Vom Automech zum Küchenchef

WEINFELDEN. Italienische Spezialitäten – Pilzgerichte, frische Pasta und Fleisch – servieren Roberto und Silvana Lombardo ihren Gästen im Restaurant Gambrinus. Seit 21 Jahren leitet das Ehepaar die Geschicke im Restaurant am Marktplatz. Viel Prominenz verköstigte sich schon in der niedrigen Gaststube.

Mario Testa
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Roberto Lombardo bereitet grüne Spinat-Pasta für die Mittagsmenus vor, während seine Frau Silvana im Hintergrund die Tische im «Gambrinus» eindeckt. (Bild: Mario Testa)

Roberto Lombardo bereitet grüne Spinat-Pasta für die Mittagsmenus vor, während seine Frau Silvana im Hintergrund die Tische im «Gambrinus» eindeckt. (Bild: Mario Testa)

WEINFELDEN. Gambrinus wacht über das nach ihm benannte Restaurant in Weinfelden. Von der Wand hinter dem Tresen überblickt er die Gaststube – und als «König des Bieres» natürlich besonders den Zapfhahn direkt vor seinen Augen. Das Gemälde hängt schon seit über hundert Jahren im Restaurant. Am Bild nagt der Zahn der Zeit, was seiner Wirkung aber keinen Abbruch tut, es passt gut ins Ambiente des niedrigen Raums mit den vielen Balken, den Wänden und Böden aus unterschiedlichem Holz. «Auch wenn man es nicht sofort sieht, hier drin haben wir schon fast alles einmal ersetzt in den letzten Jahrzehnten, aber natürlich alles wieder in den Originalzustand versetzt. Bis vor 25 Jahren gab es auch nur einen Ofen als Heizung», sagt Roberto Lombardo. «Zum Arbeiten sind die niedrigen Räume nicht immer optimal, gelegentlich stösst sich auch mal ein Gast den Kopf oder stolpert. Es hat Ecken und Tritte überall.» Gerade diese Eigenheiten machen für die Gäste aber auch den Charme des Restaurants aus. «Wir hören oft Komplimente fürs gute Ambiente im Restaurant.»

Gelernt beim Schwiegervater

Seit 21 Jahren wirtet Roberto Lombardo mit seiner Frau Silvana nun schon im «Gambrinus». «Angefangen hat es bei mir damit, dass ich vier Jahre lang nur Pasta gemacht habe. Danach habe ich unter der Anleitung meines Schwiegervaters auch das Kochen erlernt», sagt der 47-Jährige. Der Italiener, der in der Schweiz geboren und aufgewachsen ist, hat Automechaniker gelernt. «Ich bin erst später durch meine Frau und ihre Familie, die Familie Wegmann, in die Gastronomie gekommen.»

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Lombardo seine Fertigkeiten stets verbessert. Mittlerweile ist der Quereinsteiger mit 15 Gault-Millau-Punkten dotiert und im Guide Michelin aufgeführt. «Diese Auszeichnungen machen mich natürlich schon stolz», sagt Lombardo. «Aber am meisten freuen mich die Komplimente unserer Gäste.» Von jung bis alt, reich oder auch nicht ganz so – sie alle zählen Lombardos zu ihren Gästen.

Fünf Personen sorgen für den Betrieb im «Gambrinus». Drei in der Küche, zwei im Service. Das Restaurant bietet 45 Gästen Platz. Die Menukarte reicht von Pasta – die vor den Augen der Gäste frisch zubereitet wird – für 23 Franken bis zum Rindsfilet Rossini mit Gänseleber und Trüffeln für 75 Franken. Auch Prominenz hat sich schon im Gambrinus verköstigt. Wer? Das verraten Fotos an einer Wand in der Gaststube. Roberto Blanco war schon zu Gast, Rennfahrer Keke Rosberg oder der spanische Fussballstar David Silva.

Kinder gehen andere Wege

Silvana und Roberto Lombardo führen das Restaurant in der dritten Generation. Ob es später einmal weitergeht mit dem Familienbetrieb, ist ungewiss. «Unsere beiden Buben haben technische Berufe gelernt. Ich glaube nicht, dass sie das Restaurant mal übernehmen», sagt Silvana Lombardo und geht los, um die Tische einzudecken. «Wir haben viel zu tun. Es hat ja sonst fast alles zu.» Ihr Mann ergänzt: «Uns läuft es sehr gut im <Gambrinus>. Nicht nur in der Ferienzeit.»

Bild: MARIO TESTA

Bild: MARIO TESTA