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Viel Zuspruch für die neue Dirigentin

Am Sonntag gab der Oratorienchor Kreuzlingen sein erstes Konzert unter der Leitung von Dirigentin Annedore Neufeld. Die vorgestellten Werke spannten eine musikalische Brücke über vier Jahrhunderte.
Renata Egli-Gerber
Unkonventionelles Konzert: Der Oratorienchor Kreuzlingen in der Kirche St. Ulrich. (Bild: Renata Egli-Gerber)

Unkonventionelles Konzert: Der Oratorienchor Kreuzlingen in der Kirche St. Ulrich. (Bild: Renata Egli-Gerber)

Kreuzlingen. Das unkonventionelle Konzert mit vertonten Psalmen aus vier Jahrhunderten lockte eine grosse Zuhörerschaft in die Kirche St. Ulrich in Kreuzlingen. Diese war bereit, neben Bekanntem auch Ungewohntes und Neues zu hören. Mit den vorbarocken Meistern Johann Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein stimmte der Chor auf zwei grosse Psalmenthemen ein: Gotteslob in Psalm 146 und Überwindung der Trauer in den Psalmen 42 und 43.

Handschrift der Dirigentin

Von Anfang an überzeugte der Chor durch seinen Willen zur Gestaltung. Intensive Detailarbeit mit der neuen Dirigentin Annedore Neufeld wurde spürbar. Bei Schein folgte auf die Frage: «Was betrübst du dich, meine Seele?», die bewegte Antwort in Sechzehnteln exakt und mit hervorragender Aussprache. Kammermusikalische Intimität schafften in der grossen Kirche die Sopranistin Mirjam Berli und der Geiger Simon Wenger.

Im musikalischen Dialog, subtil begleitet an der Orgel von Tabea Schoell, spielten sie die Kantate von Dietrich Buxtehude «Singet dem Herrn ein neues Lied». Mit klarem, schlankem Ton und doch voll Wärme führten die Musizierenden in die Welt des Barock. Das Psalmenwort «Singet dem Herrn ein neues Lied» hätte als Motto über dem Konzert stehen können. Nach Mendelssohns Vertonung des zweiten Psalms standen ausschliesslich Kompositionen der Moderne auf dem Programm.

Lustvoll ausgehaltene Septimen

Den Übergang bildete Gabriel Faurés Impromptu für Harfe solo, opus 86. Die Harfenistin Johanna Baer schaffte mit sphärischen Klängen ein zartes, dichtes, kostbar wirkendes Klanggewebe. Höhepunkt des Konzerts bildeten die nach ihrem ersten Aufführungsort in Südengland benannten «Chichester Psalms» von Leonard Bernstein in hebräischer Sprache.

Durch den extremen Tonumfang, das rhythmische Dickicht und die langanhaltenden verminderten Septimen führte Annedore Neufeld ihren Chor sicher und unbeirrt. Die häufige Verwendung der Septime ist eine Anspielung auf die besondere Bedeutung der Zahl sieben in der jüdisch-christlichen Tradition.

So ist auch der Hauptteil des ersten Satzes im7/4-Takt geschrieben.

Beeindruckend war, wie Bass und Tenor diese Septimen, die bei Bernstein keine wohlige Auflösung finden, lustvoll aushielten. Der Solistin Mirjam Berli gelang der Sprung vom Barock zur Moderne mühelos. Begleitet wurden die «Chichester Psalms» von Orgel und Harfe und am Schlagzeug von Severin Balzer – moderne Formen der in den Psalmen oft beschworenen Instrumente Psalter, Harfe und Handpauke.

Am Marimbaphon leitete Severin Balzer mit zeitgenössischen Kompositionen von Paul Smadbeck und Gordon Stout souverän über zum jubelnden Schlussgesang dieses denkwürdigen Konzerts, dem 150. Psalm, vertont von Ernani Aguiar.

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