Vom Lehrling zum Chef

Die Zukunft des Metallbaubetriebs Hans Schori AG in Romanshorn war bis vor kurzem noch unklar. Doch der 23jährige Enkel von Hans Schori übernimmt künftig die Leitung des Betriebs und rettet diesen so vor der Schliessung.

Michèle Vaterlaus
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Der Familienbetrieb geht weiter: Michael Huser übernimmt den Metallbau von seinem Grossvater Hans Schori. (Bild: Michèle Vaterlaus)

Der Familienbetrieb geht weiter: Michael Huser übernimmt den Metallbau von seinem Grossvater Hans Schori. (Bild: Michèle Vaterlaus)

romanshorn. «Mein Grossvater war schon immer ein Vorbild für mich», sagt Michael Huser. Er ist 23 Jahre alt und wird am kommenden Samstag die Geschäfte von seinem Grossvater Hans Schori übernehmen. Sein Grossvater ist sichtlich stolz auf den jungen Mann. «Es ist schön, dass der Betrieb in der Familie bleibt», sagt der 69-Jährige.

Unklare Zukunft

Bis vor fünf Monaten nämlich war die Zukunft des Metallbaubetriebs Hans Schori AG in Romanshorn nicht sicher. «Wir waren kurz davor, den Betrieb aufzugeben, weil ich keinen Nachfolger hatte», sagt Hans Schori.

Seine drei Mitarbeiter wären in diesem Fall bald arbeitslos. Michael Huser hat sich in letzter Sekunde bereit erklärt, in seinen jungen Jahren die Verantwortung für den Familienbetrieb zu übernehmen. «Ich habe Respekt vor dieser Aufgabe, doch mein Grossvater wird mich im Hintergrund nach wie vor unterstützen», sagt er.

Von Kindesbeinen an

Michael Huser hat schon als Kind einiges von den Geschäften seines Grossvaters mitbekommen. Er ist direkt neben dem Betrieb aufgewachsen. «Doch beruflich habe ich mich zuerst für anderes interessiert.» Er habe zum Beispiel als Stromer, Koch und als Hausabwart geschnuppert. Am Schluss sei er aber doch beim Beruf Metallbauer gelandet. Die Ausbildung hat er im Familienbetrieb gemacht. Für ihn ist die aktuelle Situation auch deshalb etwas Besonderes.

«Für die Mitarbeiter war ich bis vor kurzem noch der Lehrling und bald bin ich ihr Vorgesetzter», sagt Michael Huser. Doch die Unterstützung der Mitarbeiter sei vorhanden. «Das ist sehr wichtig für mich.»

Alles begann vor 35 Jahren

Hans Schori hat vor 35 Jahren sein Geschäft eröffnet und ganz klein angefangen. «1975 war eine Finanzkrise, in meinem bisherigen Job lief nicht mehr viel. Darum habe ich gekündigt und mich selbständig gemacht», erzählt der 69-Jährige.

Den Standort Romanshorn habe er aus dem einfachen Grund gewählt, weil er dort gewohnt habe. «Ich bin in diesem Dorf aufgewachsen.»

Zu Beginn seiner Selbständigkeit sei seine Firma ein Einmannbetrieb gewesen und er habe fast Tag und Nacht geschuftet. «Ich habe in einer Doppelgarage gearbeitet, das war meine Werkstatt», sagt er. Ein Jahr später hatte er seine Werkstatt, die er heute noch an der Signalstrasse in Romanshorn betreibt, errungen. Mit den Jahren sei das Geschäft immer besser gelaufen.

Der Schritt in die Selbständigkeit habe sich gelohnt. «Zu meinen besten Zeiten hatte ich 13 Angestellte», erinnert sich Schori. In diesen 35 Jahren hat er auch einige Lehrlinge ausgebildet. «Teils haben sie sich zum Ingenieur weitergebildet und teils arbeiten sie noch heute bei mir», sagt er stolz.

Kreatives Arbeiten

Die Hans Schori AG macht Metallarbeiten von der Planung bis zur Montage. Dazu gehören Glasfassaden, Türen, Fenster oder Wintergärten. «Unsere Kunden sind private Leute sowie Architekten.

Aber auch die SBB sind ein guter Kunde von uns», sagt er. Gerade bei privaten Kunden dürfe er oft beratend wirken. «Wenn jemand zum Beispiel einen neuen Wintergarten will und ich diesen konstruieren darf, macht mir das besonders Spass. Das ist der kreativste Teil meiner Arbeit», erzählt er. Hans Schori ist stolz und froh, dass sein Enkel den Betrieb übernimmt. Traurig, dass seine Ära zu Ende gehe, sei er überhaupt nicht. «Ich bin jahrelang morgens kurz vor sieben aufgestanden», lacht er.

Das müsse er jetzt endlich nicht mehr.

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