Viel Volk – viel mehr Geld

KREUZLINGEN. Kreuzlingen ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Mit der Zuwanderung steigen auch die Steuereinnahmen. Besonders erfreulich für die Stadtkasse: Die Neuen bringen mehr Ertrag, als durchschnittlich zu erwarten wäre.

Urs Brüschweiler
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Das rasante Wachstum Kreuzlingens hat viele Aspekte. Der schönste davon ist: Die Neuzuzüger lassen es in der Stadtkasse klingeln. Mehr Leute bezahlen auch mehr Steuern. Knapp 19 Millionen Franken zahlten die Bewohner der Stadt im Jahr 2003 (siehe Grafik). Acht Jahre später sind es schon über 24,5 Millionen. Im selben Zeitraum ist die Kreuzlinger Bevölkerung um knapp 2500 Personen angewachsen.

Gutsituierte Neuzuzüger

Die Zugezogenen bringen der Stadt also einen wahren Geldsegen. Bei nüchterner Betrachtung der Zahlen kann man auch davon ausgehen, dass sie im Schnitt gut situiert sind. Diese Einschätzung bestätigt auch Thomas Knupp, der Leiter der Finanzabteilung der Stadtverwaltung. Der Steuerertrag wächst seit Jahren nicht nur im Gleichschritt mit dem Bevölkerungswachstum, sondern deutlich stärker. Während nämlich zwischen 2003 und 2011 die Bevölkerung um 14 Prozent grösser wurde, stiegen die Steuereinnahmen im gleichen Zeitraum gar um 30 Prozent an. Dabei nicht berücksichtigt sind vier Steuergesetzesrevisionen mit massgeblichen Mindereinnahmen für die Stadtrechnung. Der Steuerfuss hat sich nicht verändert.

Blendende Aussichten also für die Finanzen der Stadt. Auch für das laufende Rechnungsjahr rechnet die Stadt mit Mehreinnahmen in Millionenhöhe, welche man hauptsächlich den Neuzuzügern zu verdanken hat. Und dasselbe Bild zeichnet sich auch im Budget für 2013 ab. «Der Finanzplan rechnet mit jährlich zwei Prozent Wachstum bei den Steuern der natürlichen Personen», sagt Thomas Knupp.

Stadt profitiert vom Bauboom

Der Bauboom wirkt sich nicht nur positiv auf die Einkommens- und Vermögenssteuern aus. Auch bei der Grundstückgewinnsteuer profitiere die Stadt enorm, wie der Finanzchef erklärt. In den Jahren bis 2004 flossen jährlich im Schnitt etwa 600 000 Franken. Dann stiegen die Zahlen steil an, bis 2009 mit 1,4 Millionen Franken ein Rekord aufgestellt wurde. Für 2012 erwartet man mit 1,7 Millionen Franken einen Höchstwert.

Bereit für Investitionen

Doch was passiert mit dem vielen Geld? Es gibt auch Kosten, welche mit der Bevölkerungszunahme steigen, erklärt Thomas Knupp. Zum Beispiel gebe es Verbände und Organisationen, welche Beiträge pro Einwohner verrechneten. Bei der Infrastruktur sei es zumeist so, dass diese bis zu einem gewissen Punkt ausreiche. Wenn dann vergrössert werden muss, steigen die Kosten sprunghaft an. Auch die öffentliche Sozialhilfe benötige höhere Summen als früher. Dieser Effekt tauche zeitverzögert auf zu den Wirtschaftszyklen. Knupp weist auch auf die Umlagerung von Aufgaben auf die Ebene der Gemeinden hin. «Aber wir haben die Kosten gut im Griff», sagt Knupp. Die Mehrkosten verschlingen bei weitem nicht die gesamten Mehreinnahmen. Seit 2006 weist die städtische Rechnung immer Gewinne aus. Seit 2007 sind es im Schnitt 2,8 Millionen Franken. «Das sind günstige Voraussetzungen für Investitionen», sagt Knupp, «denn mit der Bevölkerung nehmen auch die Bedürfnisse zu.» Die anstehenden Grossinvestitionen allein über das Bevölkerungswachstum zu finanzieren, wie man es hie und da in der Stadt schon hörte, hält Knupp aus heutiger Sicht für nicht statthaft.

Steuersenkungen oder zumindest Schuldenabbau wären sicher ein grosses Thema, wenn die Gross-Investitionen für die «Xentrum»-Projekte nicht vor der Tür stünden. Diese verhindern eine Reduktion des Steuerfusses.

Kreuzlingen zieht nicht nur beim Fantastical viele Menschen an. (Archivbild: Donato Caspari)

Kreuzlingen zieht nicht nur beim Fantastical viele Menschen an. (Archivbild: Donato Caspari)

Die Neuzuzüger lassen es in der Stadtkasse klingeln. (Bild: Fotolia)

Die Neuzuzüger lassen es in der Stadtkasse klingeln. (Bild: Fotolia)

Finanzchef Thomas Knupp. (Bild: pd)

Finanzchef Thomas Knupp. (Bild: pd)

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