«Völlig falscher Ansatz beim Bodan»

Der FDP-Politiker David H. Bon will neuer Gemeindeammann von Romanshorn werden. Amtsinhaber Norbert Senn habe keine Vision für die Stadt am See entwickelt, kritisiert der 43-Jährige. Der Investorenwettbewerb fürs Bodan-Areal stehe deshalb völlig im luftleeren Raum.

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«Es ist grundfalsch, jetzt auf Biegen und Brechen etwas zu erzwingen»: David H. Bon. (Bild: Nana do Carmo)

«Es ist grundfalsch, jetzt auf Biegen und Brechen etwas zu erzwingen»: David H. Bon. (Bild: Nana do Carmo)

Herr Bon, sind Sie entscheidungsfreudig?

David H. Bon: Ja, das bin ich. Ich nehme mir bei wichtigen Fragen aber gerne genug Zeit zum Abwägen. Denn wenn ich einen Entscheid gefällt habe, stehe ich voll dahinter und ziehe ihn durch.

Deshalb haben Sie erst in letzter Minute Ihre Kandidatur bekanntgegeben?

Bon: Das ist korrekt. Der Entscheid kann einen massgebenden Einfluss auf mein Leben haben.

Als Gemeindeammann hätten Sie viele wichtige Entscheide zu treffen, die einen massgebenden Einfluss auf Romanshorn haben würden. Wären Sie ein zögerlicher Gemeindeammann?

Bon: Nein, als Krisenmanager bin ich es gewohnt, auch unter Stresssituationen Entscheide von grosser Tragweite zu treffen. Und ich musste nur in ganz seltenen Fällen darauf zurückkommen. Habe ich aber Zeit für einen Entscheid, nehme ich sie mir.

Was reizt Sie an dem Amt, das alles andere als einfach ist. Am Neujahrsapéro sagte ein alteingesessener Romanshorner, das Dorf stehe vor unlösbaren Problemen?

Bon: Es ist die Herausforderung, die mich anspornt. Das ist der Grund, warum ich ein guter Krisenmanager bin. Ich habe jeweils ein inneres Vertrauen, dass ich es schaffen kann.

Sie sind bereits vor vier Jahren gegen Norbert Senn angetreten. Was ist heute anders als damals, abgesehen davon, dass der Gegenkandidat bereits Erfahrung im Amt sammeln konnte und nichts Grundsätzliches falsch gemacht hat, wie Sie selber sagen?

Bon: Die Ausgangslage hat sich nicht geändert. Norbert Senn macht die grundsätzliche Alltagsarbeit recht. Was man aber nach wie vor nicht weiss ist, welches seine langfristigen Ziele für Romanshorn sind.

Ich bin der Meinung, dass eine Führungsperson auf dieser Stufe mit die Verantwortung hat, sich genau diese strategischen Fragen zu überlegen und Antworten darauf zu geben.

Wie würden Sie führen?

Bon: Ich bin mich gewohnt, Verantwortung zu delegieren, Vertrauen zu zeigen und mit einer Qualitätskontrolle sicherzustellen, dass es in die richtige Richtung geht.

Der Gemeindeammann muss Raum und Zeit haben, sich um politische und Stadtentwicklungsfragen zu kümmern. Das sehe ich als seine Kernaufgabe.

Wie genau würden Sie sich entlasten? Bei der FDP deuteten Sie an, das Ressort Finanzen vom Gemeindeammannamt zu trennen.

Bon: Das war beispielhaft gemeint. Sagen will ich: Ich bin bereit, eine wichtige Aufgabe abzugeben, um mir Raum zu schaffen für andere wichtige Aufgaben.

Im Gemeinderat gab es zuletzt relativ viele Wechsel. Die Behörde musste sich zuerst wieder finden als Gremium. Wenn jetzt Sie gewählt würden, gäbe es erneut einen Bruch. Kann sich das Romanshorn leisten?

Bon: Ich habe ganze Organisationen erfolgreich durch eine Veränderung geführt. Ich traue mir das auch in Romanshorn zu. Ich habe Respekt vor diesem Prozess, den man nicht unterschätzen darf. Man muss ihn ganz konkret miteinander planen und dann das ganze Dorf mit auf den Weg nehmen.

Ein grosses Sorgenkind in Romanshorn ist das Dorfzentrum, das sich entleert. Wie kann ihm neues Leben eingehaucht werden?

Bon: Langfristig müssen wir für Wachstum nach innen sorgen. Auf dem Bodan-Areal kann sogar ein Wachstum von innen heraus initiiert werden.

Das tönt gut. Aber wie soll das gehen?

Bon: Wir werden das Ganze mit Unterstützung von Fachleuten anschauen müssen. Entscheidend ist, dass man sich das Ziel genau überlegt, bevor man irgendetwas verändert.

Die Fragen sind: Was wollen wir und was könnten die unterstützenden Massnahmen sein? Kurzfristig kann man mit Zwischennutzungen sehr viel Leben kreieren, wie Zürich oder Winterthur bewiesen haben. Dies wertet Quartiere auf und macht sie für seriöse Investoren interessant.

Was meinen Sie mit Zwischennutzungen

Bon: Ungenutzte Gebäude werden Vereinen, Künstlern, Gewerbetreibenden usw.

günstig oder unentgeltlich zur Verfügung gestellt, damit sie belebt bleiben, bis über die weitere Verwendung entschieden ist. Es geht dabei um kreative, nicht um teure Lösungen. Vor Jahren machte Romanshorn das mit dem Musical von Dai Kimoto in den SBB-Lagerhallen.

Die Gemeinde hat für die Entwicklung des Bodan-Areals einen Investorenwettbewerb ausgeschrieben auf der Grundlage des Gestaltungsplans. Was halten Sie von diesem Vorgehen?

Bon: Davon halte ich gar nichts.

Warum?

Bon: Es ist ein völlig falscher Ansatz. Es ist der kleinste gemeinsame Nenner, und nicht die beste mögliche Lösung. Wir müssen die schwierige Aufgabe angehen, den bestehenden, vor 15 Jahren angedachten, das ganze Zentrum einbeziehenden Gestaltungsplan zu überarbeiten, um den Investoren und Architekten mehr Raum für zukunftsträchtige Lösungen zu geben. Das ist ein Risiko, das wir eingehen müssen.

Es ist grundfalsch, jetzt auf Biegen und Brechen etwas zu erzwingen, nur damit was passiert. Wir müssen Romanshorn für die nächste Generation definieren.

Wie stehen Sie zur geplanten Überbauung des Güterschuppenareals?

Bon: Soweit die Zahlen heute bekannt sind, sind die Investitions- und die Betriebskosten des geplanten Gemeindesaals viel zu hoch. Es gibt kein Betriebskonzept und wir könnten uns auf Jahre hinaus keine anderen Vorhaben mehr leisten. Zudem sind das Güterschuppenareal und das Bodan-Areal siamesische Zwillinge.

Wenn auf dem Bodan dicht gebaut wird, ist Zurückhaltung am Hafen nötig. Beide Areale zuzuklotzen, wird uns nicht helfen, Romanshorn von innen zu beleben. Wenn wir das Zentrum langfristig beleben wollen, brauchen wir auch offenen Raum.

Ihrem Komitee gehören Personen an, die Verbindungen zu Rolf Beerli und den Gegnern des HRS-Projekts auf dem Güterschuppenareal haben. Wären Sie als Gemeindeammann deren Handlanger?

Bon: Überhaupt nicht. Ich bin eine sehr unabhängige Person und lasse mich von niemandem vor den Karren spannen.

Sollte ich gewählt werden, bin ich der Gemeindeammann aller.

Interview: Markus Schoch