Viel Musik und ein bisschen Regen

Das Durchschnittsalter der Besucher ist zwar augenfällig höher als anderswo. Mit Rock-Altstars wie Joe Cocker und helvetischen Acts hat das Summerdays Festival ein eigenes Profil. Es verbindet Generationen in speziell friedlicher Ambiance am See. Der Komfort lässt auch nicht mehr ganz sommerliches Wetter gut wegstecken.

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Simon Ringgenberg (48), Thun

Das Summerdays Festival ist ein Open-Air wie kein zweites hierzulande: es ist für uns das Rock-Festival schlechthin – mit klarer Ausrichtung und überschaubar. Die Ambiance ist wunderbar, die Lage direkt am Bodensee einmalig. Trotz dem Gurten vor der Haustüre sind wir Fans von Arbon. Wir sind eine Gruppe aus dem Raum Bern-Thun und schätzen die Stimmung. Sie ist relaxed. An welchem Open-Air kann man denn noch auf Klappstühlen hocken? Das Programm am Freitag ist zugeschnitten auf «ältere Semester», die es bequem lieben. Übernachten werden wir auf dem Zeltplatz.

Bruno Hinder (63), St. Gallen

Das Line-up mit den Oldies spricht mich an. Selber bin ich wie viele Festivalbesucher hier auch nicht mehr ganz ein Frischling. Mit unverwüstlichen Haudegen wie Joe Cocker bin ich «alt» geworden. Aber es ist ein Festival, das Generationen verbindet. Die Stimmung ist super. Ich war schon bei den alten Arboner Open-Airs in den Achtzigerjahren an diesem idyllischen Flecken dabei. Das Areal ist herrlich, die Infrastruktur komfortabel. Das kommt mir entgegen. Man muss nicht über Wurzelstöcke und stotziges Gelände wie etwa in Gampel laufen. Ich bin ein Musiknarr und habe an der St. Jakob-Strasse in St. Gallen ein Vinyl-Lädeli, sammle und handle mit Platten von Abba bis Zappa.

Michaela Tanner (13), Frasnacht, Clelia Spalletta (13), Arbon

Wir mixen fruchtige alkoholfreie Drinks und bieten sie den Festivalbesuchern an. Kleine Becherli geben wir zum Probieren. Wir machen gerne mit bei dieser Alkoholprävention der Kinder- und Jugendarbeit Arbon. In der Schule war ein Flyer ausgehängt. Da haben wir uns gemeldet. In einem Workshop lernten wir die Drinks richtig mixen. Jugendliche sollen trinken, was sie dürfen – auch ohne Alkohol lässt sich das Open-Air ausgelassen geniessen.

Simon-Dominique Wäckerlin (19), Gruppenleiter Sicherheit

Ich bin für die Sicherheitsfirma 4-Safe tätig und für die Eingangskontrolle zuständig hier im Westbereich des Festivalgeländes. Wir durchsuchen Taschen und Rucksäcke nach Gegenständen, die nicht mitgeführt werden dürfen. Zum Beispiel grosse Glasflaschen. Wir kontrollieren anhand einer Liste. Überrascht sind viele Besucher, dass wir die Schirme zurückbehalten müssen. Das ist in diesem Jahr neu, ist aber klar so kommuniziert worden. Man will nämlich so verhindern, dass aufgespannte Regenschirme den Blick auf die Bühne verstellen. Wichtig ist, dass wir das ruhig und nachvollziehbar begründen. Die meisten verstehen die Massnahme. Es gibt ja auch Regenjacken und Pelerinen. Gröbere Sachen haben wir bis jetzt nicht konfiszieren müssen.

Erika Knuser (49), Wängi

Der überschaubare Rahmen des Festivals und die Lage am See sprechen mich besonders an. Mein Mann und ich besuchen das Summerdays schon zum zweiten Mal. Das wenig sommerliche Wetter vermag unsere gute Stimmung nicht zu trüben. Letztes Jahr wurden wir auch mit dem Regen konfrontiert, diesmal konnten wir uns schon frühzeitig mit den Pelerinen ausstatten. Auch die Musik hier in Arbon gefällt mir sehr. Joe Cocker und 77 Bombay Street gehören klar zu meinen Favoriten.

Artemis Pfeiffer (30), Halden

Eigentlich wollte ich schon am Freitag Joe Cocker sehen, doch weil keine Tickets mehr erhältlich waren, komme ich nun halt am Samstag. Auch heute bietet das Programm gute Acts. Da ich in Arbon aufgewachsen bin, ist es für mich ein besonderer Anlass. Vor allem sorgt der See für ein unbeschreibliches Feeling. Eigentlich bin ich sonst kein Open-Air- Freak, aber das Summerdays mit seiner überschaubaren Grösse und dem schönen Ambiente am See spricht mich an.

Volker Hauer (36), Steinach

Die meisten Leute werden durch den Regen schon ein bisschen zurückhaltender. Doch mich persönlich stört es überhaupt nicht, es gehört schon fast dazu. Ich bin sonst kein Open-Air-Gänger. Aber Arbon, wo ich aufgewachsen bin, ist für mich ein Heimspiel. Besonders das gute Programm am Freitag und die familiäre Atmosphäre am Samstag sind einladend. Mein Favorit dieses Jahr waren Nazareth – schade, dass der Gig dann abrupt endete.

Michelle Kluser (18), Altstätten

Ich bin zum ersten Mal hier am Summerdays-Festival in Arbon. Trotz des nicht idealen Wetters hat es hier viele Leute und die Stimmung ist gut. Das kleine Open-Air am See bietet ein gutes, abwechslungsreiches Programm für Jung und Alt. Toll wäre es natürlich, wenn einmal Macklemore oder Cro nach Arbon kommen würden.

Basil Hägi (30), Weinfelden

Ich habe als Staff-Mitarbeiter angeheuert und sorge diesmal im Bühnengraben dafür, dass es gesittet zugeht und niemand erdrückt wird. Oder keiner die Bühne erstürmen kann, wie das neulich einer in Superman-Montur tat. Joe Cocker verlangt, dass unmittelbar vor der Bühne nicht fotografiert wird. Das muss ich durchsetzen. Backstage arbeiten und hautnah das Festival erleben kann ich super verbinden. Ich bekomme zwar keinen Lohn, dafür aber ein Ticket. Ich mache das hobbymässig.

Jana und Laura Gautschi (17), Wittenbach

Als Zwillinge geniessen wir das Summerdays. Als richtige Open-Air-Gänger lassen wir uns die Stimmung wegen ein paar Regentropfen nicht vermiesen. Klar würden wir lieber in den See springen. Wir finden es cool, dass so viele Schweizer Bands hier auftreten. Aber am meisten freuen wir uns auf Sunrise Avenue.

Markus Brülisauer und Florian Rohrbacher (24), St. Gallen

Wir sind regelmässige Open-Air-Besucher. Das Programm hier in Arbon spricht uns mehr an als das St.Galler Line-up. Das Publikum ist gesetzter. Wir sind hier wegen der Musik, vor allem wegen Adrian Stern, der für uns die Sterne greifbar macht. Auch ein Regengutsch kann uns nichts anhaben – solange wir ein Bier in der Hand haben.

Leena und Max Eichenberger, Fabienne Lutz