Viel los auf dem Sozialamt

TÄGERWILEN. Das Theater Tägerwilen feierte am Donnerstag Premiere seines Stücks «Total A-Sozial». Der lustige Schwank und die schauspielerische Leistung kamen beim Publikum gut an.

Judith Meyer
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Überzeugen in ihren Rollen: Thomas Bitschnau, Mario Dabrock, Beat Steiner und Conny Vannier. (Bild: Judith Meyer)

Überzeugen in ihren Rollen: Thomas Bitschnau, Mario Dabrock, Beat Steiner und Conny Vannier. (Bild: Judith Meyer)

Die Premiere des neusten Stücks der Theatergruppe Tägerwilen fing mit einer herzlichen Begrüssung durch Beat Steiner, der später im Stück den Beamten Abächerli gab, an. Dreiviertel des Saales der Bürgerhalle war gefüllt – kein schlechtes Ergebnis für eine Aufführung, die auf einen Donnerstagabend angesetzt wurde. Der Aufwand ist für die Gruppe finanziell, aber auch organisatorisch und menschlich gross. Wer in seiner Freizeit Theater spielt, ist voll engagiert. Das Ensemble hatte ganze drei Monate am neuen Stück geprobt. Es ist angelehnt an den Schwank «Rente gut, alles gut» von Michael Cooney.

Ehefrau weiss von nichts

Regie führt Annette Kuhn, die sich neben anderen Theaterproduktionen sehr für das Gelingen dieses Schwankes einsetzte. Aber nun zur Geschichte: Kurt Bachmann verschweigt seiner Ehefrau Nelly seit zwei Jahren, dass er arbeitslos ist. Geschickt nutzt er das Sozialsystem aus und erschleicht sich Fürsorgegelder aufgrund haarsträubender Geschichten. Er kassiert für ehemalige und aktuelle Untermieter und schafft sich so ein richtiges Netzwerk von Einkünften. Doch dann kommt die Wende. Bachmann will die Leistungen abmelden und kann dies nur mittels eines Formulars. Es beginnt ein nicht aufzuhaltender Strudel von Verwechslungen, Notlügen, Verkleidungen, Rollenwechsel, Scheintoten und schliesslich der Wahrheit. Der Sozialbeamte Abächerli, sehr gelungen gespielt von Beat Steiner, sucht Bachmann auf, der zusammen mit seinem heiratswilligen Untermieter Benni Appenzeller, der sehr unterhaltsam von Mario Dabrock gespielt wird, das Lügenkarussell erst so richtig in Schwingung bringt. Die Verwechslungen werden immer grösser und Appenzeller wähnt sich «im Epizentrum der Katastrophe». Die Lacher bleiben nicht aus, denn die feine Mischung aus heiterem und makabrem Humor kommt gut an.

Engagierte Regisseurin

«Wenn Theater gespielt wird, ist das lebendig, da kann alles passieren», kommentiert Annette Kuhn kleine Patzer, welche die Schauspieler an diesem Abend machten. Diese störten das Publikum aber nicht, denn die Dialoge waren so geschickt im Handlungsablauf plaziert, dass kaum eine störende Pause oder ein fehlender Zusammenhang wahrgenommen wurde. Die Regisseurin half ihrem Ensemble mit Herz und Geschick und steuerte so das Stück wieder in die richtige Richtung.

Zur Verpflegung gab es in der Pause Selbstgemachtes: Kuchen, Crème, Suppe, Würstchen und Torten. In der zweiten Hälfte des Stückes trieben sich die Verwicklungen munter gegenseitig weiter an und endeten mit dem Ruf aller Darsteller: «Ihr seid doch alle total asozial.» Langanhaltender Applaus belohnte die wirklich beachtliche schauspielerische Leistung des Ensembles.