Verzweifelt gesucht: Neue Sänger

Am Sonntag stand der Männerchor Frohsinn im «Trauben» in Weinfelden an der ersten von drei Unterhaltungen auf der Bühne. Möglich machten den traditionellen Anlass allerdings erst elf Gastsänger aus befreundeten Chören.

Rudolf Steiner
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Weibliche Unterstützung für den Chor auch beim Theater «Öberraschig us em Oschte»: Silvia Winkelried (Eveline Bürge), Oleg Krasnov (Michele Fiorenza), Wladimir Wieczorek (Thomas Rohr), Bauer Paul Winkelried (Vereinspräsident Walter Knill) und Fine Meierhöfer (Hanny Rechsteiner). (Bild: Rudolf Steiner)

Weibliche Unterstützung für den Chor auch beim Theater «Öberraschig us em Oschte»: Silvia Winkelried (Eveline Bürge), Oleg Krasnov (Michele Fiorenza), Wladimir Wieczorek (Thomas Rohr), Bauer Paul Winkelried (Vereinspräsident Walter Knill) und Fine Meierhöfer (Hanny Rechsteiner). (Bild: Rudolf Steiner)

WEINFELDEN. «Wenn's söll witer goo, müend neui Sänger cho», steht am Ende der Schauspielerliste auf dem Programm der Unterhaltung 2015. Klein, fast übersehbar. Mit diesem eher ungewöhnlichen Hilferuf macht der altehrwürdige Männerchor Frohsinn Weinfelden auf seine prekäre personelle Situation aufmerksam. Nachdem der Männerchor schon vor einem Jahr nur noch ein Dutzend Sänger zählte, sind es an der diesjährigen Unterhaltung nur noch neun eigene Leute.

«Im Verlaufe des letzten Jahres hatten wir drei Todesfälle in unserem Verein», sagt Walter Knill. Der 68jährige pensionierte Lastwagenchauffeur ist selbst seit 25 Jahren Mitglied und seit zehn Jahren Präsident des Männerchors Frohsinn. Der Verein hat seine Wurzeln in der Arbeiterbewegung Ende des vorletzten Jahrhunderts. «1996 haben wir noch das 125-Jahr-Jubiläum mit einem grossen zweitägigen Fest in der Reithalle gefeiert und der Verein zählte noch zwei Dutzend Mitglieder», sagt Knill. In den vergangenen Jahren sind aber mehr Sänger gestorben als neue dazugekommen, und so zählt der Verein momentan gerade mal noch knapp zwei Handvoll Mitglieder.

Grosse Solidarität der Chöre

Weil es aber bei den Gesangschören keinen Transfermarkt wie beim Fussball gibt, hat man sich auf die mühsame Suche nach Verstärkung gemacht. «Weil uns bewusst war, dass wir mit so wenigen Sängern keine Unterhaltung mehr durchführen können, haben wir im letzten Herbst befreundete Chöre um Verstärkung angefragt», sagt Knill. Dank des guten Beziehungsnetzes des Präsidenten und der Mithilfe der beiden Dirigentinnen Barbara Laager und Claudia Hugentobler haben sich vom Männerchor Märstetten sowie vom Seniorenchor und Männerchor Weinfelden spontan elf Sänger gemeldet. «So konnten wir im Oktober mit 20 Sängern mit den Vorbereitungen für die Unterhaltung beginnen», sagt Bianca Schiegg. Die 32-Jährige ist bereits seit 14 Jahren Dirigentin beim Männerchor Frohsinn und erwartet im April ihr zweites Kind. Darum ist der Vorstand für die Übergangszeit auch noch auf der Suche nach einem Ersatz für seine Dirigentin. Dank der Verstärkung konnte sie für die diesjährige Unterhaltung nochmals ein interessantes Programm mit sechs Liedern in der ersten Abendhälfte und einem humoristischen Showblock im zweiten Teil auf die Beine stellen, das traditionell mit einem Theaterstück – dieses Jahr mit dem Lustspiel «Überraschig us em Oschte» – abgeschlossen wird.

Verein mit gesunden Finanzen

Bis auf die Anzahl aktiver Sänger stimmt beim Männerchor Frohsinn eigentlich alles. «Wir haben ein abwechslungsreiches Jahresprogramm, eine gute Kameradschaft, viele Sympathisanten und auch die Finanzen sind im Lot», sagt Präsident Walter Knill. Das bestätigen auch Walter und Esther Marti, die seit Jahrzehnten zu den Stammgästen der Unterhaltungen gehören. «Uns hat das Programm mit Gesang und Theater auch dieses Jahr wieder sehr gut gefallen», sagt Esther Marti, die ehemalige Wirtin des Bäckerstüblis. Ihr Schwiegervater Hugo war jahrzehntelang Mitglied im Männerchor Frohsinn.

Ebenfalls zu den Stammgästen gehört das Ehepaar Ernst und Vreni Bär. «Wir haben gute Freunde beim <Frohsinn> und kommen seit Jahrzehnten an den Unterhaltungsabend», sagt der 73jährige ehemalige Waffenläufer Ernst Bär, dem jeweils auch die Tanzmusik speziell gefallen hat.