Visiere in der alten Heimat

WEINFELDEN. Seit Wochen fürchten sich Bewohner des «Sonnenwinkels» vor einem Neubau vor ihrer Nase. Fragt sich, was Christoph Blocher dazu sagen würde. Immerhin wohnte er in einem der Häuser.

Esther Simon
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Die Visiere im «Sonnenwinkel» in Weinfelden – hier soll ein Mehrfamilienhaus entstehen. (Bild: Esther Simon)

Die Visiere im «Sonnenwinkel» in Weinfelden – hier soll ein Mehrfamilienhaus entstehen. (Bild: Esther Simon)

Die PMTS Immobilien AG aus St. Gallen kann ihr geplantes Mehrfamilienhaus im «Sonnenwinkel» noch immer nicht bauen. «Zurzeit befinden wir uns im laufenden Verfahren», sagt der Weinfelder Bausekretär Peter Keller auf Anfrage, «aber bis Ende März sollten wir wissen, wie es weitergeht.»

Gegen das Bauvorhaben waren verschiedene Einsprachen eingegangen. Seit Wochen haben die Bewohner im «Sonnenwinkel» die Visiere nun schon vor der Nase. Viele sind verunsichert, ob sie überhaupt in ihren Häusern bleiben können. Auch die meisten Passanten schütteln den Kopf, wenn sie die Visiere anschauen. Das Vorhaben gilt in Weinfelden inzwischen als abschreckendes Beispiel von verdichtetem Bauen. Einer meint allerdings, dass der Bau wohl bewilligt werden müsse, wenn er die Vorgaben erfüllt.

Berühmter Bewohner

Was nur noch ein paar ältere Weinfelder wissen: Im Haus Nummer 3 im «Sonnenwinkel» wohnte in den späten 1960er-Jahren Christoph Blocher mit seiner Frau Silvia, geborene Kaiser. Das Paar hatte im Oktober 1967 in der evangelischen Kirche geheiratet und dann Wohnsitz im «Sonnenwinkel» genommen. «Das Fräulein Kaiser» war in Weinfelden eine beliebte Lehrerin. Einige ehemalige Schüler sind schon lange gestandene Männer: der Unternehmer und ehemalige Gemeinderat Beat Curau, die Gemeindeparlamentarier Ernst R. Anderwert und Heinz Schadegg sowie der Buchdrucker Kaspar Mühlemann. Die 90jährige Hedi Lüthi wohnt noch im Haus Nummer 3 und erinnert sich gut an Christoph Blocher, wie er jeden Morgen zum Weinfelder Bahnhof ging, «mit schwerem Schritt, wie ein Bauer».

Die Frau brachte das Geld heim

Tatsache ist, dass Blocher damals Student der Rechtswissenschaften in Zürich und Hausmann war. Das Geld für den Lebensunterhalt verdiente die Frau als Lehrerin.

1969 zog das Paar nach Feldmeilen um. Fragt sich, was Christoph Blocher zu den Visieren vor seinem ehemaligen Haus sagen würde. Ein Pappenstiel vielleicht für ihn, die Liegenschaften zu kaufen. Doch er war gestern nicht zu erreichen.

Gerne in der Ostschweiz: Das Ehepaar Silvia und Christoph Blocher 2002 an einer Feier in der Stadler-Rail in Bussnang. (Archivbild: Susann Basler)

Gerne in der Ostschweiz: Das Ehepaar Silvia und Christoph Blocher 2002 an einer Feier in der Stadler-Rail in Bussnang. (Archivbild: Susann Basler)

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