Voll Sonne, voll Mond und Laserstrahlen

ARBON. Es ist das hitzigste Summerdays Festival, das Arbon je erlebt hat – und seinem Namen erstmals richtig gerecht wird.

Max Eichenberger
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Tête à Tête vor idyllischer Festival-Kulisse: SummerDays wie im Bilderbuch. (Bild: Max Eichenberger)

Tête à Tête vor idyllischer Festival-Kulisse: SummerDays wie im Bilderbuch. (Bild: Max Eichenberger)

Arbon. Es ist das hitzigste Summerdays Festival, das Arbon je erlebt hat – und seinem Namen erstmals richtig gerecht wird.

Unter sengender Sonne bei über 30 Grad noch zu vorgerückter Stunde an beiden Tagen ist Sonnenschutz aller Art gefragt. So kommt der Presenting Partner mit seinen orangen Hüten zu einem optimalen Werbeauftritt; Schirme, gleich welcher Farbe, wären selbst bei Regenwetter verpönt gewesen.

Abkühlung im See

Man sucht den Schatten der Bäume, notfalls der Zelte – oder Abkühlung im See. Ein Kopfsprung direkt vom Quaiweg bei den Girlanden empfiehlt sich diesmal allerdings nicht: dafür ist der Wasserstand zu tief. Und das sieht man glücklicherweise beim fast glasklaren Wasser noch rechtzeitig vor einem etwaigen Versuch.

Sie haben einen leicht schaukelnden Premium-Logenplatz: die zweihundert Bötler mit der mindestens dreifachen Gästezahl an Bord, die vor dem Festivalgelände den Anker geworfen und ihre autarke Cüpli-Versorgung sichergestellt haben – periodische Erfrischung im See inklusive. Im Takt zu Milky Chance wippen die Kanuten.

Finnische Saunahitze

Es ist noch taghell, als der Vollmond fast unbemerkt über Bregenz aufsteigt. In der Dämmerung gewinnt er zunehmend an Kontur und Strahlkraft. Sein Licht glitzert auf der leicht welligen Wasseroberfläche. Ein ruhiger, poetischer Kontrast zum fulminanten Lasershow-Spektakel, das vor allem Sunrise Avenue inszenieren. Der Auftritt nach Sonnenuntergang passe super, meint einer in der hinteren Reihe, muss sich dann aber postwendend fremdsprachlich aufklären lassen: Die finnische Band trage den Sonnenaufgang im Namen.

An der Quaimauer lassen sich entspannt die Beine baumeln. Alle schwärmen sie von der Kulisse. Inspirieren lassen sich davon auch die Protagonisten auf der Bühne. Von dort herab haben sie Aussicht pur, nicht nur auf ausgestreckte Hände und entzückte Gesichter. In Finnland sei es auch heiss, scherzt Suma Haber, um anzufügen wo: in der Sauna.

«Da lasch ou no bitz Gäud ligge»

Ballone und Seifenblasen tanzen um die Wette. Die Summerdays sind ein gemütliches Festival. Mit behäbigem Ritual. Eine gute Stunde bis 80 Minuten geht jeweils die Post ab, dann gibt's Pause, wo man ausschwärmt zu den Verpflegungsständen und an die Bars, nach-tankt, zum künstlichen Tropenstrand, Essensnachschub holt, austritt oder einfach bloss durchs Gelände schlendert, guckt, sucht, turtelt oder einen Schwatz hält. Und jede Menge Selfies sendet. «Gäu, da lasch scho ou no bitz Gäud ligge», stellt ein Berner Giel fest, der sich anschickt, seine Card aufladen zu gehen.

Die Generationen-Hierarchie

Die Rotation der Massen schwillt in umgekehrte Richtung wieder an, wenn Synti-Hymnen einen neuen Auftritt ankündigen. Vorne reihen sich die grössten Fans, die ausdauerndsten, standhaftesten und mitunter auch jüngeren Festivalbesucher ein. Die gesetzteren bilden den Puffer dahinter oder an den Flanken. Zuhinterst hocken die Oldies auf ihren Klappstühlen mit Bierbecherhalterung in Reih und Glied – und schauen sich die Szenerie entspannter noch als vor zwanzig Jahren bei selbigen noch weniger perfekt durchorganisierten Open Airs an. Aber auch bei ihnen zuckt's hin und wieder in den Gliedern, wenn es zünftig rockt bei jaulenden Gitarrenriffs oder sie einen ehemaligen Deep-Purple-Hit, etwas angestaubt, zu hören wähnen. Der Nachbar zur Linken hat indes auch am Samstag seine Krise und nickt trotz wummernder Bässe ein. Dabei ist noch nicht aller Summerdays Abend – und der Auftritt von Jan Delay steht noch bevor.

Der Mond hat seine halbe Nachtreise gemacht, als die Campeure unter den Festivalbesuchern Richtung Buchhorn trotten und sich dort in die Schlafsäcke in ihren textilen Behausungen lullen. Die Nacht ist kurz. Am Morgen früh schon scheppert Gestänge. Abbruch, Aufbruch – und in einem Jahr dann wieder: Rückkehr.

Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
69 Bilder
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
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Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sunrise Avenue in Aktion. (Bild: Donato Caspari)
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Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Milky Chance auf der Bühne am See. (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
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Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
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Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
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Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Müslüm trotzt der Hitze im gelben Anzug. (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
Sommerdays (Bild: Donato Caspari)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
Rockten wie in alten Zeiten: Deep Purple. (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
Alan Parson Live Project bei ihrem Auftritt. (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
Der Mann mit der Querflöte: Ian Anderson von Jethro Tull. (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
Der schottische Musiker Fish, Ex-Sänger von Marillion. (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)
SummerDays Festival 2015 Arbon (Bild: Urs Bucher)

Sommerdays (Bild: Donato Caspari)

Autos drängen in die Stadt

Nicht gar alle haben ihre Freude am Festival – oder seinen Begleiterscheinungen. Da sehen sich viele Bewohner in den Quartieren damit konfrontiert, dass Besucher, die mit dem Auto in die Stadt drängen, ihre Parkplätze vor dem Haus wegschnappen. Und alles belegen, wo ein PW abgestellt werden kann. Sie selber müssten im Morgental oder sonstwo an der Gemeindeperipherie eine Parkgelegenheit für die Nacht suchen. Wer davon absieht und vor oder hinter den markierten besetzten Parkzonen das Auto hinrollt, bekommt die Quittung: nämlich einen Bussenzettel unter den Scheibenwischer geklemmt.

Gleich deren vier kassiert die Familie Schwarzer: die Frau, zwei Söhne des Kirchenpräsidenten und Robert Schwarzer selber, der seinerseits vor der Berglikirche die ganze Parkfläche für Festivalbesucher freigegeben hat. «Das ist die Stadt der weiten Horizonte», kommentiert er den polizeilichen Fleiss. «Warum denn nicht mindestes einmal im Jahr Grosszügigkeit walten lassen, wenn das Parkierkonzept nicht greift!», ärgert er sich.

Das Hitze-Wetter macht am Samstagnachmittag durstig. (Bilder: Donato Caspari)

Das Hitze-Wetter macht am Samstagnachmittag durstig. (Bilder: Donato Caspari)

Milky Chance haut in die Saiten. (Bild: Donato Caspari)

Milky Chance haut in die Saiten. (Bild: Donato Caspari)

Sunrise Avenue entzücken zum zweiten Mal das Arboner Publikum. (Bild: Donato Caspari)

Sunrise Avenue entzücken zum zweiten Mal das Arboner Publikum. (Bild: Donato Caspari)

Warten im Duett auf den nächsten Act. Und der Vollmond grüsst über den See. (Bild: Donato Caspari)

Warten im Duett auf den nächsten Act. Und der Vollmond grüsst über den See. (Bild: Donato Caspari)