen. Das musikalische Miteinander ist heute selbstverständlich.»

Für Carmen Lüthy, heute Präsidentin des Vereins, sind die 25 Jahre Musikschule «eine einzige Erfolgsgeschichte» – sie widme sich schliesslich auch der universalen Sprache der Menschheit: der Musik.

Lehrer-Orchester spielt Gulda.

Lehrer-Orchester spielt Gulda.

Leo Gschwend, Martin Klöti.

Leo Gschwend, Martin Klöti.

Heutige Präsidentin: Carmen Lüthy.

Heutige Präsidentin: Carmen Lüthy.

Gesangslehrerin Sandra Wild.

Gesangslehrerin Sandra Wild.

Gründungspräsident Roman Buff.

Gründungspräsident Roman Buff.