Viele Kleintierzüchter geben auf

BOTTIGHOFEN. Rund die Hälfte der Mitglieder des Kleintierzüchtervereins Kreuzlingen und Umgebung hat keine Kleintiere mehr. Grund dafür sind laut Präsident Wolfgang Gafner gesetzliche Schikanen und intolerante Nachbarn.

Annina Flaig
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Wolfgang Gafner, Präsident des Kleintierzüchtervereins Kreuzlingen und Umgebung, mit einem Belgischen Riesenkaninchen. (Bild: Annina Flaig)

Wolfgang Gafner, Präsident des Kleintierzüchtervereins Kreuzlingen und Umgebung, mit einem Belgischen Riesenkaninchen. (Bild: Annina Flaig)

Menschen wie Wolfgang Gafner sind selten. Der 73-Jährige hält auf seinem Grundstück rund 120 Tiere. Seit 22 Jahren präsidiert er den Kleintierzüchterverein Kreuzlingen und Umgebung. Und er hat in dieser Zeit eine augenfällige Entwicklung miterlebt: «Der Kleintierzüchterverein hat immer weniger Mitglieder, die auch wirklich Kleintiere halten oder züchten», sagt er. Derzeit sind noch rund die Hälfte der 50 Mitglieder auch Tierhalter. Die Tendenz ist sinkend. Möglich ist dies, weil das Züchten im Kreuzlinger Verein – anders als in gleichen Vereinen andernorts – keine Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist. «Sonst hätten wir bald keine Mitglieder mehr, denn viele geben auf», sagt Gafner. Er findet diese Entwicklung schade. «Wenn meine Gans Junge hat, gibt es in meiner Nachbarschaft Leute, die sie jeden Tag besuchen. Es ist doch schön, wenn es in den Quartieren die Möglichkeit gibt, Tiere zu beobachten.»

Stall in der Bauzone zu teuer

Wer beim Kleintierzüchter durch den Garten spaziert, begegnet unter anderem Schneegänsen, Magellangänsen, Frankengänsen, zahlreichen Kaninchenrassen wie Hotots oder Belgischen Riesen und Sachsenenten. Letzteren würde er gerne einen Teich buddeln. Doch dies ist in der Landwirtschaftszone nicht zulässig. Die gesetzlichen Grundlagen für das Erstellen von Kleintierställen ist laut Wolfgang Gafner denn auch die Hauptursache dafür, dass immer weniger Vereinsmitglieder Tiere halten. «Es ist ja heute kaum mehr erlaubt, einen Hühnerstall zu bauen», sagt er. Matthias Gredig vom Amt für Raumentwicklung hält dagegen: «Wenn man das Baureglement der jeweiligen Gemeinde einhält, werden Kleinbauten innerhalb der Bauzonen grundsätzlich bewilligt.»

Schwieriger bis unmöglich werde es nur ausserhalb der Bauzone, wo das Raumplanungsgesetz gelte. Das sind laut Gafner aber meist die einzigen Zonen, die für Kleintierzüchter in Frage kommen. Eine artgerechte Tierhaltung brauche viel Platz. Dafür sei das Bauland zu teuer. «Ich kenne keinen Züchter, der es sich leisten kann, in einer Bauzone einen grossen Hühnerstall zu bauen.» Die betroffenen Tierhalter, die er kennt, wollten die Tiere in der Landwirtschaftszone oder Landwirtschaftsschutzzone halten. Aber auch diejenigen, die innerhalb der Bauzone bewilligte kleine Ställe errichten, werden laut Gafner selten glückliche Tierhalter. «Die meisten kennen ihre Nachbarn schlecht», sagt er. Denn hier gebe es immer weniger Toleranz. Das Schnattern der Gänse, das Krähen eines Hahns oder das Klopfen der Hasen mit ihren Hinterläufen. All das sind Auslöser für Beschwerden über Ruhestörung, die der Züchter schon erlebt hat. «Das Gigerigi eines Güggels kann ein halbes Dorf aufscheuchen», sagt er. Einmal hat ihn ein Tierhalter sogar aus den Ferien in Schweden angerufen und gesagt: «Wolfgang, du musst meinen Güggel holen, sonst rastet mein Nachbar noch ganz aus.»

Der Mist führt zum Streit

Zu guter Letzt gibt auch der Mist der Kleintiere immer wieder Anlass für Streitereien. «In manchen Quartieren heisst es, dass Kleintierzüchter die lästigen Fliegen anziehen», sagt Gafner. «In meinen Augen ist es traurige Realität, dass viele, die gerne eine artgerechte Kleintierzucht betreiben möchten, an diesen Schikanen scheitern.»