Vom «Tschingg» zum Schweizer – Italiener feierten ihre Wurzeln

Das traditionelle, italienische Herbstfest im Pfarreizentrum Arbon war ein grosser Erfolg. Die Organisatoren des Centro Italiano wurden förmlich überrannt. Das Fest hat gleich mehrere Funktionen.

Thomas Riesen
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Viva Italia: Die Schweizer-Italiener feierten ihre Wurzeln mit Musik und Spezialitäten aus ihrer alten Heimat. (Bild: Thomas Riesen)

Viva Italia: Die Schweizer-Italiener feierten ihre Wurzeln mit Musik und Spezialitäten aus ihrer alten Heimat. (Bild: Thomas Riesen)

Rund 250 Sitzplätze sind es und sie sind schnell besetzt. Damit hat niemand gerechnet. So müssen eiligst mehr Tische und Stühle bereitgestellt werden und kurzfristig muss irgendwie Brot beschafft werden. Im Saal tummeln sich Gäste verschiedener Generationen, von den Grosseltern bis zu Kleinkindern ist alles dabei, Familie wird bei Italienern gross geschrieben. Auf der Bühne sorgt die Gruppe Music Line – unter der italienischen, umbrischen und Schweizer Fahne – für Unterhaltung. Später wird auch noch die Gruppe Tarantelli traditionelle Tänze aus Italien zeigen.

Häufig aus Umbrien

An der Wand hängt ein grosses Plakat: «Viva Italia – Ein Fest für Geniesser». Passend dazu gibt es aus der Gastregion Umbrien Spezialitäten wie Spanferkel, Salami, Bruscetta, Copa, Gnocchi. Auch der Dessertteller kann sich sehen lassen. Es ist eine Region, aus der viele Italiener in Arbon stammen. Ebenso aus Apulien. Dagegen leben in Romanshorn vor allem Italiener aus Apulien, während sie in Kreuzlingen meist aus Sizilien angereist sind. Zur Bedeutung des Festes sagt Franco Mazzini, Präsident der Colonnia Libera Italiana Arbon: «Wir wollen den Zusammenhalt fördern, aber auch die Schweizer oder andere Nationen sind eingeladen.»

Die Colonnia Libera – sie ist eine Art Zweigstelle zwischen Italienern und Konsulat – bildet mit der Associazione Umbri/Arulef und Avis den Vorstand des Centro. Darüber hinaus geht es aber neben Unterhaltung und Zusammenhalt um die Wahrung der eigenen Kultur, vor dem Hintergrund, dass die zwei ersten Generationen meist wieder in Italien sind und die dritte Generation in der Schweiz auf die Welt gekommen ist und Italien nur aus den Ferien kennt.

«Im Denken sind wir Schweizer», so Mazzini. Das Element Italien verliert damit an Bedeutung, soll aber trotzdem zu einem gewissen Teil gewahrt werden, auch wenn die dritte Generation in Italien als Schweizer wahrgenommen wird. Es gibt noch andere Unterschiede zu den Vorgängergenerationen: Die Schweizer-Italiener sind gut ausgebildet, offener gegenüber anderen Kulturen und denken anders – wie Schweizer. «Wir haben es verstanden welche Regeln gelten, haben sie akzeptiert.

Hupen verboten…

Müssten wir in Italien etwas Grosses organisieren, wären wir überfordert, weil hier alles viel besser geregelt ist», betont Mazzini und fügt hinzu: «Was wir früher als <Tschinggen> erlebt haben, erleben heute andere Kulturen in der Schweiz.» Gleichzeitig falle es auch heute oft noch nicht leicht, das eigene Temperament zu zügeln, wenn die Nationalmannschaft von Italien ein Spiel gewinnt und hupen verboten ist.

«Schweizer für Italien offen»

Unabhängig davon lobt der Präsident: «In der Schweiz kann man sich entfalten, wenn man bereit ist, sich ein wenig anzupassen. Der Unterschied ist nicht so gross, zumal die Schweizer für fast alles aus Italien offen sind.» Ihre Wurzeln wollen die Italiener trotzdem weiter pflegen und das nächste Herbstfest soll eine grosse Sache werden, bei der dann alle Platz haben. Eben im Namen der Tradition und des Zusammenhaltes.

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