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Viel erlebt und gern geschrieben

ARBON. Im nach ihm benannten Haus an der Landquartstrasse hat Johann Heinrich Mayr gelebt - für geschichtskundige Arboner ist er der «Libanon-Mayr» (1768-1838). Er schrieb seine Erinnerungen nieder. Am Mittwochabend war Buchvernissage.
Hedy Züger

Die Vernissage zur Herausgabe der Lebenserinnerungen des Arboners Johann Heinrich Mayr in der Galerie Bleisch vereinigte eine Reihe von Persönlichkeiten, die sich um das Werk verdient gemacht haben oder auf andere Weise damit verbunden sind. Eine spannende Odyssee liegt hinter der Sicherung der Handschriften bis zu ihrem Druck. Eine ähnliche Geschichte mit Krisen und Erfolgen hat auch das Mayrhaus in der Bleiche hinter sich; es stand vor dem Abbruch, wurde gerettet und als eine der ersten Bauten im Kanton wegen Strassenbauprojekten verschoben.

Hier hatte der Textilfabrikant Mayr gelebt und gearbeitet, hier Teile seiner Lebenswanderung aufgezeichnet.

Gesamtwerk erhalten

«Keine 20 Meter von meinem Büro im Regierungsgebäude entfernt wurden Mayrs Aufzeichnungen zuletzt aufbewahrt», erklärte Regierungsrat Claudius Graf-Schelling an der Präsentation der «Lebenswanderung». Glücklicherweise blieb die Sammlung der Handschriften über die Jahre komplett. «Sie befand sich teilweise in einem Futteral von grünem Saffian», erinnert sich Graf-Schelling.

Handlungsbedarf gab es für ihn, als ein Teil der nötigen Finanzen nicht gesichert war: Die Transkription der umfangreichen Lebenserinnerungen Mayrs und die Herausgabe waren anspruchsvoll und aufwendig.

Bedeutendes Werk gesichert

Graf-Schelling hob die Verdienste mehrerer Beteiligter am Buchprojekt hervor: Historiker Kurt Bünzli, Denkmalpflegerin Beatrice Sendner, Staatsarchivar André Salathé, Verleger Hansrudolf Frey.

«Freys verlegerische Kühnheit hat ein Werk gefördert, das noch viele Generationen nach uns erfreuen und beschäftigen wird», so Graf-Schelling. Er und Kurt Bünzli stammen aus Arbon. «Wir feiern auch die Herausgeber von «Lebenswanderung», stellte Regierungsrätin Monika Knill fest. Es handle sich um eine aussergewöhnliche Buchvernissage. Die Aufzeichnungen Mayrs weckten Neugier. Knill erinnerte sich, dass Claudi Graf schon vor langer Zeit vom Libanon-Mayr erzählt habe.

Politische Karikaturen

Denkmalpflegerin Beatrice Sendner stellte Johann Heinrich Mayr und sein Umfeld in der damaligen Umbruchzeit vor. Mayr hatte die Lateinschule in Lörrach und Schulen in Aarau besucht, darauf war er in einem Genueser Handelshaus tätig. Mit 23 Jahren musste er in der Bleiche die Nachfolge seines Vaters antreten. Bald eröffnete Mayr zwischen Rheineck und Thal einen Zweigbetrieb und wanderte jeden Tag zu Fuss dahin. Er experimentierte mit Druckfarben und Mustern. Mayr verkaufte grosse Mengen Seidenshawls nach Russland.

Schnupftücher wurden mit politischen Karikaturen bedruckt. 1812 brach Mayr zu einer zweijährigen Reise nach Libanon und nach Jerusalem auf. Er galt nach der Rückkehr als ein weitgereister Zeitgenosse, der viel zu erzählen hatte.

Arm wie die Kirchenmäuse

In der Bleiche wurden die leinenen Tücher zum Bleichen im Freien ausgelegt.

«Von weitem sah das aus wie ewiger Schnee», las der frühere Tagesschau-Sprecher Christoph Hürsch aus «Lebenswanderung». Die Arbeiter wurden im Haus verköstigt. Mayr schildert sie nicht eben freundlich als ausgehungert und arm wie Kirchenmäuse. Der Bleiche war schon damals ein grosser Landwirtschaftsbetrieb angeschlossen. Mayr musste sich gegen Obstdiebe zur Wehr setzen.

Historiker Kurt Bünzli stellte Thesen zur Entstehung der Bücher auf. Mayr habe viel erlebt und gerne geschrieben. Vom Wohnzimmer aus habe er direkt auf den Galgen gesehen; Hinrichtungen waren damals eine Volksbelustigung. Weil Mayr an einem Nasenleiden litt und deshalb ledig blieb, früh aus dem Geschäft zurücktrat und weite Reisen unternahm, verfügte er über die nötige Zeit zum Schreiben. –Hannes Geisser untermalte die Feier mit gut gewählten Saxophonklängen.

Die im Text eingeklinkten Auszüge stammen aus einer Fassung, die in der Library der Columbia University in New York lagert.

Historiker und Autor Kurt Bünzli.

Historiker und Autor Kurt Bünzli.

Die dreibändige Autobiographie des reisenden Textilunternehmers aus der Frühzeit der Industrialisierung ist im Huber Verlag erschienen. (Bild: in)

Die dreibändige Autobiographie des reisenden Textilunternehmers aus der Frühzeit der Industrialisierung ist im Huber Verlag erschienen. (Bild: in)

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