Vom Büro in den Proberaum

Die Gemeindepräsidenten René Walther und Martin Stuber haben eine ­gemeinsame Passion: Die Musik. Sie haben beide eine Band – und schon einiges dank dieser erlebt.

Viola Stäheli
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«Was wollen Sie? Fragen zu meiner Band stellen?», René Walther klingt überrascht. Der Gemeindepräsident von Münsterlingen schmunzelt. Das ist er noch nicht oft von Journalisten gefragt worden. Dabei war die Musik schon immer seine Passion. Als Jugendlicher war er in einer Schülerband, mit 20 nahm er Gesangsunterricht und sang an Hoch­zeiten und Beerdigungen. Auch in einem Musical spielte er als junger Erwachsener mit. Doch seine Musikkarriere stellte Walther zu Gunsten seines beruflichen Werdegangs und seiner zweiten Passion, dem Leichtathletiksport, zurück. Doch seit zwei Jahren hat sich das geändert. Und seit dem letzten Wochenende zeigt er seine Freude an der Musik auch wieder öffentlich – er hat mit seiner Band Eisfisch63 erfolgreich den ersten Auftritt überstanden.

Begegnung in der Bar legte den Grundstein

«Die Band gibt es jetzt seit zwei Jahren», sagt Walther. Zustande gekommen ist diese nur durch die Kontakte, die dank des Gemeindepräsidiums entstanden sind. Bei einem Besuch in einer Bar hatte Walther den Bluessänger und ehemaligen Leiter des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit, Edi Sidamgrotzki, getroffen. Das Gespräch drehte sich bald um die Musik – woraufhin die ­beiden kurzerhand beschlossen, gemeinsam Musik zu machen. Ihnen fehlte aber noch etwas Wesent­liches: ein Schlagzeugspieler. Walther fragte seinen Bekannten Manuel Manser, der sich sofort bereit erklärte.

«Unser erstes Treffen war in einem muffigen Kartoffelkeller, der unsäglich gehallt hat», sagt Walther und lacht. Spass hatten die drei trotzdem: Schnell war klar, dass sie miteinander musizieren wollen. Ein Jahr lang probten sie, dann kam das nächste Bandmitglied hinzu: Bernhard Weber, Prorektor der PMS Kreuzlingen, übernahm den Bass.

Am ersten Auftritt der Band am Samstag stammten von den zehn Liedern acht aus der Feder Walthers. Woher hat der Gemeinde­präsident Münsterlingens gelernt, Songs zu schreiben? «Ich hatte einen guten Musiklehrer in der Sekundarschule, der mir das gezeigt hat», sagt Walther. In seinen Songtexten verarbeitet er durchaus ernste Themen – Erlebnisse, die ihn selbst beschäftigen beispielsweise. Walther schreibt aber nicht erst seit der Gründung der Band Songs – auch schon als Jugendlicher hat er damit be­gonnen. Der Musikrichtung ist er aber treu geblieben: Seine Songs lassen sich alle deutschem Poprock zuordnen.

In der Band ist Walther der Allrounder: Er singt nicht nur, sondern spielt auch Gitarre und Piano. Und ganz nebenbei koordiniert er noch die Proben und Auftritte der Band. «An erster Stelle stehen bei mir aber trotz ­allem die beruflichen Verpflichtungen», sagt der Gemeindepräsident. Deshalb gibt es auch Monate, in denen es für keine Bandprobe reicht.

Wenn man Martin Stuber, Gemeindepräsident von Ermatingen, am Telefon nach der T-River Band fragt, hört man die Leidenschaft. «Endlich schreiben Sie mal über etwas Positives», scherzt Stuber. Und dann legt er los: Die Band gebe es seit 2005, geprobt wird immer im extra eingerichteten Proberaum bei ihm zu Hause, bisher seien es etwa 32 Auftritte gewesen, die er schon mit der ­T-River Band bestreiten durfte. Und der nächste stehe diesen Samstag in der Mehrzweckhalle Ermatingen an.

Thurgauische Lebensqualität auf Englisch

Auch für Stuber war die Musik immer sein grosses Hobby. Vor allem der Blues hat es ihm angetan. Er schreibt für seine Band alle Songs selber – zwar sind die immer auf Englisch, aber ansonsten richtig thurgauisch. «Mein neuster Song beschreibt pure ­Lebensqualität – nämlich einen ­Feierabend, den man mit einer Cervelat und einem Stück Brot auf der Terrasse mit Blick auf den Bodensee geniesst», sagt Stuber verschmitzt.

Stubers Band besteht nebst ihm aus Schlagzeuger Christoph Ernst, Bassist Marcel van der Schouw und Gitarrist Christian Müller. Daneben wird die Band immer wieder mit Gastmusikern beehrt. Auch Stuber hat seine Bandmitglieder über unterschiedliche Wege gefunden: Durch Bekanntschaften und einem Inserat in einem Musikgeschäft. Er selber übernimmt den Gesang und spielt Gitarre.

Stuber hat schon einige lus­tige Situationen an seinen Auftritten erlebt. «Manche können es kaum fassen, dass da tatsächlich der Ermatinger Gemeindepräsident auf der Bühne steht», sagt er. Sogar einige politischen Konkurrenten standen schon im Publikum – und hatten danach nur lobende Worte für Stuber.

Viola Stäheli

viola.staeheli@thurgauerzeitung.ch